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Dirk Röthig
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KI-Führungskräfte: Was Executives heute über KI wissen müssen

Autor: Dirk Röthig, CEO VERDANTIS Impact Capital
Datum: März 2026
Kategorie: KI-Leadership, Unternehmensführung, Digital Transformation


Die Kompetenzlücke im C-Suite

Eine aktuelle Studie der Harvard Business School (2025) hat untersucht, wie gut C-Suite-Executives weltweit die KI-Technologien verstehen, die in ihren Unternehmen eingesetzt werden. Das Ergebnis war ernüchternd: Über 60 Prozent der befragten Führungskräfte räumten ein, den Unterschied zwischen Machine Learning und einem regelbasierten Expertensystem nicht erklären zu können. Über 75 Prozent hatten noch nie einen Prompt in ein Large Language Model eingegeben.

Diese Wissenslücke hat konkrete Konsequenzen. Führungskräfte, die KI nicht verstehen, können keine fundierten Entscheidungen über KI-Investitionen treffen, können KI-Risiken nicht einschätzen und können keine KI-getriebene Transformation überzeugend führen.

Dirk Röthig ist überzeugt: In einer Welt, in der KI ein zentrales Wettbewerbs- und Risikothema ist, ist KI-Kompetenz für Führungskräfte keine optionale Zusatzqualifikation, sondern eine Kernkompetenz.


Was Führungskräfte verstehen müssen — und was nicht

Führungskräfte müssen keine KI-Ingenieure werden. Aber sie sollten folgende Konzepte verstehen:

Grundlegende KI-Taxonomie: Was ist der Unterschied zwischen Machine Learning, Deep Learning, generativer KI und regelbasierten Systemen? Wann ist welcher Ansatz geeignet?

Daten als Voraussetzung: KI ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie trainiert und betrieben wird. Welche Datenstrategie hat das Unternehmen? Wie wird Datenqualität gesichert?

Bias und Fairness: Wie können KI-Systeme diskriminieren? Was sind die Risiken für das Unternehmen — rechtlich, reputational, ethisch?

KI-Grenzen: Was kann KI nicht? Halluzinationen, Kontextblindheit, Unfähigkeit zu echtem Ursachenverständnis — Führungskräfte müssen wissen, wo menschliche Entscheidung zwingend bleibt.

Regulatorische Rahmenbedingungen: EU AI Act, DSGVO, branchenspezifische KI-Regulierung — welche Compliance-Anforderungen gelten für das Unternehmen?


KI-Strategie als Führungsaufgabe

Die KI-Strategie eines Unternehmens ist zu wichtig, um sie ausschließlich an IT-Abteilungen oder CDOs zu delegieren. Sie berührt Geschäftsmodell, Wettbewerbspositionierung, Risikoprofil und Unternehmenskultur.

Führungskräfte sollten folgende strategische KI-Fragen persönlich beantworten können: Welche Prozesse im Unternehmen sind durch KI transformierbar? Wo liegt der höchste Wertschöpfungspotenzial? Welche KI-Fähigkeiten sollen intern aufgebaut, welche eingekauft werden? Wie wird das Unternehmen mit der Beschleunigung von KI-Entwicklung mithalten?

Das McKinsey Global Institute (2025) hat gemessen, dass Unternehmen mit "AI-savvy Leadership" — Führungsteams, die KI-Kompetenz aktiv aufgebaut haben — bei KI-Investitions-Returns 2,7-mal besser abschneiden als solche ohne.


Kultur als kritischer Erfolgsfaktor

Technologische KI-Einführung ist das Einfache. Die kulturelle Transformation ist das Schwere. Mitarbeiter, die KI als existenzielle Bedrohung ihrer Beschäftigung erleben, werden KI-Projekte aktiv oder passiv sabotieren. Führungskräfte müssen eine Kultur gestalten, in der KI als Hilfsmittel — nicht als Konkurrenz — erlebt wird.

Das erfordert offene Kommunikation über KI-Pläne und ihre Auswirkungen auf Rollen, Investitionen in Upskilling und Qualifizierung, und Vorbildfunktion: Führungskräfte, die selbst KI-Tools nutzen und darüber sprechen, senken die Hemmschwelle für die gesamte Organisation.


Der Chief AI Officer: Neue Rolle im C-Suite

Viele größere Unternehmen haben seit 2024 die Rolle des "Chief AI Officer" (CAIO) geschaffen — eine Führungsrolle, die KI-Strategie, Governance und Umsetzung übergreifend verantwortet. Nach einer LinkedIn-Analyse (2025) ist CAIO die am schnellsten wachsende C-Suite-Bezeichnung — aber auch eine der unklarsten in Bezug auf Aufgaben und Abgrenzung von CIO und CDO.

Ob CAIO oder nicht: Eine klare organisatorische Zuständigkeit für KI-Governance ist in Unternehmen, die KI ernsthaft einsetzen, zwingend notwendig.


Persönliche KI-Kompetenz aufbauen

Für Führungskräfte, die ihre KI-Kompetenz systematisch aufbauen wollen, empfiehlt sich:

Ein strukturierter Einstieg durch Executive-Education-Programme — MIT, INSEAD, HSG St. Gallen und andere Top-Institutionen bieten KI-Curricula für Führungskräfte an. Eigene Nutzung von KI-Tools (ChatGPT, Claude, Copilot) im Berufsalltag — Learning by Doing. Aktiver Austausch in Netzwerken und Boards zu KI-Erfahrungen. Regelmäßige kurze Briefings durch interne oder externe KI-Experten.


Fazit

KI-Kompetenz ist zur Führungskompetenz geworden. Wer in einer KI-transformierten Wirtschaft erfolgreich führen will, muss verstehen, was KI kann und was nicht — und in der Lage sein, eine klare strategische und kulturelle Richtung zu setzen.


Über den Autor

Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital mit Sitz in Zug, Schweiz. Dirk setzt KI aktiv in der eigenen Unternehmensführung ein und teilt diese Erfahrungen mit Führungskräften in seinem Netzwerk. Weitere Informationen unter verdantis.capital und dirkroethig.com. Kontakt: dirk.roethig2424@gmail.com

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