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Ivo S.
Ivo S.

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Warum Handwerker-Websites 2026 für uns Entwickler interessant sind (und was wir daraus lernen können)

Als Webentwickler bekomme ich regelmäßig Anfragen von Handwerkern, die eine "einfache Website" brauchen. Spoiler: Einfach ist relativ. Nach hunderten Gesprächen mit Elektrikern, Sanitären und Dachdeckern habe ich gelernt, dass diese Branche uns viel über praktisches Webdesign und Business-Logik lehren kann.

Die Spanne für Handwerker-Websites liegt 2026 zwischen 700 und 6.000 Euro – und dahinter stecken Entscheidungen, die wir als Entwickler täglich treffen: Komplexität vs. Einfachheit, Features vs. Performance, und vor allem: Was braucht der Kunde wirklich?

Eine aufgeschnittene Website-Illustration wie ein Querschnitt durch ein Haus, bei der verschiedene
Die "Digitale Visitenkarte" (700-1.500€)
Kontaktdaten, Leistungsübersicht, fertig. Klingt simpel? Ist es auch – aber hier lernen wir etwas Wichtiges über MVP-Denken. Manchmal ist weniger wirklich mehr, besonders wenn der Kunde hauptsächlich über Mundpropaganda arbeitet.

Der "Business-Standard" (1.500-3.000€)
Mehrere Leistungsseiten, professionelles Design, SEO-Basics. Der Sweet Spot für die meisten Betriebe – und ein gutes Beispiel dafür, wie man Funktionalität sinnvoll ausbaut ohne Feature-Creep.

Das "Kundengewinnungs-System" (2.300-6.000€)
Local SEO, Online-Terminbuchung, Notdienst-Integration. Hier wird's technisch interessant: APIs, Kalender-Sync, mobile-first Design für Notfälle um 23 Uhr.

Die "All-in-One-Lösung" (4.000€+)
CRM-Integration, automatisierte Workflows, Analytics-Dashboard. Praktisch eine kleine SaaS-Lösung für den lokalen Markt.
Hier wird's spannend: Ein Dachdecker aus dem Schwarzwald hat mir mal erklärt, warum seine Notdienst-Nummer ganz oben stehen muss – "Wenn um Mitternacht das Dach leckt, scrollt niemand nach unten." Pure UX-Weisheit, ohne je von User Journey gehört zu haben.

Diese praktische Herangehensweise hat mich gelehrt, dass die beste Webseite die ist, die funktioniert – nicht die mit den coolsten Animationen. Ein "Jetzt anrufen"-Button, der bei Handwerkern 30% der Conversions ausmacht, ist wichtiger als das perfekte CSS-Grid.
Die meisten Handwerker-Websites sind technisch nicht kompliziert, aber sie müssen zuverlässig sein. Typischer Stack:

  • WordPress oder statische Site Generators für schnelle Ladezeiten
  • Local SEO (Google Business Profile API)
  • Mobile-optimiert (70% der Anfragen kommen vom Handy)
  • Einfache Kontaktformulare mit Spam-Schutz
  • SSL und DSGVO-Compliance (in Deutschland ein Muss)

Was mich überrascht hat: Die Performance-Anforderungen sind höher als bei vielen Corporate-Sites. Ein Notdienst-Klempner kann sich keine 3-Sekunden-Ladezeit leisten.

Ein Handwerker und ein Webdesigner sitzen gemeinsam an einem Tisch, zwischen ihnen liegt ein aufgeklappter Laptop, Notizzettel und eine Checkliste, beide lächeln und zeigen auf den Bildschirm, im Hintergrund verschwommen Werkzeuge und Webdesign-Icons.
Handwerker rechnen knallhart: Ein Elektriker investiert 2.800€ in eine Website, braucht 12 Aufträge à 240€ Gewinn, um break-even zu sein. Bei 2-5 qualifizierten Anfragen pro Monat ist das nach 6-8 Monaten erreicht.

Diese klare ROI-Betrachtung fehlt vielen unserer anderen Projekte. Handwerker fragen nicht nach dem neuesten JavaScript-Framework – sie fragen: "Bringt mir das mehr Kunden?"

  • Content Creation: Professionelle Texte kosten 500-1.500€ extra
  • Fotografie: Echte Bilder vs. Stockfotos machen 30% Conversion-Unterschied
  • Local SEO: Schema.org, Google My Business API, lokale Keywords
  • Rechtssicherheit: DSGVO-konforme Formulare, Impressum, Datenschutz

Als Entwickler sehen wir hier oft nur den technischen Aufwand – aber der Content und die lokale Optimierung entscheiden über Erfolg oder Misserfolg.
Diese Projekte haben mir gezeigt, dass gute Webentwicklung nicht nur über Clean Code und moderne Frameworks definiert wird. Manchmal ist die beste Lösung die einfachste – solange sie das Geschäftsproblem löst.

Handwerker-Websites sind ein perfektes Übungsfeld für:

  • Performance-Optimierung unter realen Bedingungen
  • Local SEO und strukturierte Daten
  • Mobile-first Design (wirklich mobile-first, nicht nur responsive)
  • Conversion-Optimierung mit messbaren Ergebnissen
  • Pragmatisches Requirements Engineering Bevor wir das nächste Mal über Microservices, Headless CMS oder die neueste React-Version diskutieren, sollten wir uns fragen: Löst das wirklich ein Problem? Oder bauen wir nur, weil wir es können?

Handwerker haben mir beigebracht, dass die beste Website die ist, die funktioniert – pünktlich, zuverlässig und ohne Schnickschnack. Manchmal ist das die wertvollste Lektion, die wir als Entwickler lernen können.

Was denkst du? Hast du schon mal für lokale Betriebe entwickelt? Welche Überraschungen gab es bei den Anforderungen? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen in den Kommentaren!


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