Episode 4: Bitcoin: Geschichte, Mining und die ZukunftEpisode 4: Bitcoin: Geschichte, Mining und die ZukunftIn Episode 3 haben wir gesehen, wie Bitcoin die Blockchain verwendet: Transaktionen werden gesammelt, geprüft und in Blöcken gespeichert. Anschließend wird durch das Verändern der Nonce nach einem Hash gesucht, der die vorgegebene Bedingung erfüllt.Jetzt geht es um Bitcoin selbst: Woher kommt es? Warum betreibt jemand Mining? Wie viel Rechenleistung und Energie benötigt das Netzwerk? Und was geschieht, wenn irgendwann keine neuen Bitcoins mehr entstehen?
Der Anfang
Am 31. Oktober 2008 wurde ein neunseitiges Dokument mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ veröffentlicht.
Als Autor wurde Satoshi Nakamoto angegeben.
Bis heute ist nicht bekannt, wer sich hinter diesem Namen verbirgt. Es könnte eine einzelne Person oder eine Gruppe gewesen sein.
Am 3. Januar 2009 begann die Bitcoin-Blockchain mit dem Genesis-Block. Wenige Tage später fand die erste Übertragung von Bitcoin zwischen zwei Personen statt: Satoshi Nakamoto schickte zehn Bitcoin an den Programmierer Hal Finney.
Bitcoin gehörte jedoch nicht Satoshi Nakamoto. Der Programmcode wurde veröffentlicht und konnte von anderen Menschen ausgeführt, geprüft und weiterentwickelt werden. Es gab keinen zentralen Server und keinen Betreiber, der das Netzwerk kontrollierte.
Satoshi Nakamoto zog sich später aus dem Projekt zurück. Bitcoin lief trotzdem weiter.
Was ist ein Bitcoin heute wert?
Bitcoin hat keinen festgelegten Preis. Der Preis entsteht auf Handelsplätzen aus Angebot und Nachfrage und kann sich innerhalb weniger Minuten verändern.
Am 30. August 2026 lag der Preis eines Bitcoin (BTC) bei ungefähr 78.000 US-Dollar. Dieser Wert ist deshalb nur eine Momentaufnahme. Aktueller Bitcoin-Kurs
Auch das Transaktionsvolumen schwankt. Ende August 2026 bestätigte die Bitcoin-Blockchain je nach Tag ungefähr 600.000 bis 800.000 Transaktionen. Dabei wurden täglich Bitcoin im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar bewegt. Aktuelle Netzwerkdaten
Diese Zahlen beschreiben nur Transaktionen, die direkt in der Blockchain gespeichert werden. Zahlungen über zusätzliche Systeme wie das Lightning-Netzwerk sind darin nicht vollständig enthalten.
Warum betreibt jemand Mining?
In Episode 3 haben wir das Mining aus Sicht der Blockchain betrachtet: Für einen neuen Block muss eine passende Nonce gefunden werden.
Warum sollten Miner ihre Geräte und ihren Strom dafür verwenden?
Wer einen gültigen Block findet, darf darin eine besondere Transaktion eintragen, die ihm die festgelegte Belohnung zuweist.
Die Höhe kann er nicht selbst bestimmen. Sie ergibt sich aus den Bitcoin-Regeln und wird von allen Nodes überprüft.
Belohnung für einen Block
Neue Bitcoins 3,125 BTC
Transaktionsgebühren variabelBei einem Bitcoin-Preis von ungefähr 78.000 US-Dollar entsprechen allein die 3,125 neuen Bitcoin rund 244.000 US-Dollar.Das klingt nach einem enormen Gewinn. Allerdings sucht nicht ein einzelner Computer alle zehn Minuten einen Block. Weltweit konkurrieren sehr viele spezialisierte Computer miteinander. Sie verbrauchen dabei große Mengen Strom und finden meistens nichts.Viele Betreiber schließen ihre Rechenleistung deshalb in einem Mining-Pool zusammen. Findet der Pool einen Block, wird die Belohnung entsprechend der beigesteuerten Rechenleistung unter den Teilnehmern verteilt.Die rund 244.000 US-Dollar sind daher der Umsatz für einen gefundenen Block — nicht automatisch der Gewinn eines einzelnen Betreibers. Davon müssen vor allem Strom, Geräte, Kühlung und Betrieb bezahlt werden.Die neu entstandenen Bitcoins werden als Blocksubvention bezeichnet. Dazu kommen die Gebühren der Transaktionen, die in den Block aufgenommen wurden.
Erst das Zusammenspiel erklärt das Mining vollständig:
Transaktionen sammeln
↓
Transaktionen prüfen
↓
Passende Nonce suchen
↓
Gültigen Block veröffentlichen
↓
Belohnung erhaltenMining bedeutet also nicht nur, neue Bitcoins zu erzeugen. Es bedeutet, neue Blöcke zu berechnen und dadurch die Blockchain fortzuführen.
Neue Bitcoins sind derzeit ein Teil der Belohnung. Sie sind aber nicht der eigentliche Zweck des Minings.
Wie viele Bitcoins kann es geben?
