Natural Capital Accounting: Wenn die Natur in die Bilanz kommt
Von Dirk Röthig | CEO, VERDANTIS Impact Capital | Zug, Schweiz | 20. März 2026
Natural Capital Accounting verändert die Grundlagen wirtschaftlichen Rechnens: Wie Forschungsinstitute, internationale Normungsgremien und Investmentfirmen gemeinsam daran arbeiten, den Wert der Natur in Zahlen zu fassen — und warum dieser Schritt unumkehrbar ist.
Methodische Anmerkung: Dieser Artikel basiert auf einer systematischen Auswertung der Dasgupta Review (HM Treasury, 2021), des UN SEEA Ecosystem Accounting Framework (United Nations, 2021), der deutschen TEEB-DE-Forschung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung UFZ Leipzig (Hansjürgens et al., 2016), des TNFD Status Report 2025 sowie aktueller Publikationen der Capitals Coalition. Alle Quellenangaben folgen der Harvard-Zitierweise.
Die stille Revolution im Rechnungswesen
Es gibt Momente, in denen sich die Grundlagen einer Wissenschaft verschieben — nicht durch einen einzelnen Durchbruch, sondern durch die langsame Akkumulation von Evidenz, die schließlich einen Paradigmenwechsel erzwingt. In der Ökonomie erleben wir gerade einen solchen Moment. Natural Capital Accounting, die systematische Bilanzierung von Naturkapital in volkswirtschaftlichen und unternehmerischen Rechnungslegungssystemen, ist keine Nischenidee von Ökologen mehr. Sie ist dabei, das Fundament des wirtschaftlichen Denkens zu verschieben.
Dirk Röthig, der als CEO von VERDANTIS Impact Capital in Zug täglich mit Investitionsentscheidungen konfrontiert ist, die ökologische und finanzielle Renditen integrieren müssen, beschreibt die Lage präzise: "Wir haben jahrzehntelang so bilanziert, als wäre die Natur kostenlos. Diese Annahme bricht gerade zusammen — nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil die wirtschaftlichen Schäden durch den Verlust von Naturkapital in konkreten Zahlen sichtbar werden."
Die Zahlen sind in der Tat erschütternd. Der Dasgupta Review, die monumentale Studie zur Biodiversitätsökonomie, die das britische Finanzministerium in Auftrag gegeben hatte, dokumentiert, dass zwischen 1992 und 2014 das produzierte Kapital weltweit zwar verdoppelt und das Humankapital um 13 Prozent gestiegen ist — doch das Naturkapital gleichzeitig um 40 Prozent gesunken ist (Dasgupta, 2021). Und dennoch erscheint dieser Schwund in keiner nationalen Volkswirtschaftsrechnung, in keiner Unternehmensbilanz, in keinem Kreditrating.
Das Erbe der Parfit-Lücke: Was die Ökonomie lange übersehen hat
Um zu verstehen, warum Natural Capital Accounting so lange auf der Nischenbühne verblieb, muss man sich die Logik des klassischen Rechnungswesens vor Augen führen. Das Bruttoinlandsprodukt, seit seiner Entwicklung in den 1940er-Jahren das Leitmaß wirtschaftlicher Leistung, misst den Marktwert aller produzierten Güter und Dienstleistungen innerhalb einer Periode. Was keinen Marktpreis hat, erscheint nicht. Was nicht erscheint, existiert wirtschaftlich nicht.
Diese Logik hat fatale Konsequenzen. Ein Regenwald, der stehen bleibt, generiert im BIP nahezu keinen Wert. Wird er gerodet und in Ackerland umgewandelt, erscheint das als Wachstum. Die Kosten — Kohlenstofffreisetzung, Biodiversitätsverlust, veränderte hydrologische Zyklen — bleiben unsichtbar. Prof. Bernd Hansjürgens vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig, einer der führenden deutschen Forscher auf diesem Gebiet, hat diese Fehlkalkulation systematisch dokumentiert: "Die Ökonomie hat die Natur nicht als Kapitalstock behandelt, sondern als freie Ressource. Das ist ein fundamentaler Buchungsfehler." (Hansjürgens et al., 2016).
Der Dasgupta Review liefert die theoretische Fundierung für eine Korrektur dieses Fehlers. Sir Partha Dasgupta argumentiert, dass nachhaltige Entwicklung von einem einzigen Kriterium abhängt: dem Erhalt oder der Steigerung des inklusiven Wohlstands, der produziertes Kapital, Humankapital und Naturkapital umfasst (Dasgupta, 2021). Solange Naturkapital aus dieser Gleichung herausfällt, optimieren wir systematisch am falschen Ziel.
