Autor: Dirk Röthig, CEO VERDANTIS Impact Capital
Datum: März 2026
Kategorie: Feuchtgebiete, Klimaschutz, Naturschutz, Carbon
Das missverstandene Ökosystem
Moore und Feuchtgebiete galten lange als nutzloses Ödland — zu nass für Landwirtschaft, zu düster für Erholung, zu teuer in der Bewirtschaftung. Millionen Hektar wurden entwässert, trockengelegt und in Ackerflächen, Torfabbaugebiete oder Siedlungsraum umgewandelt. Wir wissen heute: Das war ein kolossaler ökologischer Fehler.
Dirk Röthig verfolgt die Forschung zu Feuchtgebietsrestaurierung intensiv, weil sie für VERDANTIS Impact Capital unmittelbare Relevanz hat — als Investitionsfeld für naturbasierte Lösungen und als Lernfeld für nachhaltige Landnutzungsstrategien.
Moore als Kohlenstoffbomben (im guten und schlechten Sinn)
Obwohl Moore und Feuchtgebiete nur 3 Prozent der weltweiten Landfläche bedecken, speichern sie mehr als doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen (IPCC, 2023). Diese außergewöhnliche Kohlenstoffspeicherung ist das Ergebnis jahrtausendlanger Torfakkumulation unter anoxischen, wassergesättigten Bedingungen, in denen organische Substanz kaum abgebaut wird.
Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Wenn Moore entwässert werden, kommt der gespeicherte Kohlenstoff in Kontakt mit Sauerstoff und wird zu CO2 und Methan abgebaut. Entwässerte Moore sind heute nach Wäldern und dem Energiesektor die drittgrößte Quelle anthropogener Treibhausgasemissionen — obwohl sie flächenmäßig winzig sind.
Das Umweltbundesamt (UBA, 2025) schätzt, dass die entwässerten Moore Deutschlands jährlich rund 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente emittieren — das entspricht fast dem gesamten deutschen Straßenverkehr.
Paludikultur: Landwirtschaft auf wiedervernässten Mooren
Die einfachste Form der Moorrestaurierung ist die Wiedervernässung. Drainagen werden gestoppt oder umgekehrt, der Grundwasserspiegel steigt, und die Torfbildung kann theoretisch wieder beginnen. In der Praxis ist es komplizierter: Viele entwässerte Moore werden landwirtschaftlich genutzt, und Flächeneigentümer müssen kompensiert werden.
Paludikultur — die landwirtschaftliche Nutzung wiedervernässter Moorflächen — bietet einen pragmatischen Mittelweg. Bestimmte Kulturen gedeihen auf feuchten, torfigen Böden: Schilf für Dachdeckung und Biogas, Rohrglanzgras für Bioenergie, Moosbeeren und andere Nassfrüchte.
Das Greifswald Moor Centrum (GMC, 2025) — weltweit führend in der Paludikultur-Forschung — hat gezeigt, dass Paludikultur auf rewetteten Mooren die Treibhausgasemissionen um über 80 Prozent gegenüber drainierter Nutzung reduzieren kann, bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Nutzung.
Mangroven: Die tropischen Klimawunderwälder
Mangroven-Ökosysteme an tropischen Küsten sind unter den effektivsten CO2-Speichersystemen der Erde. Sie binden pro Hektar bis zu 10-mal mehr Kohlenstoff als tropische Regenwälder. Zudem schützen sie Küsten vor Sturmfluten und Erosion und bieten unersetzliche Laich- und Kinderstubenfunktionen für Meeresorganismen.
Die globale Mangrovenfläche hat sich seit 1980 um 35 Prozent reduziert — hauptsächlich durch Aquakultur-Expansion (insbesondere Garnelenzucht), Küstenentwicklung und Holzeinschlag. Die FAO (2024) fordert die Wiederherstellung von mindestens 30 Millionen Hektar Mangroven bis 2030 als prioritäre Klimaschutzmaßnahme.
Europäische Feuchtgebiete: Dramatischer Rückgang
In Europa haben sich Feuchtgebiete im letzten Jahrhundert um über 60 Prozent reduziert. Der Rückgang von Zugvogelarten, die auf europäische Feuchtgebiete angewiesen sind, illustriert das ökologische Ausmaß: Das gemeinsame EU-Monitoring von BirdLife International (2025) zeigt, dass Zugvögel mit Abhängigkeit von Feuchtgebieten unter allen Vogelgruppen die stärksten Populationsrückgänge aufweisen.
Die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 sieht die Wiederherstellung von mindestens 50.000 Hektar europäischer Feuchtgebiete vor. Dafür werden erhebliche öffentliche und private Investitionen benötigt.
Finanzierung: Carbon Credits und Naturschutzfonds
Feuchtgebietsrestaurierung ist teuer — sowohl in der initialen Maßnahme als auch im langfristigen Management. Klassische Naturschutzfinanzierung aus öffentlichen Mitteln reicht nicht aus. Neue Finanzierungsmodelle sind nötig:
Wetland Carbon Credits: Verra und Gold Standard haben Methodiken entwickelt, die Feuchtgebietsrestaurierungsprojekte für den freiwilligen Kohlenstoffmarkt qualifizieren. Ein Hektar renaturiertes Moor kann im Laufe der Zeit Credits mit einem Wert von mehreren tausend Euro generieren.
Blended Finance: Kombination von öffentlichen Fördergeldern, philanstropischem Kapital und kommerziellen Investoren in Programmstrukturen, die das Risiko für kommerzielle Investoren reduzieren.
Fazit
Feuchtgebietsrestaurierung ist eine der kosteneffizientesten Klimaschutzmaßnahmen überhaupt — und gleichzeitig eine der wirksamsten Biodiversitätsinvestitionen. Für VERDANTIS Impact Capital ist dieser Bereich ein natürliches Erweiterungsfeld der naturbasierten Lösungsstrategien.
Über den Autor
Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital mit Sitz in Zug, Schweiz. VERDANTIS entwickelt naturbasierte Lösungsstrategien an der Schnittstelle von Klimaschutz, Biodiversität und nachhaltigem Kapital. Weitere Informationen unter verdantis.capital und dirkroethig.com. Kontakt: dirk.roethig2424@gmail.com
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