Die Anzahl neuer Bitcoins pro Block ist im Regelwerk von Bitcoin festgelegt.
Zu Beginn betrug die Blocksubvention 50 Bitcoin. Nach jeweils 210.000 Blöcken wird sie halbiert. Das geschieht ungefähr alle vier Jahre und wird Halving genannt.
2009 50 BTC pro Block
2012 25 BTC pro Block
2016 12,5 BTC pro Block
2020 6,25 BTC pro Block
2024 3,125 BTC pro BlockDurch diese wiederholten Halbierungen nähert sich die insgesamt erzeugte Menge einer festen Grenze: Es können knapp 21 Millionen Bitcoin entstehen.
Mehr als 20 Millionen davon wurden inzwischen bereits erzeugt.
Die Blocksubvention wird immer kleiner, erreicht aber erst ungefähr im Jahr 2140 praktisch null. Der letzte Bitcoin entsteht daher nicht mit einem einzigen letzten großen Fund. Die neu erzeugte Menge wird über viele Jahrzehnte immer kleiner.
Wie aufwendig ist das Mining?
Bei unserem vereinfachten Beispiel musste der Hash mit 00 beginnen. Dadurch erfüllte nur ein kleiner Teil aller möglichen Hashes die Bedingung.
Bei Bitcoin ist die Bedingung wesentlich schwieriger. Ende August 2026 erfüllte durchschnittlich nur etwa einer von
540.000.000.000.000.000.000.000 Hashesdie vorgegebene Bedingung.
Das entspricht ungefähr 540 Trilliarden Versuchen.
Jeder Versuch besteht aus denselben Schritten:
Nonce einsetzen
Hash berechnen
Bedingung prüfenPasst der Hash nicht, wird die Nonce verändert und der nächste Hash berechnet.
Der passende Hash kann zufällig schon beim ersten Versuch gefunden werden. Es können aber auch mehr als 540 Trilliarden Versuche notwendig sein. Die Zahl beschreibt lediglich den Durchschnitt über sehr viele gefundene Blöcke.
Wie schwer die Bedingung aktuell ist, wird bei Bitcoin als Difficulty bezeichnet. Je höher die Difficulty, desto kleiner ist der Anteil der Hashes, welche die Bedingung erfüllen — und desto mehr Versuche sind durchschnittlich notwendig.
So bleibt die logische Reihenfolge erhalten:
Schwierigere Bedingung
↓
Weniger Hashes erfüllen sie
↓
Mehr Versuche im Durchschnitt
↓
Höhere DifficultyBei unserem vereinfachten Beispiel musste ein Hash mit 00 beginnen.
Bei Bitcoin lautet die wirkliche Regel nicht „Der Hash muss mit einer bestimmten Anzahl von Nullen beginnen“. Stattdessen muss der Hash als Zahl kleiner als ein vorgegebener Zielwert sein.
Dieser Zielwert wird Mining-Target oder kurz Target genannt. Wie schwer er zu erreichen ist, beschreibt die Mining Difficulty, auf Deutsch der Schwierigkeitsgrad.
Das Prinzip bleibt dasselbe:
Blockdaten und Nonce
↓
Hash berechnen
↓
Hash erfüllt das Target?
↓
Nein: Nonce verändern und erneut rechnen
Ja: Block veröffentlichenAlle am Mining beteiligten Computer kommen derzeit zusammen auf eine Rechenleistung von ungefähr einer Trillion Hash-Berechnungen pro Sekunde. Dadurch findet das gesamte Netzwerk trotz der enormen Schwierigkeit durchschnittlich etwa alle zehn Minuten einen gültigen Block. Aktuelle Hashrate und Difficulty
Warum bleibt es bei ungefähr zehn Minuten?
Wenn mehr Computer am Mining teilnehmen, werden passende Hashes zunächst schneller gefunden. Wenn Computer abgeschaltet werden, dauert die Suche länger.
Bitcoin passt deshalb nach jeweils 2.016 Blöcken die Difficulty an. Das geschieht ungefähr alle zwei Wochen.
Wurden die vergangenen Blöcke zu schnell gefunden, wird die Bedingung schwieriger. Wurden sie zu langsam gefunden, wird sie leichter.
Mehr Rechenleistung
↓
Blöcke werden schneller gefunden
↓
Difficulty steigt
↓
Wieder ungefähr 10 Minuten pro BlockDadurch hängt die Geschwindigkeit der Blockchain nicht dauerhaft davon ab, wie viele Computer am Mining teilnehmen.
Warum benötigt Bitcoin so viel Energie?
Jede Hash-Berechnung benötigt nur sehr wenig Energie. Beim Bitcoin-Mining werden jedoch jede Sekunde unvorstellbar viele Hashes berechnet.
Dafür werden speziell entwickelte Geräte verwendet, die rund um die Uhr arbeiten. Die Computer benötigen Strom und erzeugen Wärme. Auch Kühlung und weitere technische Anlagen benötigen Energie.
Der Energiebedarf lässt sich nicht exakt messen, weil die Geräte über viele Länder und Betreiber verteilt sind. Untersuchungen aus Cambridge schätzen den jährlichen Stromverbrauch je nach Berechnungsmethode auf etwa 140 bis 180 Terawattstunden. Das entspricht ungefähr dem jährlichen Stromverbrauch von Polen.