SEEA EA: Der statistische Rahmen, der alles verändert
Der entscheidende institutionelle Durchbruch kam im Jahr 2021, als die Vereinten Nationen das System of Environmental-Economic Accounting — Ecosystem Accounting (SEEA EA) als internationalen statistischen Standard verabschiedeten (United Nations, 2021). Dies war kein akademisches Ereignis. Es war die formelle Anerkennung, dass Ökosystemleistungen in die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung integriert werden müssen.
Das SEEA EA definiert einen konzeptionellen Rahmen, der Ökosystemleistungen in drei Kategorien erfasst: Bereitstellungsleistungen (Nahrung, Wasser, Rohstoffe), Regulierungsleistungen (Klimaregulierung, Bestäubung, Wasserreinigung) und kulturelle Leistungen (Erholung, ästhetischer Wert, spirituelle Bedeutung). Für jede dieser Kategorien werden Bewertungsmethoden definiert, die eine monetäre oder physische Bilanzierung ermöglichen (United Nations, 2021).
Dirk Röthig betont, dass dieser institutionelle Rahmen für Investitionsentscheidungen unmittelbare praktische Relevanz hat: "Wenn nationale Statistikämter beginnen, Ökosystemkapital systematisch zu erfassen, verändert das die Grundlage für Länderrisikoanalysen, für die Bewertung landwirtschaftlicher Unternehmen und für die Kreditvergabe an ressourcenintensive Sektoren. SEEA EA ist nicht nur ein Statistikprojekt — es ist ein Risikomanagement-Paradigma."
La Notte et al. (2026) unterstreichen in ihrer jüngsten Analyse, wie Natural Capital Accounts als Informationsquelle für die Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele dienen können. Die Autoren zeigen, dass elf der siebzehn SDGs direkt von Informationen aus Naturkapitalbilanzen profitieren könnten — von SDG 2 (Kein Hunger) über SDG 14 (Leben unter Wasser) bis zu SDG 15 (Leben an Land) (La Notte et al., 2026).
TEEB DE: Deutsche Grundlagenforschung als globales Vorbild
Deutschland hat in der wissenschaftlichen Grundlagenforschung zu Naturkapital eine führende Rolle eingenommen, die international kaum wahrgenommen wird. Das Projekt "Naturkapital Deutschland — TEEB DE" (The Economics of Ecosystems and Biodiversity), koordiniert vom UFZ Leipzig unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Bernd Hansjürgens, hat über mehrere Jahre eine der umfassendsten nationalen Bewertungen von Ökosystemleistungen erstellt, die weltweit existiert.
TEEB DE hat nicht nur den Wert von Wäldern, Mooren, Agrarlandschaften und städtischen Grünflächen für Deutschland systematisch quantifiziert. Das Projekt hat auch methodische Innovationen entwickelt, die inzwischen in internationale Standards eingeflossen sind. Hansjürgens et al. (2016) dokumentieren beispielsweise, wie der wirtschaftliche Wert der Bestäubungsleistung von Insekten für die deutsche Landwirtschaft berechnet werden kann — eine Methode, die heute global angewendet wird.
Besonders bemerkenswert ist der Ansatz, Naturkapital nicht nur auf nationaler, sondern auch auf kommunaler Ebene zu bilanzieren. TEEB DE hat Pilotstudien für mehrere deutsche Kommunen durchgeführt, die zeigen, wie lokale Ökosystemleistungen — etwa die Kühlwirkung städtischer Parks oder die Wasserrückhaltung von Feuchtgebieten — in kommunale Haushalts- und Planungsentscheidungen integriert werden können (Hansjürgens et al., 2016).
Dirk Röthig sieht in dieser deutschen Forschungstradition einen unterschätzten Wettbewerbsvorteil: "Deutschland hat mit dem UFZ, dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und verschiedenen Helmholtz-Instituten eine wissenschaftliche Infrastruktur für Naturkapitalforschung aufgebaut, die weltweit konkurrenzlos ist. Was fehlt, ist die Brücke zwischen dieser Forschung und den Finanzmärkten."
