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PaXini: So wird Robotik-Tastsinn 500-mal billiger

PaXini ist ein chinesischer Robotik-Zulieferer aus Shenzhen, der Robotern über taktile Sensoren einen Tastsinn gibt. Beim Besuch im Showroom zeigt Jeremy von PaXini Roboterhände, die eine Glühbirne eindrehen, ohne sie zu überdrehen. Der Punkt liegt aber nicht in der Technik, sondern im Preis.

Ein Sensor dieser Güte kostete vor vier Jahren rund 13.000 Euro pro Fingerkuppe. Heute liegt der Preis bei etwa 25 Euro. Genau dieser Faktor entscheidet, ob Feingefühl in Robotern in Serie geht.

Was PaXini in Shenzhen baut

Im Showroom steht ein leichter humanoider Roboter in normaler Menschengröße. Daneben läuft eine Variante auf zwei Rädern. Sie überwindet Hindernisse bis etwa 15 Zentimeter Höhe und arbeitet in offenen Hallen.

Zwei Roboter sortieren dort Pakete für ein großes Logistik-Unternehmen aus China. Der erste erkennt die Farbe per Kamera und legt das Paket auf ein Förderband. Der zweite nimmt es auf und sortiert es in Kartons. Beide steuert ein KI-Modell, kein festes Programm. Greift einer daneben, versucht er es einfach erneut.

Eine zweite Demo läuft im Labor-Aufbau. Der Roboter greift ein Röhrchen, schüttelt es und scannt den QR-Code. Rutscht das Röhrchen weg, erhöht er von allein den Druck. Jeremy nennt als Ziel raue Umgebungen wie die Chemie-Industrie. Dort soll die Maschine Menschen entlasten, nicht ersetzen.

Hinter dem Showroom steht eine Firma mit viel Kapital. PaXini entstand am 29. Juni 2021. Seitdem sammelte die Firma 3,5 Milliarden Yuan ein, rund 450 Millionen Euro. Zu den Geldgebern zählen JD.com und BYD. Die Bewertung liegt heute über 1,3 Milliarden Euro. Anfang Juni berichtete Bloomberg über einen geprüften Börsengang in Hongkong.

PaXini-Sensoren: 25 Euro statt 13.000 Euro

Ein taktiler Sensor dieser Güte kostete vor wenigen Jahren rund 100.000 Yuan pro Fingerkuppe. Umgerechnet sind das etwa 13.000 Euro. Echter Tastsinn blieb deshalb ein reines Laborthema.

PaXini verkauft denselben Sensor heute für 199 Yuan, also rund 25 Euro. Auf der CES in Las Vegas lagen die Einstiegs-Preise zuletzt teilweise bei 49 Dollar. Das ist ein Faktor von etwa 500.

Eine Hand braucht nicht einen Sensor, sondern ein ganzes Feld davon. Die Bauteile sitzen in Fingerkuppen, Finger-Gliedern und Handfläche. Deshalb entscheidet der Stückpreis über den Sprung in die Serien-Fertigung. Der Durchbruch ist also nicht das Feingefühl, sondern dessen Preis. Wie schnell chinesische Hersteller solche Bauteile skalieren, zeigt auch unser Blick auf humanoide Roboter aus China.

Vier Finger, 16 Freiheitsgrade: die Roboterhand

Die bekannteste Hand von PaXini hat nur vier Finger. Sie bringt 16 Freiheitsgrade und 11 taktile Sensoren mit. Zusammen liefern diese Sensoren über 1.000 Signale.

Der kleine Finger fehlt aus Kostengründen. Vier Finger reichen für die meisten Aufgaben aus. Zum Vergleich: übliche Zwei-Finger-Greifer in der Automation haben ein bis zwei Freiheitsgrade.