Dabei handelt es sich um eine Schätzung, nicht um einen Zählerstand. Der tatsächliche Verbrauch hängt unter anderem von den eingesetzten Geräten, der Rechenleistung und den Strompreisen ab. Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index
Dieser Aufwand ist keine unbeabsichtigte Nebenwirkung. Er gehört zum Sicherheitsmodell von Proof of Work.
Das Erzeugen eines gültigen Blocks soll aufwendig sein. Das Prüfen desselben Blocks bleibt dagegen einfach.
Ein Node muss nicht selbst Billionen Nonces ausprobieren. Er verwendet lediglich die angegebene Nonce, berechnet den Hash einmal und prüft, ob dieser das Target erfüllt.
Verbraucht jede Transaktion so viel Energie?
Der Energieverbrauch des Minings lässt sich nicht sinnvoll durch die Anzahl der Transaktionen teilen.
Die Computer suchen nach einem gültigen Block — unabhängig davon, ob dieser Block wenige oder viele Transaktionen enthält. Ein zusätzlicher Zahlungsvorgang führt deshalb nicht automatisch dazu, dass entsprechend mehr Mining-Geräte eingeschaltet werden.
Der Energieaufwand dient der Erzeugung und Absicherung der Blöcke. Die Zahl der Transaktionen ist davon nicht direkt abhängig.
Was geschieht nach dem letzten Bitcoin?
Wenn keine neuen Bitcoins mehr entstehen, endet das Mining nicht.
Die erste Position der Belohnung verschwindet lediglich:
Belohnung heute
Neue Bitcoins 3,125 BTC
Transaktionsgebühren variabelBelohnung später
Neue Bitcoins 0 BTC
Transaktionsgebühren variabelWer einen Block findet, erhält dann nur noch die Gebühren der darin enthaltenen Transaktionen.
Die Blockchain kann deshalb auch ohne neue Bitcoins weitergeführt werden. Die entscheidende Frage lautet jedoch, ob die Gebühren in Zukunft ausreichen werden, um genügend Rechenleistung zu finanzieren.
Das kann heute niemand sicher beantworten. Bitcoin setzt darauf, dass die Nutzung des Netzwerks und die Nachfrage nach begrenztem Platz in den Blöcken genügend Gebühren erzeugen.
Und was ist mit kleinen Zahlungen?
Eine kleine Zahlung direkt in der Bitcoin-Blockchain kann unpraktisch werden, wenn ihre Gebühr im Verhältnis zum Zahlungsbetrag zu hoch ist.
Dafür wurde unter anderem das Lightning-Netzwerk entwickelt.
Zwei Teilnehmer können mit einer normalen Bitcoin-Transaktion einen Zahlungskanal öffnen. Innerhalb dieses Kanals können anschließend sehr viele kleine Zahlungen stattfinden, ohne dass jede einzelne davon in einen eigenen Bitcoin-Block geschrieben wird.
Erst wenn der Kanal geschlossen wird, wird das gemeinsame Endergebnis wieder in der Blockchain festgehalten.
Kanal öffnen Bitcoin-Transaktion
Viele kleine Zahlungen außerhalb der Blockchain
Kanal schließen Bitcoin-TransaktionLightning macht kleine und schnelle Zahlungen möglich, ohne jeden einzelnen Zahlungsvorgang dauerhaft in der Bitcoin-Blockchain zu speichern.
Die einzelnen Lightning-Zahlungen bezahlen die Miner allerdings nicht direkt. Gebühren entstehen für Miner erst bei den Transaktionen, mit denen Kanäle geöffnet, geschlossen oder im Streitfall abgerechnet werden.
Kleine Zahlungen können Bitcoin dadurch als Zahlungsmittel nutzbar halten. Die langfristige Finanzierung des Minings muss trotzdem durch Gebühren für den begrenzten Platz in der eigentlichen Blockchain getragen werden.
Was Bitcoin besonders macht
Bitcoin wird nicht von einer Firma betrieben. Es gibt keine zentrale Datenbank, keinen Vorstand und keinen einzelnen Computer, dessen Abschaltung das System beendet.
Stattdessen greifen mehrere Mechanismen ineinander:
Blockchain verbindet die Blöcke
Nodes prüfen die Regeln
Proof of Work macht Blöcke aufwendig
Mining führt die Kette weiter
Difficulty regelt den Rechenaufwand
Belohnungen finanzieren das Mining
Begrenzte Menge steuert die Ausgabe neuer BTCBitcoin ist deshalb nicht nur eine digitale Währung. Es ist ein System, in dem viele unabhängige Teilnehmer zu einem gemeinsamen, überprüfbaren Stand gelangen können, ohne einer zentralen Stelle vertrauen zu müssen.
Eine entscheidende Frage haben wir dabei bisher bewusst vereinfacht:
Woher weiß das Netzwerk, dass eine Transaktion wirklich von Anna freigegeben wurde?
Dafür verwendet Bitcoin digitale Signaturen. Wie sie funktionieren, erklärt Episode 5.
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