DEV Community

Dirk Röthig
Dirk Röthig

Posted on • Edited on

Science-Based Targets: Warum 10.000 Unternehmen auf wissenschaftliche Klimaziele setzen — und was das für Investoren bedeutet

Science-Based Targets: Warum 10.000 Unternehmen auf wissenschaftliche Klimaziele setzen — und was das für Investoren bedeutet

Von Dirk Röthig | CEO, VERDANTIS Impact Capital | 20. März 2026

Im Januar 2026 hat die Science Based Targets initiative (SBTi) eine Marke erreicht, die noch vor drei Jahren undenkbar schien: 10.000 validierte Unternehmen. Gemeinsam repräsentieren sie rund 40 Prozent der globalen Marktkapitalisierung. Wissenschaftsbasierte Klimaziele sind kein Nischensignal mehr — sie sind ein Strukturmerkmal der globalen Kapitalallokation. Dirk Röthig erklärt, was SBTi-Ziele wirklich bedeuten, warum die Offset-Kontroverse von 2024 das Framework gestärkt hat, und warum DAX-40-Unternehmen mit ihrer bescheidenen ~10-Prozent-Validierungsrate strategisch ins Hintertreffen geraten könnten.

Tags: SBTi, Science Based Targets, Net-Zero, 1,5-Grad, Klimaziele, Investoren, ESG, Scope 3, FLAG


Der Moment, an dem eine Bewegung zur Norm wird

Bewegungen haben eine bestimmte Trajektorie: Sie beginnen als Nische, werden zum Differenzierungsmerkmal, und enden schließlich als Standard, dessen Abwesenheit Erklärungsbedarf auslöst. Science Based Targets befinden sich 2026 an diesem dritten Punkt.

Als die Science Based Targets initiative 2015 gegründet wurde — als gemeinsame Initiative von CDP, UN Global Compact, World Resources Institute und WWF — war die Prämisse simpel und gleichzeitig revolutionär: Klimaziele von Unternehmen sollten nicht mehr nach internem Wunschdenken, sondern nach dem wissenschaftlich notwendigen 1,5°C-Pfad kalibriert werden. Die erste validierte Methodik erschien 2015. Die ersten Unternehmensvalidierungen begannen 2016.

Zehn Jahre später: 10.000 validierte Unternehmen, 40 Prozent der globalen Marktkapitalisierung (SBTi Progress Report, Januar 2026). Mehr als 4.500 weitere Unternehmen haben sich zur Zielsetzung verpflichtet (committed), ohne bereits validierte Ziele eingereicht zu haben. Das Wachstum der letzten Jahre war exponentiell: 2020 waren es noch unter 1.000 Unternehmen mit validierten Zielen; 2022 wurden 3.000 erreicht, 2024 erstmals über 8.000.

Diese Zahlen bedeuten etwas für Investoren, Lieferketten und Regulatoren — und dieser Artikel erklärt warum.


Was SBTi-Ziele wirklich verlangen

Die zwei Zieltypen: Near-Term und Long-Term

Das SBTi-Framework unterscheidet zwei komplementäre Zielkategorien:

1. Kurzfristige Ziele (Near-Term Targets)
Signifikante absolute Emissionsreduktionen typischerweise bis 2030, ausgerichtet an einem 1,5°C-Pfad:

  • Scope 1 und 2: Mindestens 50 Prozent absolute Reduktion gegenüber dem Basisjahr bis spätestens 2030 (für einen 1,5°C-Pfad)
  • Scope 3: Mindestens 25 Prozent absolute Reduktion der gesamten Scope-3-Emissionen, wenn diese mehr als 40 Prozent der gesamten Scope-1+2+3-Emissionen ausmachen — in der Praxis bei den meisten Unternehmen der Fall

Die genauen Anforderungen variieren je nach Sektor und Basisjahr. Der SBTi-Modelling-Ansatz erlaubt unternehmensspezifische Zielpfade, solange sie aggregiert zum sektoralen und globalen 1,5°C-Budget passen.

