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Dirk Röthig
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Drohnen in der Landwirtschaft: Vom Spielzeug zum Präzisionswerkzeug

Autor: Dirk Röthig, CEO VERDANTIS Impact Capital
Datum: März 2026
Kategorie: Drohnen, Landwirtschaft, Agrartech, Precision Farming


Der Aufstieg der landwirtschaftlichen Drohne

Noch vor zehn Jahren galten Drohnen in der Landwirtschaft als Experimentierfeld technikbegeisterter Frühzieher. Heute sind sie auf Höfen in Niedersachsen und Bayern genauso Standard wie Drohnen für Überprüfungsflüge auf Äckern im Napa Valley oder in australischen Weizenfeldern.

Dirk Röthig und das Team von VERDANTIS Impact Capital setzen Drohnen-basiertes Monitoring in Paulownia-Agroforstprojekten ein. Die Fähigkeit, Vegetationszustand, Schäden und Wachstumsfortschritt regelmäßig und kostengünstig aus der Luft zu dokumentieren, hat die Qualität des Projektmonitorings erheblich verbessert.


Die Anwendungslandschaft im Überblick

Drohnen in der Landwirtschaft übernehmen heute vier Hauptfunktionen:

1. Fernerkundung und Kartierung: Multispektral- und Hyperspektral-Drohnen erfassen Vegetationsindizes (NDVI, NDRE), Wassergehalt, Chlorophyllgehalt und Pflanzenstress mit Dezimeterauflösung. Diese Daten übersetzen sich in Teilflächenkarten für präzise Bestandsführung.

2. Ausbringung: Drohnen für die Ausbringung von Flüssigdüngern, Pflanzenschutzmitteln und Saatgut haben in Asien — insbesondere China — massive Verbreitung gefunden. DJI AGRAS-Drohnen behandeln täglich bis zu 2.500 Reisfelder in China, wo handgeführte Rückenspritzen abgelöst werden. In Europa sind Drohnenausbringungen regulatorisch noch stark eingeschränkt, aber erste Ausnahmegenehmigungen wurden 2024 erteilt.

3. Pflanzenüberwachung: Regelmäßige Drohnenflüge dokumentieren Pflanzenschäden, Schädlingsbefall, Lagerungs- und Auswinterungsschäden in einer räumlichen Präzision, die Bodenbegehungen nicht erreichen. Vor allem für große Ackerflächen oder unwegsames Gelände (Bergwiesen, Steilhänge) ist Drohnenmonitoring eine wirtschaftliche Alternative.

4. Viehzählung und Wildtiermonitoring: Wärmebilddrohnen zählen Schafe, Rinder und Wildtiere schnell und präzise. Das ersetzt zeitaufwendige manuelle Zählungen. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU, 2025) setzt Wärmebilddrohnen zur Rehkitzsuche vor der Grasmahd ein — ein Programm, das tausende Tierleben jährlich rettet.


Technologie der landwirtschaftlichen Drohne

Multispektral-Sensoren: Kameras, die über das sichtbare Spektrum hinaus im Nah-Infrarot und Kurzwellen-Infrarot messen. Pflanzenstress-Indikatoren wie NDVI (Normalized Difference Vegetation Index) werden daraus berechnet.

LiDAR (Light Detection and Ranging): Laserbasierte 3D-Kartierung für präzise Gelände- und Baumhöhenmessungen. In der Forstwirtschaft wird LiDAR für Biomasseschätzungen und Bestandsstrukturanalysen eingesetzt.

RGB-Kameras mit KI: Hochauflösende Kameras in Kombination mit KI-gestützter Bildanalyse erlauben die automatische Zählung von Pflanzen, die Identifikation von Unkrautnestern und die Erkennung von Pflanzenkrankheitssymptomen.


Regulatorische Rahmenbedingungen in Europa

Die EASA (European Union Aviation Safety Agency) hat 2021 ein harmonisiertes EU-Drohnenregulierungsframework verabschiedet. Es unterscheidet drei Kategorien: "Open", "Specific" und "Certified".

Landwirtschaftliche Drohnen fallen je nach Gewicht, Flugweise und Einsatzgebiet in verschiedene Kategorien. Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln erfordert eine "Specific"-Genehmigung und nationalen Zulassungen. EASA hat 2025 einen harmonisierten Standard für EU-weit gültige Pflanzenschutz-Drohnen-Genehmigungen veröffentlicht — ein wichtiger Schritt zur vereinfachten Nutzung.


Wirtschaftlichkeit und ROI

Drohnen für Fernerkundung amortisieren sich auf Betrieben ab ca. 200-300 Hektar in der Regel in 2-4 Jahren durch Einsparungen bei Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, reduzierten Arbeitsstunden für manuelle Feldinspektionen und bessere Ertragsplanung.

Für kleinere Betriebe oder für den Einstieg bieten sich Drohnen-Dienstleistungsanbieter an: Professionelle Drohnen-Service-Unternehmen kartieren Felder im Auftrag, ohne dass Landwirte eigenes Equipment kaufen müssen. Die Kosten für einen vollständigen NDVI-Kartierungsflug inklusive Auswertung liegen bei 5-20 Euro pro Hektar.


Fazit

Landwirtschaftliche Drohnen sind vom Gadget zum Präzisionswerkzeug geworden. Ihre Verbreitung wird durch fallende Technologiepreise, verbesserte Regulierung und wachsende Datenkompetenz im Agrarsektor weiter beschleunigt.


Über den Autor

Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital mit Sitz in Zug, Schweiz. VERDANTIS setzt Drohnen-Monitoring für die Bestandsüberwachung in Paulownia-Agroforstprojekten ein. Weitere Informationen unter verdantis.capital und dirkroethig.com. Kontakt: dirk.roethig2424@gmail.com

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