Beim Eindrehen einer Glühbirne misst der Sensor nicht nur die Flächenkraft. Er liefert zusätzlich das Drehmoment. Die Hand dreht fest zu, aber eben nicht zu fest. Eine fünffingrige Variante existiert ebenfalls, mit einer Kamera in der Handfläche. 2024 brachte PaXini nach eigenen Angaben die erste langlebige Hand mit Bild und Tastsinn heraus. Für das kommende Jahr kündigt Jeremy eine direkt angetriebene Hand an.

Hall-Effekt statt Kamera: die Technik-Wette

Am Markt konkurrieren mindestens vier Prinzipien. Kapazitive, piezoresistive, tribölektrische und optische Sensorik stehen nebeneinander. Der bekannteste optische Ansatz kommt aus den USA. Er filmt mit einer winzigen Kamera hinter einer Gelschicht das Verformungs-Muster der Berührung.

PaXini setzt dagegen auf den Hall-Effekt. Die Begründung des Gründers klingt nüchtern: Halbleiter liefern digitale Signale und lassen sich gleichmäßig fertigen. Das Unternehmen erbt damit die Reife einer Industrie, die Chips in Milliarden-Stückzahl baut.

Der Ansatz hat eine offene Flanke. Ein Hall-Sensor misst über ein Magnetfeld. Ein Roboter, der einen Elektromotor greift, hält damit die Störquelle in der Hand. PaXini löst das nach eigenen Angaben über einen eigenen Chipsatz und eine eigene Verpackungs-Technik.

Die Messwerte aus dem Showroom sind konkret. Die minimale Erkennungs-Kraft liegt bei 0,01 Newton, etwa ein leichter Hauch auf der Fingerkuppe. Der Sensor ist nach IP68 wasserdicht und hält bis zu 10 Millionen Zyklen. Er erkennt zusätzlich Textur, Temperatur, Härte und ob ein Objekt wegrutscht.

Die Datenfabrik hinter dem Tastsinn

Der spannendste Teil steht nicht im Showroom. PaXini betreibt eine eigene Datenfabrik in Jiangsu nahe Shanghai, über 12.000 Quadratmeter groß. Sie produziert nach Firmen-Angaben 200 Millionen Datensätze pro Jahr. Diese verteilen sich auf mehr als 15 Einsatzfälle.

Entscheidend ist die Methode. Die Daten stammen nicht aus Teleoperation. Stattdessen tragen Menschen bei ihrer normalen Arbeit Handschuhe mit denselben Sensoren. Das passiert unter anderem in der Lieferkette von Apple.

Für die Firma ist dieser Weg zwingend. Solche Daten hängen an keiner bestimmten Roboter-Hardware. Sie überleben jede kommende Roboter-Generation. Daten aus Teleoperation veralten dagegen mit dem Modell, für das sie entstanden. PaXini besitzt nach eigenen Angaben zudem als erste Firma in China eine Export-Freigabe der Regierung. Diese Daten dürfen also ins Ausland.

Auch die menschliche Form folgt dieser Logik. Jeremy nennt als Hauptgrund nicht die für Menschen gebaute Umgebung. Er nennt das Training. Menschliche Hände liefern Daten, die sich direkt auf eine Hand nach menschlichem Vorbild übertragen lassen. PaXini trainiert dafür ein eigenes VLA-Modell in einem Forschungs-Zentrum in Shanghai und ergänzt es um die Haptik.

Warum EngineAIs Kampfroboter Sohlen mit Gefühl brauchen

Ein Schritt ist nichts anderes als ein Sturz unter Kontrolle. Die Maschine muss ihn rechtzeitig abfangen. Der Kampfroboter von EngineAI misst 1,73 Meter, wiegt 75 Kilogramm und bringt 450 Newtonmeter Spitzen-Drehmoment.

Beim Drehtritt steht sein komplettes Gewicht auf einer einzigen Sohle. Dort sitzt jetzt ein Sensorfeld von PaXini. Es meldet 150-mal pro Sekunde, wo der Druck unter dem Standbein wandert. Die Regelung steuert gegen, bevor der Schwerpunkt aus der Sohle läuft.