2. Langfristige Ziele (Long-Term / Net-Zero Targets)
Bis spätestens 2050 (für die meisten Sektoren):

  • Scope 1, 2 und 3: Mindestens 90 Prozent absolute Emissionsreduktion gegenüber dem Basisjahr
  • Die verbleibenden maximal 10 Prozent Residualemissionen müssen durch hochwertige, permanente Kohlenstoffabscheidung neutralisiert werden

Die Scope-Anforderungen im Detail

Für Investoren ist die Scope-3-Abdeckung besonders bedeutsam, weil sie die volle Wertschöpfungskette einschließt:

Scope Was umfasst es SBTi-Anforderung
Scope 1 Direkte Emissionen (eigene Verbrennung, Prozesse) Vollständige Abdeckung, Pflicht
Scope 2 Indirekte Emissionen aus Energiebezug Vollständige Abdeckung, Pflicht
Scope 3 Vorgelagerte + nachgelagerte Wertschöpfungskette Alle Kategorien >40% der Gesamtemissionen

Scope-3-Emissionen umfassen 15 Kategorien — von eingekauften Waren und Dienstleistungen (Cat. 1) über Mitarbeiterpendle (Cat. 7) bis hin zu Investitionen (Cat. 15, besonders relevant für Finanzinstitute). Die Vollständigkeit der Scope-3-Erfassung ist für die meisten Unternehmen die größte methodische Herausforderung.

Was SBTi nicht erlaubt: Die Offset-Grenze

Die wichtigste Einschränkung, die SBTi von anderen Klimaziel-Frameworks unterscheidet: CO₂-Kompensationen (Offsets) sind kein Ersatz für echte Emissionsreduktionen.

Ein Unternehmen, das 1 Million Tonnen CO₂ emittiert und 1 Million Tonnen Zertifikate kauft, hat kein validierbares SBTi-Ziel. CO₂-Kompensation kann im SBTi-Framework ausschließlich für die Neutralisierung von Residualemissionen (max. 10 Prozent des Basisjahres) nach Erreichung des 90-Prozent-Reduktionsziels genutzt werden.

BVCM — Beyond Value Chain Mitigation ist das SBTi-anerkannte Instrument für freiwillige Klimabeiträge jenseits der eigenen Wertschöpfungskette: Unternehmen können parallel zu ihrer Dekarbonisierungsreise hochwertige Klimaschutzprojekte finanzieren — kommuniziert als Klimabeitrag, nicht als Klimaneutralitätsclaim (SBTi BVCM Guidance, 2023).


Die Offset-Kontroverse von 2024: Was wirklich passierte — und wie es endete

Der Auslöser

Im April 2024 veröffentlichte das SBTi-Board ein Statement, das zeitweise für erhebliche Verwirrung sorgte: Es sollte diskutiert werden, ob Scope-3-Emissionen zukünftig teilweise durch hochwertige Offsets abgedeckt werden könnten — abweichend von der bisherigen Kernlogik des Standards.

Das Statement löste eine intensive öffentliche Debatte aus. Wissenschaftler, NGOs und Investoren argumentierten, dass eine Lockerung der Offset-Regel den wissenschaftlichen Kern des Standards untergraben würde. Der Aufsichtsrat des SBTi intervenierte und erklärte, dass das Statement keine offizielle Standardänderung darstellte.

Das Ergebnis: Keine Änderung der Kernlogik

In den nachfolgenden Konsultationsprozessen zu Version 2.0 (erster Entwurf September 2024, zweiter Entwurf November 2025) wurde die Kernlogik bestätigt: Offsets bleiben kein Ersatz für Emissionsreduktionen in SBTi-Zielen. Das Konzept der OER (Ongoing Emissions Responsibility) in V2.0 erlaubt lediglich die strukturierte Anerkennung von BVCM-Maßnahmen — nicht die Substitution von Reduktionspfaden.

Für Investoren ist dieser Ausgang wichtig: Der Standard hat einer politischen Belastungsprobe standgehalten. Die Integrität der SBTi-Ziele als Proxy für echte Dekarbonisierung ist gesichert.

