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Dirk Röthig
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Green Bonds: Das Kapital der Grünen Revolution

Autor: Dirk Röthig, CEO VERDANTIS Impact Capital
Datum: März 2026
Kategorie: Green Bonds, Sustainable Finance, Kapitalmarkt, ESG


Von der Nische zum Mainstream

2007 emittierte die Europäische Investitionsbank die erste "Climate Awareness Bond" — den Urvater der Green Bonds. Das Volumen betrug 600 Millionen Euro und wurde als Spezialität für einige wenige Nachhaltigkeitsinvestoren betrachtet.

2025 hat der globale Green-Bond-Markt ein Emissionsvolumen von über 700 Milliarden US-Dollar erreicht — gegenüber 269 Milliarden im Jahr 2020 (Climate Bonds Initiative, 2025). Green Bonds sind vom Nischenprodukt zum zentralen Instrument nachhaltiger Kapitalmarktstrategie geworden.

Dirk Röthig kennt den Green-Bond-Markt aus unmittelbarer Erfahrung: VERDANTIS Impact Capital analysiert Green Bonds als potenzielle Finanzierungsinstrumente für naturbasierte Projekte und hat entsprechende Strukturierungsexpertise aufgebaut.


Was einen Green Bond definiert

Die Bezeichnung "Green Bond" ist nicht regulatorisch geschützt — theoretisch könnte jedes Unternehmen seinen Anleihen das Label aufkleben. In der Praxis haben Marktstandards und inzwischen auch Regulierung klare Anforderungen etabliert:

Green Bond Principles (GBP): Die 2014 von der ICMA (International Capital Market Association) veröffentlichten Prinzipien definieren vier Kernelemente: Verwendung der Erlöse (nur für grüne Projekte), Projektbewertungsprozess, Verwaltung der Erlöse und Berichterstattung.

EU Green Bond Standard (EU GBS): Seit 2024 offiziell in Kraft, der strengste internationale Standard. Emittenten müssen nachweisen, dass die finanzierten Projekte mit der EU-Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten kompatibel sind — und eine externe Überprüfung durchführen lassen.

Climate Bonds Standard (CBS): Von der Climate Bonds Initiative entwickelt, fokussiert auf Klimaschutz und -anpassung. Sektorspezifische Kriterien für Gebäude, Transport, Landwirtschaft, Wasser und Energie.


Wer emittiert Green Bonds?

Die größten Emittenten am Green-Bond-Markt sind:

Staatsanleihen: Deutschland emittiert seit 2020 "Grüne Bundesanleihen" — gespiegelte Zwillingsinstrumente zu konventionellen Bundesanleihen, aber mit Erlösen für Klimaschutz-Ausgaben des Bundeshaushalts. Das Volumen hat 2025 die 100-Milliarden-Marke überschritten.

Supranationale Institutionen: EIB, Weltbank, IFC — traditionell die Haupttreiber des Marktes mit höchsten Volumen und Standards.

Unternehmen: Von Volkswagen und Siemens bis zu mittelständischen Energieversorgern. Unternehmens-Green-Bonds bieten oft attraktive Renditen bei guter Liquidität.

Banken: Refinanzierung von Grünkrediten über Green-Bond-Emissionen ist ein wichtiger Hebel für nachhaltiges Bankwesen.


Greenwashing-Risiken und wie sie gemindert werden

Green Bonds sind nicht immun gegen Greenwashing. Es gibt Fälle, in denen als "grün" deklarierte Projekte kaum messbare Umweltwirkung hatten oder sogar negative Nebeneffekte aufwiesen.

Die Investitionsgemeinschaft hat auf dieses Risiko mit mehreren Gegenmaßnahmen reagiert:

Second Party Opinion (SPO): Unabhängige Nachhaltigkeits-Ratingagenturen (Sustainalytics, ISS, Vigeo Eiris) bewerten das Green-Bond-Framework des Emittenten.

Impact Reporting: Emittenten sind verpflichtet, regelmäßig über die tatsächlichen Umweltwirkungen der finanzierten Projekte zu berichten — mit messbaren Kennzahlen (kWh produzierter erneuerbarer Strom, Tonnen CO2 vermieden, Hektar restaurierter Lebensraum).

EU Taxonomie-Alignment: Das stärkste Qualitätssignal. Projekte, die mit der EU-Taxonomie übereinstimmen, haben nachgewiesen, dass sie einen wesentlichen Beitrag zu Klimaschutz, Klimaanpassung oder anderen Umweltzielen leisten und dabei keines der anderen Ziele wesentlich schädigen (DNSH-Kriterium).


Green Bonds für naturbasierte Lösungen

Für VERDANTIS Impact Capital besonders relevant ist die Entwicklung von Green Bonds als Finanzierungsinstrument für naturbasierte Lösungen (NbS) — Aufforstung, Agroforst, Feuchtgebietsrestaurierung, Mangrovenwiederherstellung.

Die Methodiken zur Messung und Verifizierung von NbS-Wirkungen haben sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Die Climate Bonds Initiative hat 2024 einen eigenen Sektor-Standard für Land Use, Agriculture and Forestry (LULUCF) verabschiedet — eine Grundlage für NbS-Green-Bonds.


Fazit

Green Bonds sind das Kapital der Grünen Revolution — ein Werkzeug, das privates Kapital in öffentliche Umweltziele lenkt. Die Marktentwicklung, verbesserte Standards und steigende Regulierung machen Green Bonds zu einem zunehmend attraktiven und verlässlichen Investmentinstrument.


Über den Autor

Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital mit Sitz in Zug, Schweiz. VERDANTIS analysiert Green-Bond-Strukturen für die Finanzierung naturbasierter Lösungsprojekte. Weitere Informationen unter verdantis.capital und dirkroethig.com. Kontakt: dirk.roethig2424@gmail.com

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