TNFD: Der Moment, in dem die Finanzbranche aufwachte
Diese Brücke beginnt sich zu formen. Das Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD), nach dem Vorbild der erfolgreichen TCFD für klimabezogene Finanzrisiken entwickelt, hat im September 2023 seinen finalen Empfehlungsrahmen für naturverbundene Finanzoffenlegungen veröffentlicht. Der TNFD Status Report 2025 dokumentiert eine bemerkenswert schnelle Verbreitung: Innerhalb von 18 Monaten nach Veröffentlichung der Empfehlungen hatten sich 620 Organisationen mit einem verwalteten Vermögen von über 20 Billionen US-Dollar zur TNFD-Adoption bekannt (TNFD, 2025).
"Natur rückt ins Zentrum der Finanzberichterstattung" — so der treffende Untertitel des TNFD Status Report 2025. Das ist keine Übertreibung. In den vergangenen 24 Monaten haben Zentralbanken, Regulierungsbehörden und institutionelle Investoren begonnen, naturverbundene Risiken mit derselben Ernsthaftigkeit zu behandeln wie Klimarisiken (TNFD, 2025).
Dirk Röthig verfolgt diese Entwicklung mit besonderer Aufmerksamkeit: "Das TNFD schafft die Reporting-Infrastruktur, die Investoren wie VERDANTIS brauchen, um naturverbundene Risiken und Chancen systematisch in Portfolioentscheidungen einzubeziehen. Ohne standardisierte Offenlegungen kann man nicht vergleichen, nicht ranken, nicht allokieren."
Die Capitals Coalition, ein globales Netzwerk von rund 500 Organisationen, hat 2025 eine Roadmap veröffentlicht, die beschreibt, wie Naturkapital systematisch in Unternehmensbilanzen integriert werden kann (Capitals Coalition, 2025). Die Roadmap unterscheidet drei Stufen: die Identifikation naturverbundener Abhängigkeiten und Impacts, die Bewertung dieser in physischen Einheiten und schließlich die monetäre Integration in Finanzberichte. Auf der dritten Stufe befinden sich heute noch die wenigsten Unternehmen — aber der Weg dorthin ist zum ersten Mal klar ausgeschildert.
Methodische Herausforderungen: Was Natural Capital Accounting schwer macht
Trotz des institutionellen Fortschritts bleibt Natural Capital Accounting methodisch anspruchsvoll. Dirk Röthig benennt aus der Investitionspraxis die drei zentralen Herausforderungen:
Erstens die Bewertungsproblematik. Wie bewertet man den wirtschaftlichen Wert eines intakten Torfjmoores? Man kann versuchen, den Schadenvermeidungswert zu berechnen — also die Kosten, die durch Entwässerung und Kohlenstofffreisetzung entstünden. Man kann den Erholungswert für die lokale Bevölkerung schätzen. Man kann die Wasserrückhalteleistung monetarisieren. Aber diese Bewertungen hängen von Annahmen ab, die sich je nach Methode und Datenbasis erheblich unterscheiden. TEEB DE hat gezeigt, dass selbst für gut untersuchte deutsche Ökosysteme Bewertungsbandbreiten von 1:5 oder mehr die Norm sind (Hansjürgens et al., 2016).
Zweitens die Datenverfügbarkeit. Naturkapitalbilanzierung erfordert räumlich aufgelöste Daten zu Ökosystemzustand, Biodiversität und Ökosystemleistungen, die für weite Teile der Welt nicht existieren oder nur mit erheblichem Forschungsaufwand erhoben werden können. Fernerkundungsdaten, Biodiversitätsdatenbanken und nationale Ökosysteminventare werden besser — aber die Lücken bleiben erheblich.
Drittens das Doppelzählungsproblem. Ökosystemleistungen sind miteinander verbunden. Ein Wald reguliert das Klima, reinigt das Wasser, schützt vor Erosion und bietet Lebensraum für Bestäuber — alles gleichzeitig. Diese Leistungen separat zu bewerten und zu addieren, führt unweigerlich zu Doppelzählungen. Das UN SEEA EA hat hierfür methodische Lösungsansätze entwickelt, aber die praktische Umsetzung bleibt herausfordernd (United Nations, 2021).
Die Forschungsgruppen von Prof. Hansjürgens am UFZ Leipzig arbeiten intensiv an diesen Methodenfragen. Ihre Arbeiten zur Bewertung von Ökosystemleistungen in der deutschen Kulturlandschaft haben methodische Standards gesetzt, die in den EU Biodiversity Strategy 2030 eingeflossen sind.
