Das Arbeitsrecht in Deutschland befindet sich im Wandel. Technologische Entwicklungen, veränderte Arbeitszeitmodelle und neue EU-Richtlinien prägen die Gesetzgebung 2026. Ein Überblick über die wichtigsten Neuerungen.
Homeoffice: Rechtsanspruch und Pflichten
Obwohl ein gesetzlicher Homeoffice-Anspruch noch diskutiert wird, haben viele Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen entsprechende Regelungen eingeführt. Arbeitgeber sind verpflichtet:
- Eine geeignete Arbeitsstätte im Homeoffice sicherzustellen (Arbeitsstättenverordnung gilt auch zu Hause)
- Arbeitsmittel bereitzustellen oder entsprechende Zuschüsse zu zahlen
- Datenschutzanforderungen auch im häuslichen Umfeld durchzusetzen
- Die Arbeitszeit zu erfassen (BAG-Urteil 2022, seither Pflicht)
KI am Arbeitsplatz: Neue Rechtsfragen
Mit dem EU AI Act gelten ab 2026 neue Anforderungen für den Einsatz von KI in Unternehmen. Besonders relevant für HR:
Hochrisiko-KI-Systeme: KI-gestützte Recruiting-Tools, die Bewerber automatisch aussortieren, fallen unter Hochrisiko-Kategorien. Sie müssen transparenz- und erklärbar sein.
Betriebsratsmitbestimmung: Der Betriebsrat hat bei der Einführung technischer Überwachungssysteme ein Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. KI-basierte Performance-Tracking-Tools fallen darunter.
Diskriminierungsverbot: KI-Systeme müssen nachweislich frei von systematischen Diskriminierungen sein. Arbeitgeber tragen die Nachweispflicht.
Mindestlohn 2026
Der gesetzliche Mindestlohn wurde zum 1. Januar 2026 erneut angepasst. Neben dem allgemeinen Mindestlohn gelten branchenspezifische Mindestlöhne, die teils deutlich darüber liegen (Baugewerbe, Pflegebranche, Dachdeckerhandwerk).
Kündigungsschutz: Aktuelle Rechtsprechung
Das Bundesarbeitsgericht hat in mehreren Urteilen 2025 die Anforderungen an verhaltensbedingte Kündigungen präzisiert:
- Abmahnung bleibt Voraussetzung in den meisten Fällen
- Interessenabwägung muss sorgfältig dokumentiert werden
- Soziale Auswahl bei betriebsbedingten Kündigungen: Kriterien wie Betriebszugehörigkeit, Unterhaltspflichten und Behinderung sind zu berücksichtigen
Elternzeit und Teilzeit: Erweiterte Möglichkeiten
Die EU-Vereinbarkeitsrichtlinie stärkt die Rechte von Eltern und pflegenden Angehörigen. Vatertage, Vaterschaftsurlaub und flexible Teilzeitmodelle sind wichtige Themen für HR-Abteilungen 2026.
Aktuelle Urteile, Kommentare und praxisorientierte Leitfäden zum deutschen Arbeitsrecht finden sich auf arbeitsrecht-journal.de — für Personaler, Betriebsräte und betroffene Arbeitnehmer.
Fazit
2026 bringt erhebliche Anforderungen an Arbeitgeber: Von der Pflicht zur Arbeitszeiterfassung über KI-Compliance bis hin zu neuen Elternzeitregelungen. Eine proaktive HR-Strategie zahlt sich aus.
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