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Waqar Anjum
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OSCam iCAM und IPTV wo liegt eigentlich der Unterschied?

Wer sich etwas intensiver mit Satellitenfernsehen, Receivern und IPTV beschäftigt, stolpert früher oder später über Begriffe wie OSCam, iCAM, ECM oder Control Word. Gerade am Anfang kann dabei schnell der Eindruck entstehen, dass OSCam beziehungsweise iCAM einfach eine andere Form von IPTV ist. Schließlich spielt bei beiden eine Netzwerkverbindung eine Rolle. 

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Technisch gesehen sind das aber zwei ziemlich unterschiedliche Dinge. Der wichtigste Unterschied ist eigentlich recht einfach: Bei IPTV wird das Fernsehprogramm selbst über das Netzwerk übertragen. Bei klassischem Satellitenempfang kommt das TV-Signal dagegen weiterhin über die Satellitenschüssel. Eine Netzwerkverbindung kann dort zwar für verschiedene zusätzliche Funktionen genutzt werden, sie transportiert aber nicht automatisch das eigentliche Fernsehbild.

Um den Unterschied zu verstehen, muss man sich zunächst anschauen, was OSCam überhaupt macht.

Was genau ist OSCam?

OSCam steht für „Open Source Conditional Access Module“ und ist eine Software, die im Bereich verschlüsselter Fernsehsysteme eingesetzt wird. Man findet sie vor allem auf Linux-basierten Receivern und vergleichbaren Empfangssystemen.

Bei normalen, frei empfangbaren Fernsehsendern spielt das zunächst keine große Rolle. Der Receiver empfängt das Signal vom Satelliten und kann daraus direkt Bild und Ton erzeugen. Bei verschlüsselten Sendern sieht die Sache anders aus. Hier muss zusätzlich geprüft werden, ob der Zuschauer beziehungsweise das Empfangssystem überhaupt dazu berechtigt ist, das Programm zu entschlüsseln.

Genau an dieser Stelle kommen sogenannte Conditional-Access-Systeme ins Spiel.

Ein Pay-TV-Anbieter möchte schließlich verhindern, dass jeder, der das Satellitensignal empfangen kann, automatisch auch alle darin enthaltenen Programme sehen kann. Das Signal selbst kann über einen großen Teil Europas ausgestrahlt werden. Bestimmte Sender innerhalb dieses Signals sind jedoch verschlüsselt.

OSCam beschäftigt sich mit der Verarbeitung der Informationen, die in diesem Zusammenhang benötigt werden. Das ist ein wichtiger Punkt, denn OSCam ist nicht einfach ein Videostreamingprogramm. Das eigentliche Fernsehbild muss nicht von OSCam über das Internet heruntergeladen werden.

ECM, Control Word und Co.

An dieser Stelle begegnet einem häufig die Abkürzung ECM. Sie steht für „Entitlement Control Message“.

Vereinfacht gesagt enthalten ECMs Informationen, die im Rahmen des Verschlüsselungs- und Berechtigungssystems benötigt werden. Ein entsprechend autorisiertes System verarbeitet diese Informationen und erhält darüber die notwendigen Daten zur Entschlüsselung des Programms.

Dabei spielen sogenannte Control Words eine zentrale Rolle. Mit ihrer Hilfe kann der verschlüsselte Datenstrom entschlüsselt werden. Diese Control Words bleiben allerdings nicht dauerhaft gleich, sondern werden regelmäßig gewechselt.

Deshalb sieht man bei manchen Receivern oder in entsprechender Software auch Angaben zur „ECM Time“.

Steht dort beispielsweise:

ECM Time: 0,250 s

dann bedeutet das vereinfacht, dass die entsprechende Anfrage beziehungsweise Verarbeitung rund 250 Millisekunden gedauert hat.

Und genau hier entsteht häufig die Verwechslung mit IPTV. Wenn solche Informationen über ein Netzwerk ausgetauscht werden, könnte man denken, dass auch das Fernsehbild über diese Verbindung kommt. Das ist aber nicht zwangsläufig der Fall.

Die Datenmenge einer solchen Kommunikation ist im Vergleich zu einem kompletten HD-Videostream sehr klein. Das eigentliche TV-Signal kann weiterhin ganz normal über DVB-S oder DVB-S2 vom Satelliten kommen.

Und was ist dann iCAM?

iCAM ist etwas schwieriger in wenigen Sätzen zu erklären, weil der Begriff eng mit bestimmten neueren Schutzmechanismen verschlüsselter Satellitenplattformen verbunden ist.

