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Quantencomputer Deutschland: Jan Leisse über eleQtron

eleQtron ist der erste deutsche Quantencomputer-Hersteller und steuert einzelne Ionen mit Mikrowellen statt Lasern. Im Interview mit Everlast AI erklärt CEO und Mitgründer Jan Henrik Leisse die Technik. Sein Team aus Siegen spielt beim Zukunftsthema Quantencomputer Deutschland ganz vorne mit. Sein Ziel: europäische Souveränität in einer Schlüsseltechnologie.

eleQtron: Ionenfallen als Basis der Maschine

Quantencomputer rechnen mit den Gesetzen der Quantenmechanik. Ein Atom kann zur selben Zeit hier und dort sein. Fachleute nennen diesen Zustand Superposition. Anschaulich zeigt das Schrödingers Katze, gleichzeitig lebendig und tot.

eleQtron fängt einzelne Atome in sogenannten Ionenfallen und rechnet mit ihnen. Das klingt nach Science-Fiction, doch das Prinzip ist Standard seit den 1980er-Jahren. Der Vorteil liegt in der Natur der Atome. Jedes Qubit ist perfekt identisch, ganz ohne Abweichung zwischen den einzelnen Recheneinheiten.

Für Unternehmen ist diese Fehlerfreiheit entscheidend. Wer später verlässliche Rechenergebnisse braucht, profitiert von der physikalischen Präzision. Genau hier setzt der Ansatz aus Siegen an.

Mikrowellen statt Laser: der Skalierungs-Trick

Fast alle Wettbewerber steuern ihre Ionen mit Lasern. eleQtron nutzt stattdessen Mikrowellen. Das ist der zentrale USP des Unternehmens.

Der Clou liegt in den Bauteilen. Die nötige Technik steckt bereits in jedem Smartphone. Das senkt Kosten und zahlt direkt auf die Skalierung größerer Systeme ein. Genau diese Skalierbarkeit entscheidet über den Sprung von der Forschung in die Industrie.

Aktuell arbeitet eleQtron an makroskopischen Ionenfallen. Die nächste Generation bringt viele Komponenten auf einen Chip. Die erste Chip-Maschine lief bereits 2018 am Lehrstuhl. So wächst die Technologie von Generation zu Generation.

Schwarz Gruppe: 57 Millionen für Siegen

eleQtron sammelte 57 Millionen Euro ein, angeführt von der Schwarz Gruppe. Hinter Schwarz stehen Lidl und Kaufland. Ein Lebensmittelriese investiert also in einen Quantencomputer aus Siegen.

Für Leisse zählt mehr als reines Kapital. Er nennt es kein Stupid Money, sondern echte Kompetenz. Schwarz bringt ein riesiges Netzwerk und viele mögliche Anwendungsfälle mit. Der Konzern baut zudem ein Rechenzentrum für 12 bis 13 Milliarden Euro in den neuen Bundesländern.

Der Weg dorthin war ein Staffellauf. Erster Lead-Investor war die Sparkasse Siegerland, danach folgte Early Bird. Ohne öffentliches Geld wäre das kaum möglich gewesen. Seit 2017 fördert der Staat Quantentechnologien. Die Quantum Computing Initiative der DLR betreibt Reinräume in Ulm und Hamburg.

Leisse selbst kommt nicht aus der Physik. Er studierte Ingenieurwesen und BWL an der WHU. Danach arbeitete er als Restrukturierer und sieben Jahre als CEO im Familienunternehmen. Über einen Professor für Entrepreneurship traf er die Physiker Christoph Wunderlich und Michael Johanning. Wer eine solche Strategie im eigenen Betrieb sucht, findet Struktur in einem KI-Strategiegespräch.

Quantenvorteil: Wann der Nutzen greifbar wird

IBM verspricht den praktischen Quantenvorteil noch für dieses Jahr. Leisse bleibt bewusst konservativ. Er rechnet mit einem klaren Nutzen in zwei bis vier Jahren.

Quantencomputer ersetzen dabei keine klassischen Rechner. Sie ergänzen CPU und GPU für bestimmte Aufgaben. Leisse spricht von hybriden Algorithmen. Ein kleiner Teil läuft auf dem Quantencomputer, der Rest klassisch.