Natural Capital Accounting in der Investmentpraxis
Für Investmentfirmen wie VERDANTIS Impact Capital stellt Natural Capital Accounting kein theoretisches Konstrukt dar, sondern ein praktisches Investmentinstrument. Dirk Röthig beschreibt den Ansatz: "Wir fragen bei jeder Investitionsentscheidung: Welche Ökosystemleistungen sind für dieses Unternehmen geschäftskritisch? Wo sind die naturverbundenen Risiken — Abhängigkeiten von Bestäubern, von Süßwasserverfügbarkeit, von stabilen klimatischen Bedingungen? Und wo gibt es Chancen, durch die Integration natürlicher Kapitallogik echte Wettbewerbsvorteile zu erzielen?"
Dieser Ansatz steht im Einklang mit dem, was die Capitals Coalition als "integrated thinking" bezeichnet — einem Managementansatz, der finanzielle, natürliche, soziale und humankapitalbezogene Überlegungen systematisch integriert (Capitals Coalition, 2025). Die Empfehlung der Capitals Coalition, eine klare Roadmap für die Bilanzierung von Natur zu entwickeln, wird von VERDANTIS praktisch umgesetzt.
Dirk Röthig sieht dabei einen direkten Zusammenhang mit der Bewertung von Investitionen in Biotechnologie und Lebensmittelproduktion, die er in seiner Analyse zur deutschen Biotechnologieforschung beschreibt: Unternehmen, die ihre Abhängigkeiten von Naturkapital nicht kennen und managen, tragen unsichtbare Bilanzrisiken, die bei veränderten regulatorischen oder ökologischen Bedingungen schlagartig sichtbar werden.
Der TNFD Status Report 2025 zeigt, dass institutionelle Investoren zunehmend auf naturverbundene Risikoinformationen drängen — nicht aus philanthropischen Gründen, sondern weil die Evidenz wächst, dass Naturkapitalverluste materiell relevante finanzielle Risiken darstellen (TNFD, 2025). Ähnliche Überlegungen gelten für den Technologiesektor: Rechenzentren, Halbleiterfertigung und digitale Infrastruktur sind ressourcenintensiv. Wer in KI-Investments investiert, wie Dirk Röthig in seinem Due-Diligence-Framework für VC und PE darlegt, sollte naturverbundene Abhängigkeiten dieser Sektoren in die Risikoanalyse einbeziehen.
Der regulatorische Rückenwind: Zwischen EU-Taxonomie und Biodiversity Net Gain
Die regulatorische Landschaft entwickelt sich in eine eindeutige Richtung. Die EU-Taxonomieverordnung hat Biodiversitätskriterien als Teil des "Do No Significant Harm"-Prinzips etabliert. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichtet große europäische Unternehmen ab 2025 zur Berichterstattung über naturverbundene Impacts und Abhängigkeiten. Das Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework, das 2022 von 196 Staaten verabschiedet wurde, setzt mit dem Ziel "30x30" — 30 Prozent der Land- und Meeresgebiete bis 2030 unter Schutz — einen globalen politischen Rahmen.
In Großbritannien ist das "Biodiversity Net Gain"-Prinzip seit 2024 für alle neuen Bauprojekte verpflichtend: Entwickler müssen nachweisen, dass ihre Projekte per Saldo zu einem Nettogewinn an Biodiversität führen. Dies ist ein konkretes Beispiel dafür, wie Natural Capital Accounting aus dem akademischen Diskurs in regulatorische Praxis überführt wird.
Dirk Röthig beobachtet, dass diese regulatorischen Entwicklungen den Druck auf Unternehmen erhöhen, Natural Capital Accounting nicht länger als optionales Berichtsinstrument zu betrachten: "Was heute noch freiwillige Berichterstattung ist, wird in fünf bis zehn Jahren Pflicht sein. Unternehmen, die heute keine internen Naturkapitalbilanzierungssysteme aufbauen, werden dann unter enormem Anpassungsdruck stehen."
Ausblick: Vom Randthema zur Standardmethode
Die Dynamik, die sich in den letzten drei bis fünf Jahren in Forschung, Standardsetzung und Regulierung rund um Natural Capital Accounting aufgebaut hat, ist historisch ohne Präzedenz. Noch 2015 war das Thema außerhalb von Fachkreisen kaum bekannt. Heute befassen sich das Weltwirtschaftsforum, die G7, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und die Europäische Zentralbank mit naturverbundenen finanziellen Risiken.