Was V2.0 konkret ändert

Die finale Version 2.0 wird 2026 veröffentlicht. Wesentliche Neuerungen gegenüber V1.3:

  1. Stärkung der Abatement-Hierarchie: Direkte Mitigation (Scope 1–3) hat absolute Priorität vor indirekten Maßnahmen
  2. OER-Framework: Strukturierte Anerkennung freiwilliger Klimabeiträge (BVCM) parallel zum eigenen Reduktionspfad
  3. 41/59-Regel für Residual-Neutralisierung: 41 Prozent der Neutralisierung von Residualemissionen muss durch langlebige Kohlenstoffspeicherung (DACCS, Biochar, Enhanced Mineralization) erfolgen; 59 Prozent durch kurzlebige oder weitere langlebige Entfernung (SBTi Consultation Draft V2.0, November 2025)
  4. Übergangsfrist: Bestehende Ziele nach V1.3 bleiben bis 31. Dezember 2027 gültig. Ab 1. Januar 2028 müssen alle neuen Validierungen nach V2.0 erfolgen

FLAG-Guidance: Warum Land- und Forstwirtschaft besonders behandelt wird

Der Kontext

Land- und forstwirtschaftliche Aktivitäten sind für etwa 22 bis 25 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich — durch direkte Emissionen aus Viehhaltung, Düngung und Reisanbau sowie durch Entwaldung und Landnutzungsänderungen (IPCC, 2021). Gleichzeitig sind diese Sektoren Träger erheblicher CO₂-Sequestrierungspotenziale in Böden, Wäldern und Feuchtgebieten.

Die Standard-SBTi-Methodiken für Industrie und Dienstleistungen bilden diese Besonderheiten unzureichend ab. Die FLAG-Guidance (Forest, Land and Agriculture) schließt diese Lücke.

Was FLAG verlangt

Unternehmen, deren Wertschöpfungskette signifikant landwirtschaftliche oder forstwirtschaftliche Aktivitäten einschließt — Lebensmittelhersteller, Agrarunternehmen, Holzwirtschaft, Papier- und Zellstoffhersteller, Retailer mit signifikantem Food-Sortiment — müssen spezifische FLAG-Ziele setzen.

Diese umfassen:

  • Landwirtschaftliche Emissionen: Methan und Lachgas aus Tierhaltung, Düngung, Reisanbau
  • Landnutzungsemissionen (LULUCF): Emissionen durch Entwaldung und Landkonversion
  • Entwaldungsverpflichtung (No-Deforestation): Unternehmen müssen Entwaldung in ihrer Lieferkette eliminieren

Im Rahmen der aktuellen FLAG-Revisionen (V1.3) wurde Kriterium 4 (No-Deforestation-Deadline) angepasst: Unternehmen, die erstmals FLAG-Ziele setzen, haben bis zu zwei Jahre nach Validierung Zeit, Entwaldung in ihrer Lieferkette zu eliminieren — mit einer absoluten Frist von 31. Dezember 2030 (SBTi FLAG Guidance Update, 2025).

Bedeutung für Agroforstinvestoren

Die FLAG-Guidance ist nicht nur für direkt betroffene Unternehmen relevant. Sie schafft auch eine Nachfragestruktur für hochwertige Klimamaßnahmen in der Landwirtschaft: Unternehmen mit FLAG-Zielen müssen ihre Lieferkette dekarbonisieren und suchen aktiv nach Partnern, die agrarische CO₂-Reduktionen und -Entfernungen glaubwürdig umsetzen können.

Agroforstwirtschaftssysteme — die Integration von Bäumen in Landwirtschaftsflächen — schneiden in diesem Kontext besonders gut ab: Sie reduzieren Emissionen (durch verbesserte Bodengesundheit, reduzierte Düngermittelintensität), sequestrieren CO₂ (durch Baumbiomasse und Humusaufbau) und liefern Co-Benefits für Biodiversität und Wasserhaushalt.


Business Benefits: Was SBTi-Ziele für Unternehmen bewirken

Interne Effekte

Eine interne Analyse des SBTi aus dem Jahr 2023 (aktualisiert 2025) zeigt konsistent, dass Unternehmen mit validierten Klimazielen signifikante interne Vorteile berichten:

  • 91 Prozent der Unternehmen mit SBTi-Zielen berichten von positivem Einfluss auf ihre Nachhaltigkeitsstrategie — konkret: klarere Prioritätensetzung bei Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien (SBTi Internal Survey, 2025)
  • Emissionsreduktionen bei validierten Unternehmen verlaufen im Durchschnitt schneller als bei vergleichbaren Unternehmen ohne SBTi-Ziele — ein Hinweis darauf, dass die öffentliche Verpflichtung und die Validierungspflicht tatsächlich zu beschleunigter Dekarbonisierung führen