Grundsätzlich haben Pay-TV-Anbieter ihre Systeme über die Jahre immer weiterentwickelt. Das ist wenig überraschend: Ältere Verschlüsselungs- und Zugangssysteme wurden immer wieder analysiert und teilweise auf Arten verwendet, die von den Anbietern nicht vorgesehen waren.

Neuere Systeme versuchen deshalb, verschiedene Bestandteile der Entschlüsselung enger miteinander zu verbinden. Dazu können beispielsweise der Receiver, Sicherheitsmodule und weitere Komponenten des Conditional-Access-Systems gehören.

Im OSCam-Umfeld taucht in diesem Zusammenhang häufig der Begriff iCAM auf. Für das grundsätzliche Verständnis reicht aber zunächst eine Sache: iCAM ist kein eigener Übertragungsweg für Fernsehen.

Das TV-Signal kann weiterhin vom Satelliten kommen.

Man sollte iCAM daher eher als einen Bestandteil beziehungsweise eine Besonderheit bei der Verarbeitung bestimmter geschützter Fernsehsignale betrachten und nicht als Alternative zu Satellit, Kabel oder IPTV.

IPTV funktioniert grundlegend anders

Bei IPTV sieht die Sache deutlich anders aus.

IPTV bedeutet „Internet Protocol Television“. Der Name verrät bereits den entscheidenden Unterschied: Das Fernsehprogramm wird über ein IP-Netzwerk übertragen.

Hier kommen also nicht nur kleine Informationen für ein Berechtigungs- oder Entschlüsselungssystem über die Netzwerkverbindung. Bild und Ton selbst werden als Datenstrom übertragen.

Das merkt man besonders deutlich beim Datenverbrauch.

Ein HD-Stream benötigt je nach Anbieter, Codec und Qualität beispielsweise mehrere Megabit pro Sekunde. Bei hochauflösenden 4K-Inhalten kann die benötigte Bandbreite noch deutlich höher liegen.

Wer mehrere Stunden IPTV schaut, überträgt daher schnell mehrere Gigabyte an Daten.

Beim klassischen Satellitenempfang muss diese Datenmenge nicht über den Internetanschluss laufen. Der große TV-Datenstrom kommt schließlich über die Satellitenschüssel ins Haus.

Das lässt sich recht einfach darstellen.

Beim Satellitenfernsehen sieht der Weg ungefähr so aus:

Satellit → Satellitenschüssel → LNB → Receiver → Fernseher

Bei IPTV dagegen eher so:

TV-/Streamingserver → Internet oder IP-Netzwerk → Router → Receiver/App → Fernseher

Damit wird auch verständlich, warum eine schnelle Internetverbindung für IPTV wesentlich wichtiger ist.

Was passiert bei einer schlechten Internetverbindung?

Bei IPTV kann eine instabile Verbindung ziemlich schnell auffallen. Sinkt die verfügbare Bandbreite zu stark oder gehen Netzwerkpakete verloren, kann das Bild beispielsweise stehen bleiben, die Qualität sinken oder der Stream muss zwischengespeichert werden.

Natürlich versuchen moderne Streamingtechniken, solche Schwankungen auszugleichen. Trotzdem müssen die Video- und Audiodaten irgendwie zum Zuschauer gelangen.

Beim Satellitenempfang hängt das Fernsehbild dagegen zunächst von ganz anderen Dingen ab: von der Ausrichtung der Satellitenschüssel, der Signalstärke, dem LNB, der Verkabelung und natürlich dem Receiver.

Auch schlechtes Wetter kann bei ungünstigen

Empfangsbedingungen eine Rolle spielen.

Ist das Satellitensignal jedoch stabil, braucht ein frei empfangbarer Satellitensender überhaupt keine Internetverbindung, um Bild und Ton zu liefern.

Bei verschlüsselten Programmen kommt zusätzlich das jeweilige Zugangs- und Berechtigungssystem ins Spiel. Das ändert aber nichts daran, dass der eigentliche Broadcast-Datenstrom über Satellit empfangen werden kann.

Warum ist Satellitenfernsehen so effizient?

Ein interessanter Unterschied zwischen IPTV und Satellit zeigt sich außerdem bei der Verteilung an sehr viele Zuschauer.

Ein Satellit strahlt einen Fernsehsender einmal aus. Ob diesen Sender anschließend 10.000, eine Million oder mehrere Millionen Haushalte empfangen, macht für die ausgestrahlte Datenmenge praktisch keinen Unterschied.