Dirk Röthig ist überzeugt, dass diese Entwicklung einen Punkt überschritten hat, von dem keine Rückkehr mehr möglich ist: "Der intellektuelle Fall für Natural Capital Accounting ist geschlossen. Dasgupta hat die theoretische Grundlage geliefert, SEEA EA den statistischen Rahmen, TNFD den Reportingstandard und TEEB DE die empirische Basis für einen der wichtigsten Wirtschaftsräume der Welt. Was jetzt folgt, ist Implementation — und die ist im Gange."
Die entscheidende Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell. Und hier wird die Qualität der Grundlagenforschung, wie sie am UFZ Leipzig und an anderen deutschen Forschungsinstitutionen betrieben wird, zum entscheidenden Engpassfaktor. Methoden müssen robuster werden, Daten müssen verfügbarer werden, und die Brücke zwischen wissenschaftlicher Bewertung und finanzieller Bilanzierung muss stabiler gebaut werden.
Für Dirk Röthig und VERDANTIS Impact Capital ist diese Brücke kein Wunschbild, sondern tägliche Arbeit: "Wir sind noch am Anfang. Aber der Weg ist klar — und er führt zu einer Ökonomie, in der der Wert der Natur sichtbar ist. Das ist nicht nur ökologisch notwendig. Es ist wirtschaftlich rational."
Fazit: Eine neue Ökonomie der Sichtbarkeit
Natural Capital Accounting ist mehr als ein Rechnungslegungsstandard. Es ist eine epistemische Revolution: der Übergang von einer Ökonomie, die Natur ignoriert, zu einer, die sie sieht und bewertet. Dasgupta hat gezeigt, dass Wohlstand ohne Naturkapital auf Sand gebaut ist (Dasgupta, 2021). SEEA EA hat den statistischen Rahmen geliefert, in dem Naturkapital sichtbar gemacht werden kann (United Nations, 2021). TNFD hat die Finanzbranche mobilisiert (TNFD, 2025). Und Forscher wie Prof. Hansjürgens am UFZ Leipzig haben die empirische Substanz geliefert, ohne die all diese Rahmenwerke leer blieben (Hansjürgens et al., 2016).
Dirk Röthig fasst zusammen: "Die Natur kommt in die Bilanz. Nicht wegen moralischer Überzeugung, obwohl diese mitspielt. Sondern weil wir endlich verstehen, dass eine Ökonomie, die ihren wichtigsten Kapitalstock ignoriert, systematisch falsch rechnet. Und falsch rechnende Ökonomien enden schlecht."
Literaturverzeichnis
Capitals Coalition (2025): Towards a Roadmap for Putting Nature on the Balance Sheet. Capitals Coalition, Utrecht.
Dasgupta, P. (2021): The Economics of Biodiversity: The Dasgupta Review. HM Treasury, London.
Hansjürgens, B. et al. (Hrsg.) (2016): Naturkapital Deutschland — TEEB DE: Der Wert der Natur für Wirtschaft und Gesellschaft — Eine Einführung. Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Leipzig / Bundesamt für Naturschutz (BfN), Bonn.
La Notte, A., Maes, J., Ronchi, S., Pla, E. & Vallecillo, S. (2026): "Natural Capital Accounts as a Source of Information to Support SDGs." Sustainable Development. Wiley Online Library. DOI: 10.1002/sd.70229.
TNFD (2025): Status Report — Nature Moves Centre Stage in Financial Reporting. Taskforce on Nature-related Financial Disclosures, London.
United Nations (2021): System of Environmental-Economic Accounting — Ecosystem Accounting (SEEA EA). United Nations Statistics Division, New York.
Über den Autor
Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital in Zug, Schweiz, einer Investmentfirma mit Fokus auf naturbasierte Lösungen und nachhaltige Landwirtschaft. Mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Finanzbranche, unter anderem in den Bereichen Private Equity, Unternehmensfinanzierung und Impact Investing, verbindet Dirk Röthig tiefes Kapitalmarkt-Know-how mit einem wissenschaftlich fundierten Verständnis ökologischer Zusammenhänge. Er verfolgt die Entwicklung von Natural Capital Accounting-Standards aktiv und integriert naturverbundene Risiko- und Chancenanalysen in die Investitionsstrategie von VERDANTIS. Dirk Röthig schreibt regelmäßig über Schnittpunkte von Finanzwirtschaft, Grundlagenforschung und Nachhaltigkeitstransformation.
Über den Autor: Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital, einem Unternehmen das in nachhaltige Agrar- und Technologieinnovationen investiert. Mehr Artikel auf dirkroethig.com.
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