Wer als Entwickler oder Agentur für lokale Dienstleister baut, kennt das Muster: Die Seite existiert, aber die Anfragen bleiben aus. Fast immer stecken dieselben strukturellen Fehler dahinter — keine regionsspezifischen Probleme, sondern Klassiker, die sich überall wiederholen.
Hier sind die fünf häufigsten, mit konkreten Fixes.
1. Kein Beweis, dass der Betrieb wirklich liefert
Das größte Problem vieler Handwerker-Websites: Man glaubt ihnen nicht. Nicht weil der Betrieb schlecht ist — sondern weil die Seite keinen einzigen Beweis liefert.
Was fehlt: Fotos von abgeschlossenen Projekten, echte Vorher-Nachher-Bilder, spezifische Projektbeschreibungen ("Badezimmer-Komplettsanierung, 14 qm, Umbau über 3 Wochen").
Der Fix: Portfolio-Sektion mit mindestens 5–8 echten Projekten. Direkt nach Projektabschluss fotografieren — im Nachhinein funktioniert das nie mehr. Wer für solche Betriebe entwickelt, sollte diesen Workflow beim Onboarding fest einplanen.
Warum es funktioniert: Neue Kunden fragen sich immer: "Kann der, was ich brauche?" Fotos beantworten das ohne Worte.
2. Nur eine Telefonnummer als Kontaktmöglichkeit
Telefon ist gut. Telefon allein ist zu wenig.
Nicht jeder Interessent ruft sofort an — besonders nicht abends, wenn das Problem aufgefallen ist, aber die Arbeitszeit des Betriebs längst vorbei ist. Wer jetzt kein Formular anbietet, verliert genau diese Anfragen.
Was fehlt: Ein strukturiertes Kontaktformular, das die wichtigsten Infos abfragt (Art des Auftrags, grobe Beschreibung, Wunschtermin).
Der Fix: Kurzes Formular mit 4–5 Feldern, kein langer Fragebogen. Für Sanitär- und Elektrobetriebe: ein separates Notfall-Feld ("Rohbruch / Stromausfall — dringend?") ist ein echter Conversion-Booster.
Technischer Tipp: Tools wie Fillout oder Tally lassen sich ohne Backend einbinden und ersparen die eigene Formular-Infrastruktur. Hier ein Beispiel, wie wir das für Kunden umsetzen.
3. Alle Leistungen auf einer Seite
"Wir machen Sanitär, Heizung, Lüftung und Klimatechnik" — auf einer einzigen Seite. Das klingt kompakt, ist aber ein SEO-Desaster.
Das Problem: Suchmaschinen können eine Sammelseite nicht spezifisch ranken. "Sanitär Notfall" und "Heizung warten" konkurrieren dann gegeneinander — und gewinnen beide nicht.
Der Fix: Jedes Gewerk bekommt eine eigene Unterseite, mind. 300–400 Wörter, mit spezifischem Inhalt. Typische URL-Struktur:
-
/sanitaer/mit Fokus auf häufige Notfälle -
/heizung/mit Wartungsinfos und Modernisierungsthemen -
/bad-sanierung/mit Vorher-Nachher-Galerie
Das lässt sich gut generisch aufbauen und dann mit betriebsspezifischem Content füllen — ideal für Agentur-Templates.
4. Kein mobil-optimierter Notfall-CTA
Über 70 % der lokalen Suchanfragen im Handwerk kommen über Smartphones. Wer um 21 Uhr nach "Sanitär Notfall" sucht, scrollt nicht — der klickt den ersten erreichbaren Link.
Was fehlt: Ein dauerhaft sichtbarer CTA (idealerweise sticky Header), der direkt zum Anruf führt. Großer Tap-Bereich, keine kleinen Icon-Links.
Der Fix: Sticky Navigation mit klickbarer Telefonnummer, für mobile Geräte separat gestylt. Wer mit modernen Frameworks arbeitet, braucht dafür kaum 30 Zeilen CSS.
@media (max-width: 768px) {
.nav-cta-phone {
position: fixed;
bottom: 1rem;
right: 1rem;
padding: 1rem 1.5rem;
font-size: 1.1rem;
border-radius: 50px;
z-index: 999;
}
}
5. Keine Stadtteile, nur den Ort
"Elektriker München" ist gegen 200 Konkurrenten kaum zu gewinnen. "Elektriker München Schwabing" oder "Elektriker München Pasing" — deutlich realistischer.
Das Problem: Betriebe benennen nur die Stadt, nicht ihre eigentlichen Einsatzbereiche. Dabei arbeiten die meisten in einem Radius von 20–30 km.
Der Fix: Stadtteile oder Umlandgemeinden auf der Startseite und in Unterseiten nennen. Kein Keyword-Stuffing — ein natürlicher Satz wie "Wir sind in [Stadtteil A], [Stadtteil B] und [Umland-Ort] aktiv" reicht für den Anfang.
Für Betriebe mit breitem Einzugsgebiet lohnen sich separate Location-Pages — je nach Budget und Wettbewerb.
Fazit
Diese fünf Punkte sind kein Geheimwissen. Sie tauchen trotzdem bei 80 % der Handwerker-Websites auf, die mir begegnen. Wer sie systematisch löst, hat schon gewonnen — selbst wenn das Design nicht besonders aufregend ist.
Wer solche Projekte regelmäßig baut, für den lohnt sich eine Vorlage mit diesen Punkten als Checkliste. Die meisten Auftraggeber haben keine Ahnung, was fehlt — es ist unsere Aufgabe, es ihnen zu sagen.
Artikel von acessio — Webdesign & digitale Prozesse für lokale Betriebe. acessio, Königstraße 35, 70173 Stuttgart.
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