Bei klassischem IPTV beziehungsweise Unicast-Streaming kann dagegen für jeden Zuschauer ein eigener Datenstrom notwendig sein. Eine Million gleichzeitig aktive Zuschauer stellen deshalb ganz andere Anforderungen an die Server- und Netzwerkinfrastruktur.

IPTV hat dafür wiederum andere Vorteile.

Video-on-Demand, zeitversetztes Fernsehen, Cloud-Aufnahmen oder das Fortsetzen einer Sendung auf einem anderen Gerät lassen sich über IP-basierte Systeme sehr komfortabel umsetzen. Der Anbieter kann außerdem wesentlich flexibler steuern, welche Inhalte ein einzelner Nutzer erhält.

Es gibt also nicht grundsätzlich eine „bessere“ Technik. Beide Ansätze haben ihre eigenen Stärken.

OSCam/iCAM ist deshalb nicht dasselbe wie IPTV

Der häufigste Denkfehler besteht darin, jede Form von Fernsehen, bei der zusätzlich eine Internet- oder Netzwerkverbindung beteiligt ist, automatisch als IPTV zu bezeichnen.

Das stimmt so nicht.

Entscheidend ist die Frage: Woher kommen Bild und Ton?

Wenn der komplette Fernsehsender als Videostream über das IP-Netzwerk beim Zuschauer ankommt, sprechen wir von IPTV beziehungsweise IP-Streaming.

Kommt das eigentliche TV-Signal dagegen über die Satellitenschüssel und das Netzwerk wird nur für zusätzliche Funktionen verwendet, bleibt der grundlegende Übertragungsweg Satellitenfernsehen.

OSCam und iCAM befinden sich dabei auf einer anderen technischen Ebene. Hier geht es um Conditional Access und die Verarbeitung geschützter beziehungsweise verschlüsselter Inhalte.

Auch rechtlich gibt es einen wichtigen Unterschied

Bei all diesen Begriffen sollte man außerdem zwischen der eigentlichen Technik und ihrer Verwendung unterscheiden.

IPTV ist zunächst einmal eine vollkommen normale und legale Übertragungstechnik. Viele große Telekommunikations- und Fernsehanbieter verwenden IP-Netzwerke, um ihre Programme zu ihren Kunden zu bringen.

Dass es im Internet auch nicht autorisierte IPTV-Angebote gibt, macht IPTV als Technologie nicht illegal.

Ähnlich muss man bei Conditional-Access-Technik unterscheiden. Verschlüsselungssysteme dienen dazu, den Zugriff auf kostenpflichtige Programme auf berechtigte Kunden zu beschränken. Software und Empfangstechnik können dabei legitime Anwendungsbereiche haben.

Werden allerdings Zugangsdaten oder

Entschlüsselungsinformationen verwendet oder weitergegeben, um kostenpflichtige Inhalte ohne entsprechende Berechtigung zu empfangen, ist das eine völlig andere Situation. Das kann sowohl rechtliche Konsequenzen haben als auch gegen Vertrags- und Nutzungsbedingungen des jeweiligen Anbieters verstoßen.

Was sollte man sich also merken?

Am Ende ist der Unterschied weniger kompliziert, als die vielen Fachbegriffe zunächst vermuten lassen.

Bei IPTV läuft das eigentliche Fernsehprogramm über das IP-Netzwerk. Deshalb benötigt IPTV dauerhaft genügend Bandbreite, um Bild und Ton zu übertragen.

Beim klassischen Satellitenfernsehen kommt der große TV-Datenstrom dagegen direkt über die Satellitenschüssel. OSCam beschäftigt sich mit Conditional Access, also vereinfacht gesagt mit der Berechtigungs- und Entschlüsselungsseite verschlüsselter Programme. Begriffe wie ECM und Control Word gehören in diesen Bereich. iCAM wiederum steht im Zusammenhang mit bestimmten moderneren Schutz- und Verarbeitungsverfahren und ist ebenfalls nicht mit einem eigenen Videostream gleichzusetzen.

Am einfachsten kann man es sich deshalb mit einer Frage merken:

Kommt das Fernsehbild über das Internet oder über die Satellitenschüssel?

Kommt Bild und Ton als Stream über das Netzwerk, handelt es sich um IPTV. Kommt das Programm über den Satelliten und das Netzwerk übernimmt lediglich zusätzliche Aufgaben, ist das technisch etwas völlig anderes.

Genau deshalb sollte man OSCam/iCAM und IPTV nicht in einen Topf werfen. Von außen kann beides ähnlich wirken – Receiver, Netzwerkanschluss und Fernseher sind schließlich in beiden Fällen vorhanden. Hinter den Kulissen nehmen die Daten aber einen grundlegend anderen Weg.

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