Die ersten Anwendungen liegen in Simulation und Optimierung. Ein Beispiel ist die Ampelsteuerung in Großstädten. Auch das Schäumen von Polyurethan, Leisses altes Feld, ist bislang kaum simulierbar. Welche Prozesse sich sonst automatisieren lassen, zeigt die Übersicht der 45 KI-Use-Cases.

Was Quantencomputer Deutschland jetzt braucht

Heute stellt sich nicht mehr die Frage, ob ein Quantencomputer etwas löst. Es geht nur noch um das Wann. Deshalb rät Leisse Unternehmen, sich schon jetzt Quantum-ready zu machen.

Wichtig ist die Kompetenzseite, nicht nur die Sicherheit. Firmen sollten heute prüfen, welche Probleme sie klassisch nicht lösen. Wer erst am Q-Day startet, wird zum Nachzügler.

Es fehlt vor allem an Fachkräften. Heute gibt es Quantenphysiker, aber kaum Quanteningenieure. Universitäten fragen deshalb kleine Standardmaschinen für die Ausbildung an. Bildung wird zur dritten Schlüsselkomponente neben Hardware und Anwendung.

Fazit: Souveränität aus Siegen

eleQtron zeigt, dass Quantencomputer Deutschland kein Nischenthema bleibt. Ionenfallen, Mikrowellen und die Schwarz-Finanzierung bilden ein starkes Fundament. Leisse vergleicht die Technologie mit der Erfindung von Feuer oder Rad.

Für Unternehmen zählt der frühe Einstieg. Wer heute Daten, Kompetenzen und Strukturen aufbaut, sitzt beim praktischen Quantenvorteil in der ersten Reihe. Quantencomputer aus Deutschland könnten so zu echter europäischer Souveränität beitragen.

Häufige Fragen

Was ist eleQtron?

eleQtron ist der erste deutsche Quantencomputer-Hersteller mit Hauptsitz in Siegen. Das Unternehmen baut Rechner auf Basis von Ionenfallen und steuert einzelne Atome mit Mikrowellen. Gegründet wurde es aus einem Physik-Lehrstuhl heraus. Heute arbeiten dort mehr als 100 Mitarbeiter. CEO und Mitgründer ist Jan Henrik Leisse, der aus dem Maschinenbau und der Unternehmenssanierung kommt.

Warum steuert eleQtron mit Mikrowellen statt mit Lasern?

Fast alle Wettbewerber nutzen Laser zur Steuerung ihrer Ionen. eleQtron setzt auf Mikrowellen, denn die nötigen Bauteile stecken bereits in jedem Smartphone. Das senkt die Kosten und erleichtert den Bau größerer Systeme. Der Ansatz zahlt damit direkt auf die Skalierbarkeit ein. Genau diese Skalierung entscheidet über den Weg von der Forschung in die industrielle Nutzung.

Wer investiert in eleQtron?

eleQtron sammelte 57 Millionen Euro in einer Series A ein. Angeführt hat die Runde die Schwarz Gruppe, der Konzern hinter Lidl und Kaufland. Frühere Investoren waren die Sparkasse Siegerland und der Wagniskapitalgeber Early Bird. Zusätzlich floss öffentliches Geld über staatliche Programme für Quantentechnologien. Für Leisse zählt dabei nicht nur Kapital, sondern auch Netzwerk und Kompetenz der Partner.

Wann kommt der praktische Quantenvorteil?

IBM stellt den praktischen Quantenvorteil noch für dieses Jahr in Aussicht. Jan Henrik Leisse gibt sich vorsichtiger und rechnet mit zwei bis vier Jahren. Die ersten Anwendungen sieht er in Simulation und Optimierung. Er erwartet eher kleine, hybride Aufgaben als große Durchbrüche. Ein klassischer Algorithmus übernimmt den Großteil, ein kleiner Teil läuft auf dem Quantencomputer.

Wofür braucht die Industrie Quantencomputer aus Deutschland?

Quantencomputer lösen Probleme, die für klassische Rechner zu komplex sind. Beispiele sind die Ampelsteuerung in Großstädten oder Materialsimulationen. Firmen sollten heute prüfen, welche Aufgaben sie bisher nicht lösen können. Wichtig ist der Aufbau von Daten, Strukturen und Kompetenzen. Wer sich früh mit dem Thema beschäftigt, sitzt beim späteren Durchbruch in der ersten Reihe.

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