Investoren-Vertrauen

  • 76 Prozent der institutionellen Investoren, die ESG-Kriterien in ihre Investitionsprozesse integriert haben, geben an, dass wissenschaftsbasierte Klimaziele signifikant zum Vertrauen in das langfristige Risikoprofil eines Unternehmens beitragen (SBTi Investor Survey, 2025)
  • Die Climate Action 100+ Initiative — mit Mitgliedsinvestoren, die über 60 Billionen Dollar verwalten — setzt SBTi-validierte Ziele als Messgröße für Unternehmensfortschritt bei Klimarisiken (CA100+, 2025)
  • Mehrere große institutionelle Investoren (BlackRock, Norges Bank Investment Management, AP-Fonds) haben erklärt, SBTi-Konformität als positives Bewertungskriterium in Proxy-Voting und Engagement-Prozessen zu nutzen

Refinanzierungsvorteile

ESG-Reporting-Agenturen wie MSCI, Sustainalytics und ISS integrieren SBTi-Ziele in ihre Ratings. Studien zeigen, dass Unternehmen mit hohen ESG-Ratings strukturell niedrigere Kapitalkosten aufweisen — ein Effekt, der für Investment-Grade-Emittenten je nach Studie 15 bis 45 Basispunkte bei Anleiheemissionen ausmachen kann (Zerbib, 2022; Deloitte Insights, 2024).


DAX 40: Warum die ~10-Prozent-Validierungsrate alarmierend ist

Vor dem Hintergrund, dass weltweit 10.000 Unternehmen SBTi-validierte Ziele haben und 40 Prozent der globalen Marktkapitalisierung repräsentieren, fällt eine Zahl auf: Im DAX 40 — den 40 größten börsennotierten deutschen Unternehmen — haben Stand März 2026 nur etwa 4 bis 5 Unternehmen vollständig validierte SBTi-Net-Zero-Ziele. Das entspricht rund 10 Prozent des DAX-40-Universums.

Einige weitere DAX-Konzerne haben SBTi-Commitments eingereicht (sich also zur Zielsetzung verpflichtet), ohne bisher eine Validierung erhalten zu haben. Die Gesamtquote einschließlich Commitments liegt bei ca. 30 bis 35 Prozent — immer noch weit unter dem europäischen und globalen Durchschnitt für Large-Cap-Unternehmen.

Warum das strategisch problematisch ist

  1. Investoren-Erwartungen: Internationale institutionelle Investoren, die über die CA100+-Ziele oder eigene Net-Zero-Commitments gebunden sind, suchen zunehmend nach verifizierten Klimazielen bei Portfoliounternehmen. Ein DAX-Unternehmen ohne SBTi-Ziele verliert in ESG-Scoring-Systemen Punkte gegenüber europäischen und amerikanischen Wettbewerbern.

  2. Kunden und Lieferketten: Europäische Großkonzerne, die selbst SBTi-Ziele haben (Scope-3-Abdeckung verlangt Zuliefererdaten), werden ihre Lieferanten zunehmend unter Druck setzen, eigene Klimaziele zu setzen. DAX-Unternehmen als Lieferanten internationaler Konzerne werden diesen Druck spüren.

  3. CSRD und Reporting-Qualität: Unternehmen, die nach CSRD berichtspflichtig sind und keinen wissenschaftsbasierten Reduktionspfad vorweisen können, werden in der ESRS-Berichterstattung (insbesondere E1 — Klimawandel) Erklärungsbedarf haben.

  4. Regulatorischer Drift: Der Abstand zwischen regulatorischen Mindestanforderungen und Marktstandards verkleinert sich. Was heute freiwillig ist, kann morgen im EU Green Bond Standard, in Taxonomie-Anforderungen oder in EU-Vergaberichtlinien als Pflichtnachweis auftauchen.