Bisher schätzte der Roboter den Bodenkontakt aus den Drehmomenten seiner Gelenke. Diese Schätzung kommt im Zweifel Bruchteile einer Sekunde zu spät. Seit April laufen diese Roboter mit Sondereinsatz-Kräften in Shenzhen Streife. Bei einem Apple-Zulieferer montieren sie Bauteile. Auf Kopfstein-Pflaster zahlt sich der Tastsinn genauso aus wie auf nassem Hallenboden.

Fazit: PaXini macht den Tastsinn zur Massenware

PaXini zeigt, wie schnell ein Laborthema zur Massenware wird. Der Preissturz um Faktor 500 öffnet die Tür für Serien-Anwendungen. Die Datenfabrik sichert den Vorsprung über Hardware-Generationen hinweg.

Für Unternehmen in Europa folgt daraus eine klare Frage. Wer viele Greif-Prozesse plant, sollte taktile Hände heute einplanen. Die Bauteile dafür kosten keine 13.000 Euro mehr. Sie kosten 25.

Häufige Fragen

Was macht PaXini?

PaXini ist ein Robotik-Zulieferer aus Shenzhen, gegründet am 29. Juni 2021. Die Firma baut taktile Sensoren, geschickte Roboterhände und komplette humanoide Roboter. Kern des Angebots ist der Tastsinn. Sensoren in Fingerkuppen, Handflächen und Fußsohlen messen Kraft, Drehmoment und Textur. Zu den Geldgebern zählen JD.com und BYD. Die Bewertung liegt über 1,3 Milliarden Euro.

Wie viel kostet ein taktiler Sensor von PaXini?

Ein Sensor dieser Güte kostete vor wenigen Jahren rund 100.000 Yuan pro Fingerkuppe, umgerechnet etwa 13.000 Euro. PaXini verkauft denselben Sensor heute für 199 Yuan, also rund 25 Euro. Auf der CES in Las Vegas lagen die Einstiegs-Preise zuletzt teilweise bei 49 Dollar. Der Preis fiel damit um etwa den Faktor 500. Erst dadurch wird ein ganzes Sensorfeld pro Hand bezahlbar.

Warum hat die Roboterhand von PaXini nur vier Finger?

Der kleine Finger bringt für eine geschickte Hand wenig Nutzen und kostet Geld. Vier Finger reichen für die meisten Aufgaben. Die Hand bringt 16 Freiheitsgrade und 11 taktile Sensoren mit. Zum Vergleich: übliche Zwei-Finger-Greifer in der Automation haben ein bis zwei Freiheitsgrade. PaXini bietet zusätzlich eine fünffingrige Variante an, mit einer Kamera direkt in der Handfläche.

Woher kommen die Trainings-Daten für die Roboter von PaXini?

Aus einer eigenen Datenfabrik in Jiangsu nahe Shanghai, über 12.000 Quadratmeter groß. Sie liefert nach Firmen-Angaben 200 Millionen Datensätze pro Jahr für mehr als 15 Einsatzfälle. Die Daten entstehen nicht durch Teleoperation. Stattdessen tragen Menschen bei der normalen Arbeit Handschuhe mit denselben Sensoren. Das passiert unter anderem in der Lieferkette von Apple. Solche Daten überleben jede kommende Roboter-Generation.

Was hat PaXini mit den Robotern von EngineAI zu tun?

In den Fußsohlen der EngineAI-Roboter steckt ein Sensorfeld von PaXini. Es meldet 150-mal pro Sekunde, wo der Druck unter dem Standbein wandert. Der Roboter misst 1,73 Meter, wiegt 75 Kilogramm und bringt 450 Newtonmeter Spitzen-Drehmoment. Bisher schätzte er den Bodenkontakt nur aus den Drehmomenten seiner Gelenke. Seit April laufen diese Roboter mit Sondereinsatz-Kräften in Shenzhen Streife.

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