Autor: Dirk Röthig, CEO VERDANTIS Impact Capital
Datum: März 2026
Kategorie: Agroforst, Olivenanbau, Mittelmeer, Klimaanpassung
Das Mittelmeer unter Druck
Der Klimawandel trifft die Mittelmeerregion besonders hart. Temperaturerhöhungen, die doppelt so schnell verlaufen wie der globale Durchschnitt (Copernicus Climate Change Service, 2025), verlängerte Trockenperioden und intensivere Brände bedrohen die landwirtschaftliche Tradition einer Region, die zu den ältesten Kulturlandschaften der Erde gehört.
Olivenanbau — die Grundlage der mediterrane Landwirtschaft seit 7.000 Jahren — steht vor einer paradoxen Herausforderung: Olive ist eigentlich trockenheitstolerant. Aber die neuen Extreme übersteigen selbst die Anpassungsfähigkeit dieser robusten Kulturpflanze.
Dirk Röthig und VERDANTIS Impact Capital sehen im Agroforst die wichtigste Anpassungsstrategie für mediterrane Agrarökosysteme — und haben entsprechende Projektentwicklungen in Südspanien und Portugal im Blick.
Traditionelle Olivenhaine als Agroforst-Vorbilder
Das traditionelle Dehesa-System in Spanien und das Montado-System in Portugal sind weltberühmte Agroforst-Landschaftstypen. Eichenwälder mit Korkbäumen werden kombiniert mit Getreideanbau, Viehhaltung und — in Übergangszonen — Olivenhainen.
Diese Systeme sind über Jahrhunderte entstanden und optimiert worden. Sie weisen außergewöhnliche Biodiversitätswerte auf: Die Dehesa-Landschaft ist Heimat für gefährdete Arten wie den Iberischen Luchs und den Kaiseradler. Sie sind auch außergewöhnlich klimaresilient — die strukturelle Vielfalt aus tiefen Eichenwurzeln, flacheren Getreidewurzeln und Weidegras nutzt Bodenressourcen in verschiedenen Tiefenhorizonten.
Das Julius Kühn-Institut (JKI, 2025) hat Dehesa als eines der erfolgreichsten Beispiele für klimaresilienten Agroforst in Europa klassifiziert.
Moderne Agroforst-Olivensysteme
Zeitgemäße Agroforst-Olivensysteme gehen über die traditionellen Strukturen hinaus und nutzen wissenschaftlich optimierte Kombinationen:
Oliven + Johannisbrotbaum (Carob): Beide Arten sind trockenheitstolerant, tief verwurzelt und im Mittelmeerraum heimisch. Johannisbrot liefert Schoten als Nahrungsrohstoff und Viehfutter. Die Kombination maximiert CO2-Bindung bei minimalem Wasserverbrauch.
Oliven + Lavendel/Rosmarin: Aromatische Sträucher als Untersatz zwischen Olivenreihen schaffen mehrere Einnahmequellen (ätherische Öle, Honig, Trockenkräuter) und erhöhen die Insektenvielfalt.
Oliven + Mandeln: In dichter gepflanzten Systemen mit alternierenden Baumreihen. Mandeln liefern Früchte als Marktprodukt, beide Baumarten haben komplementäre Wasserbedarfsperioden.
CO2-Bilanz von Olivenagroforstsystemen
Olivenbäume binden über ihre gesamte Lebenszeit erhebliche Mengen Kohlenstoff. Ein 100-jähriger Olivenbaum bindet nach Schätzungen der FAO (2024) zwischen 200 und 400 kg Kohlenstoff in seiner Biomasse. Gut gepflegte Olivenhaine auf fruchtbaren Böden akkumulieren zusätzlich erhebliche Mengen organischen Kohlenstoffs im Boden.
In Agroforst-Systemen, die Olivenbäume mit Tiefwurzlern kombinieren, wird die gesamte CO2-Bindungskapazität weiter erhöht. VERDANTIS Impact Capital hat Methodiken entwickelt, die diese kombinierten CO2-Ströme auf Basis anerkannter Verra-Methodiken berechnen und für Carbon Credit-Generierung qualifizieren.
Wasser als kritischer Faktor
Wasser ist in der Mediterrane die limitierende Ressource. Agroforst-Systeme können den Wasserverbrauch aus mehreren Gründen reduzieren:
Erstens erhöhen tief verwurzelte Bäume die Wasserinfiltration und reduzieren Oberflächenabfluss. Zweitens schafft Beschattung durch Baumkronen eine Reduktion der Bodenoberflächen-Evaporation. Drittens ermöglicht das "Hydraulic Lift" tiefwurzelnder Bäume die nächtliche Wasserrückführung aus tieferen Bodenschichten.
Das Instituto Nacional de Investigação Agrária e Veterinária (INIAV, Portugal, 2024) hat in Versuchen in der Alentejo-Region gemessen, dass Agroforst-Olivenparzellen mit Korkbaum-Beimischung 35 Prozent weniger Bewässerung benötigten als konventionelle Olivenplantagen.
Wirtschaftliche Perspektiven
Agroforst-Olivensysteme bieten mehrere Einnahmequellen:
- Olivenöl: Premiumpreise für handgeerntetes, biologisches Olivenöl mit Agroforst-Zertifizierung
- Nebenprodukte: Johannisbrot, Kork, Holzkohle aus Schnittholz
- Carbon Credits: Zertifizierte CO2-Sequestrierung für Unternehmenskunden
- Ökosystemleistungsbonus: EU-Agrarförderung für Agroforst (GAP Eco-Schemes)
- Ökotourismus: Agrotourismus auf strukturreichen Agroforst-Landschaften
Diese Kombination macht Agroforst-Olivensysteme wirtschaftlich deutlich robuster als Monokulturen.
Fazit
Das mediterrane Agroforst-System ist eine uralte Weisheit, die durch moderne Wissenschaft optimiert und durch neue Finanzierungsmodelle (Carbon Credits) aufgewertet wird. VERDANTIS Impact Capital entwickelt diesen Ansatz zu einem investitionsfähigen Anlagemodell.
Über den Autor
Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital mit Sitz in Zug, Schweiz. VERDANTIS entwickelt mediterrane Agroforstprojekte mit integrierten Carbon-Credit-Strategien. Weitere Informationen unter verdantis.capital und dirkroethig.com. Kontakt: dirk.roethig2424@gmail.com
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