Was SBTi für Investitionsentscheidungen bedeutet

Das veränderte Risikoprofil

Für Investoren mit Klimarisiko-Fokus verändert das SBTi-Ökosystem die Risikolandschaft auf drei Ebenen:

Transitionsrisiko: Unternehmen ohne validierten Dekarbonisierungspfad sind exponierter gegenüber regulatorischen Verschärfungen — steigendem ETS-Preis, CBAM-Erweiterungen, möglichen CO₂-Grenzwerten in Produktstandards. Wer jetzt einen klaren Pfad hat, kann Investitionen vorausplanen; wer keinen hat, reagiert.

Reputationsrisiko: In einer Welt, in der ECGT ab September 2026 unsubstanziierte Klimaclaims verbietet und Investigativjournalismus auf Greenwashing spezialisiert ist, ist der Reputationsschaden für Unternehmen ohne glaubwürdige Klimaziele schwer quantifizierbar — aber strukturell wachsend.

Stranded-Asset-Risiko: Anlagen und Immobilien in fossile Energieträger, emissionsintensive Prozesse oder nicht-dekarbonisierbare Technologien sind bei einem weiteren Preisanstieg von EUAs und zunehmendem politischen Druck mit Wertverlusten konfrontiert.

SBTi als Investment-Screening-Kriterium

Mehrere Investorengruppen nutzen SBTi-Ziele bereits als explizites Screening-Instrument:

  • Positive Selektion: Best-in-Class-Ansätze, bei denen Unternehmen mit validierten SBTi-Zielen übergewichtet werden
  • Negatives Screening: Ausschluss von Unternehmen in hochemissiven Sektoren ohne SBTi-Commitments aus ESG-Fonds
  • Engagement: Aktionärsdialoge, in denen fehlende SBTi-Ziele explizit als Governance-Schwäche adressiert werden

Für Impact-Investoren im Bereich naturbasierter Lösungen — wie VERDANTIS — hat SBTi eine zusätzliche Bedeutung: Unternehmen mit SBTi-Zielen, die Scope-3-Emissionen aus der Landwirtschaft oder Forstwirtschaft reduzieren müssen, sind potenzielle Abnehmer hochwertiger Carbon-Farming-Projekte. Die Nachfrage nach CRCF-zertifizierten Agroforstzertifikaten wird strukturell durch das Wachstum der SBTi-Unternehmenslandschaft getrieben.


Ausblick: Wohin entwickelt sich SBTi?

CNZS V2.0 (2026/2027)

Die Veröffentlichung von Version 2.0 des Corporate Net-Zero Standard wird für 2026 erwartet. Sie stärkt die Abatement-Hierarchie, präzisiert Scope-3-Anforderungen für komplexe Sektoren und schafft mit dem OER-Framework eine strukturierte Anerkennung von BVCM-Beiträgen (SBTi, November 2025).

Übergangsfrist: Bestehende Validierungen nach V1.3 gelten bis 31. Dezember 2027. Neue Validierungen ab 2028 folgen zwingend V2.0.

Sektorale Expansion

Die SBTi entwickelt zunehmend sektorspezifische Methodiken für Hochrisikobereiche: Finanzinstitute (finanzierte Emissionen, Scope 3 Kategorie 15), Maritime (Schiffsemissionen), Stahl und Zement (Hard-to-abate), Immobilien (Gebäudebetrieb und Bau). Diese sektoralen Methodiken machen Ziele vergleichbarer und ambitionierter.

Regulatorische Verknüpfung

In Europa wächst der regulatorische Druck, SBTi-Ziele formal in Reporting-Frameworks zu verankern: Das EU Green Bond Standard (Verordnung EU 2023/2631) verlangt Konformität mit dem EU-Klimaziel-Pfad, was faktisch SBTi-äquivalente Anforderungen schafft. Die EU-Taxonomie für nachhaltige Investitionen definiert "Do No Significant Harm"-Kriterien, die mit SBTi-Zielen kompatibel sind.

Die Verknüpfung von SBTi-Zielen mit Kapitalmarktzugang — über Green Bonds, Sustainability-Linked Loans und Taxonomie-konforme Fonds — wird in den nächsten Jahren enger.


