Autor: Dirk Röthig, CEO VERDANTIS Impact Capital
Datum: März 2026
Kategorie: Impact Investing, Sustainable Finance, ESG, Investment
Die Evolution des Investierens
Die Geschichte des Investierens lässt sich grob in drei Phasen einteilen. Phase 1 — "Pure Return": Maximaler finanzieller Return ist das alleinige Ziel, Nebenwirkungen sind irrelevant. Phase 2 — "ESG Integration": Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren werden als Risikoparameter in die Analyse einbezogen, um langfristige Rendite zu sichern. Phase 3 — "Impact Investing": Gesellschaftliche und ökologische Wirkung ist neben finanzieller Rendite explizites Investitionsziel.
Dirk Röthig hat VERDANTIS Impact Capital als Phase-3-Organisation aufgebaut: Kapital wird nur eingesetzt, wo nachgewiesene positive Wirkung mit attraktiver finanzieller Rendite verbunden werden kann. Das ist nicht Philanthropie — es ist eine Investitionsthese.
Was Impact Investing von ESG unterscheidet
Die Begriffe "ESG" und "Impact Investing" werden oft synonym verwendet. Sie beschreiben aber unterschiedliche Ansätze:
ESG: Bewertet, wie gut ein Unternehmen Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken managed. ESG ist primär ein Risikorahmen. ESG-Scores messen, ob ein Unternehmen gut geführt wird — nicht ob es einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leistet. Ein Ölkonzern mit exzellenter Governance, niedrigen Emissionen und fairen Arbeitsbedingungen kann einen hohen ESG-Score erreichen.
Impact Investing: Verlangt nachweisbare, messbare positive Wirkung auf gesellschaftliche oder ökologische Ziele. Nicht nur "weniger schlecht", sondern aktiv gut. Die Impact-Wirkung wird mit derselben Präzision wie die finanzielle Rendite gemessen — durch KPIs, Theory of Change und unabhängige Verifikation.
Das Global Impact Investing Network (GIIN, 2025) hat klare Kriterien für echtes Impact Investing definiert: Intentionalität (Wirkungsziel ist explizit), Messbarkeit (Wirkung wird quantifiziert), Additionalität (Wirkung wäre ohne Investment nicht eingetreten) und Investorenverantwortlichkeit.
Marktgröße und Wachstum
Der globale Impact-Investing-Markt hat laut GIIN (2025) ein verwaltetes Vermögen von über 1,164 Billionen US-Dollar erreicht — eine Verfünffachung gegenüber 2019. Die Wachstumsrate übersteigt konventionelles Asset Management bei Weitem.
In Europa führt Großbritannien mit über 40 Milliarden Pfund in Impact-Fonds, gefolgt von Deutschland (28 Milliarden Euro, Forum Nachhaltige Geldanlagen 2025) und den Niederlanden.
Die Investorenlandschaft ist heterogener als oft angenommen: Neben spezialisierten Impact-Fonds investieren Family Offices, Stiftungen, Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen und zunehmend auch institutionelle Investoren (Pensionskassen, Versicherungen) in Impact-Strategien.
Rendite und Impact: Eine falsche Dichotomie
Die häufigste Kritik an Impact Investing lautet: Gute Absichten gehen auf Kosten der Rendite. Ist das so?
Die empirische Evidenz ist differenziert. Für Marktrate-Impact-Investing (= Investitionen, die marktübliche Rendite UND Impact anstreben) zeigen Studien keine systematische Renditeminderung gegenüber konventionellen Vergleichsanlagen. Das Cambridge Institute for Sustainable Leadership (2024) hat eine Meta-Analyse von 2.000 Impact-Fonds-Returns veröffentlicht: Median-Returns waren statistisch nicht signifikant anders als nicht-Impact-Peers.
Bei Impact-First-Investing (= Wirkung hat Priorität, Rendite unter Markt akzeptiert) gibt es per Definition Renditeverzicht. Das ist für bestimmte Investoren (Stiftungen, Entwicklungsbanken, Philanthropen) rational — der "Impact Multiplier" des eingesetzten Kapitals übersteigt den Renditeverzicht.
Messung: Die entscheidende Herausforderung
Impact lässt sich nicht genauso einfach messen wie Rendite. Was für eine konkrete Investition als Impact zählt, ist nicht eindeutig: Sind eingesparte CO2-Emissionen Impact? Sind sie zusätzlich zu Business-as-usual? Wie werden Ko-Nachteile (z.B. Landnutzungsänderung) verrechnet?
Standardisierungsbestrebungen laufen auf mehreren Ebenen: IRIS+ (GIIN-Framework für Impact-Metriken), GRESB (Real Estate Impact Measurement), HIPSO (Harmonized Indicators for Private Sector Operations) und die Impact Management Platform koordinieren und harmonisieren Messmethoden.
VERDANTIS: Impact und Rendite in einem Modell
Das Geschäftsmodell von VERDANTIS Impact Capital demonstriert, wie Impact und Rendite verbunden werden können: Agroforstprojekte mit Paulownia erzeugen verwertbares Holz (wirtschaftliche Rendite), binden CO2 (quantifizierbar als Carbon Credits, monetarisierbar), verbessern Biodiversität (verifizierbarer Naturschutz-Impact) und schaffen lokale Beschäftigung (soziale Wirkung).
Jede dieser Wirkungsdimensionen wird gemessen, verifiziert und berichtet — intern wie gegenüber Investoren.
Fazit
Impact Investing hat die nötige Reife erreicht, um vom ethischen Randphänomen zum strategischen Mainstream-Tool zu werden. Die Kombination aus wachsender Regulierung (EU-Taxonomie, SFDR), verbesserter Meßmethodik und demonstrierter Renditefähigkeit macht Impact Investing zur attraktiven Option für jeden ernsthaften Investor.
Über den Autor
Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital mit Sitz in Zug, Schweiz. VERDANTIS versteht Impact Investing als sein Kerngeschäftsprinzip: Kapital für messbare Wirkung mit marktfähiger Rendite. Weitere Informationen unter verdantis.capital und dirkroethig.com. Kontakt: dirk.roethig2424@gmail.com
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