VERDANTIS: An der Schnittstelle von SBTi und Carbon Farming

VERDANTIS Impact Capital sieht das Wachstum der SBTi-Unternehmenslandschaft als strukturellen Treiber für hochwertige Carbon-Farming-Projekte. Wenn Unternehmen Scope-3-Emissionen aus Land- und Forstwirtschaft nach der FLAG-Guidance reduzieren müssen, brauchen sie Partner, die glaubwürdige, messbare Klimawirkung in der Agrarwertschöpfungskette liefern.

VERDANTIS entwickelt Agroforstwirtschaftsprojekte auf Basis des EU CRCF-Frameworks — mit Zertifizierungsstandards, die ab 2027 EU-weite Rechtssicherheit bieten. Das ist kein Widerspruch zu SBTi: VERDANTIS-Projekte können als BVCM-Beitrag für Unternehmen fungieren, die parallel ihre eigenen Emissionen reduzieren, oder als Lieferant hochwertiger Carbon-Farming-Einheiten für die Neutralisierung verbleibender Residualemissionen nach 2045.

Dirk Röthig: „Wir befinden uns in einem Moment, in dem wissenschaftsbasierte Ziele und die Infrastruktur für hochwertige naturbasierte Lösungen gleichzeitig reifen. Das ist eine strukturelle Gelegenheit — für Unternehmen, die ihre Klimaziele ernst nehmen, und für Investoren, die in die Qualitätssegmente des Carbon-Removal-Markts einsteigen wollen."


Weiterführende Lektüre


Quellen (Harvard-Zitation)

CA100+ — Climate Action 100+ (2025) 2025 Progress Report: Net-Zero Benchmark Framework. London: CA100+. Verfügbar unter: https://www.climateaction100.org

Deloitte Insights (2024) The Cost of Capital Advantage in ESG-Aligned Companies. Deloitte Touche Tohmatsu Limited.

IPCC (2021) Sixth Assessment Report — Working Group III: Mitigation of Climate Change. Cambridge University Press. Verfügbar unter: https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg3/

SBTi — Science Based Targets initiative (2022) FLAG Guidance: Forest, Land and Agriculture Science-Based Targets Guidance. London: SBTi. Verfügbar unter: https://sciencebasedtargets.org/sectors/forest-land-and-agriculture

SBTi — Science Based Targets initiative (2025) Corporate Net-Zero Standard Version 1.3. London: SBTi. Verfügbar unter: https://sciencebasedtargets.org/net-zero

SBTi — Science Based Targets initiative (2025) CNZS Version 2.0 — Second Public Consultation Draft. London: SBTi. November 2025.

SBTi — Science Based Targets initiative (2025) Internal Survey: Business Benefits of Science-Based Targets 2025. London: SBTi.

SBTi — Science Based Targets initiative (2026) Progress Report Q1 2026: 10,000 Companies with Validated Targets. London: SBTi. Januar 2026.

SBTi — Science Based Targets initiative (2023) Beyond Value Chain Mitigation (BVCM) Guidance. London: SBTi. Verfügbar unter: https://sciencebasedtargets.org/beyond-value-chain-mitigation

Verordnung (EU) 2023/2631 des Europäischen Parlaments und des Rates (2023) European Green Bond Standard. Amtsblatt der Europäischen Union. Verfügbar unter: https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/2631/oj

Zerbib, O.D. (2022) 'A Sustainable Capital Asset Pricing Model (S-CAPM): Evidence from Environmental Integration and Sin Stock Exclusion', Review of Finance, 26(6), S. 1345–1388.


Über den Autor

Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital, einer Plattform für naturbasierte Klimaschutzinvestitionen mit Sitz in Cham, Schweiz. Er verfolgt die Entwicklung der Science Based Targets initiative seit ihrer Gründungsphase und schreibt regelmäßig über die Schnittstellen zwischen wissenschaftsbasierten Unternehmenszielen, EU-Klimaregulatorik und Impact Investing. VERDANTIS entwickelt CRCF-konforme Carbon-Farming-Projekte für Investoren, die an der Qualitätssegment des europäischen Kohlenstoffmarkts partizipieren wollen.

Kontakt: VERDANTIS Impact Capital | Fabrikstrasse 5, 6330 Cham, Schweiz


Über den Autor: Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital, einem Unternehmen das in nachhaltige Agrar- und Technologieinnovationen investiert. Mehr Artikel auf dirkroethig.com.

Top comments (0)