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Ivo S.
Ivo S.

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Wenn eine Webseite plötzlich ein ganzes System wird: ein Praxisbericht

Tagsüber Maschinen schrauben, abends die komplette Technik einer Telemedizin-Praxis verantworten. Klingt nach einer Filmidee, ist aber einfach der Alltag von Ivo, dessen Geschichte auf blackforest-webcraft.de ich hier aufgreife, weil sie einen Nerv trifft, den viele Entwickler kennen: den Moment, wo aus "bau mir schnell was" ein echtes System wird.

Schematisches Netzdiagramm: einzelne Website-Seiten und Funktionen laufen zu einem verbundenen System zusammen

Vom Einzelauftrag zum Systemverantwortlichen

Angefangen hat es mit einer einzigen Seite für eine Münchner Praxis. Zeig die Produkte, zeig die Preise, fertig. Das System dahinter war Odoo: für Standardfälle solide, für alles andere eine Geduldsprobe.

Das Tückische an solchen Ausgangssituationen: Am ersten Tag fällt nichts auf. Die Seite läuft, der Kunde ist zufrieden, alle sind happy. Das Problem zeigt sich erst beim ersten Sonderwunsch. Ein Abstand, den das System nicht erlaubt. Eine Funktion, die schlicht nicht vorgesehen ist. Kleinigkeiten, die frei gebaut eine halbe Stunde dauern und im Baukasten einen ganzen Abend fressen.

Irgendwann sitzt du da und fragst dich, ob du einfach zu blöd bist. Meistens ist es das Werkzeug.

Der Kompromiss, der keiner war

Die Lösung war ungewöhnlich: eigenen Code direkt in Odoo einsetzen. Das Backend (Warenwirtschaft, Bestände, die ganze Infrastruktur) blieb, wo es war. Nur die Oberfläche und die Funktionen kamen fortan aus eigenem Code, nicht mehr aus dem, was der Baukasten gerade erlaubte.

War das einfacher? Nein. Aber es verschob die Perspektive. Statt durch Menüs zu klicken und zu hoffen, dass das System mitspielt, konnte strategisch gebaut werden. Nicht was gerade erlaubt ist, sondern was gebraucht wird.

Na ja, klingt nach einem Trick, ist aber eigentlich nur konsequentes Denken. Wenn der Kunde aus gutem Grund beim bestehenden Backend bleiben will, muss man eben einen Weg finden, der beide Welten verbindet. Dieser Kompromiss war am Ende das Entscheidende.

Was Zahlen über Geduld sagen

Aus einer Seite wurden über 15. Dazu kamen Ärzteprofile, Krankheitsbilder, Terminbuchung, Apotheken-Anbindung, alles in einem streng regulierten Umfeld, in das man sich erst einarbeiten musste.

Und die Zahlen? In zwei Monaten stiegen die monatlichen Klicks über Google von 322 auf 594. Die Impressionen (also wie oft die Praxis überhaupt in der Suche auftaucht) von 8.745 auf über 21.000. Ohne bezahlte Werbung.

Aufsteigende Wachstumskurve als Waldwerk-Datenkarte, Sinnbild für die steigenden Google-Klicks

Ehrlich gesagt ist das keine Magie. Saubere Grundlagen, interne Verlinkung, Geduld. SEO passiert nie über Nacht, aber eine solide Basis wächst weiter, auch wenn niemand aktiv dransitzt. Das ist der eigentliche Wert.

Was das für uns als Entwickler bedeutet

Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Sie beschreibt ein Muster, das viele kennen: Ein Projekt beginnt klein, die Anforderungen wachsen, und irgendwann stehst du vor der Frage, ob du weiter gegen das Werkzeug kämpfst oder anfängst, selbst zu bauen.

Baukästen sind nicht per se schlecht. Für einfache Anforderungen sind sie oft die richtige Wahl. Eng wird es, sobald echte Individualität gefragt ist, und dann zahlt man den Preis für die anfängliche Bequemlichkeit mit Stunden an Workarounds.

Eine Webseite, die mitwächst, ist am Ende mehr wert als die günstige Lösung, die beim ersten Sonderwunsch dichtmacht. Das gilt für Praxen in München genauso wie für jeden anderen Betrieb.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht: Projekte, die aus einem kleinen Auftrag zu etwas gewachsen sind, das ihr anfangs nie erwartet hättet? Und wie habt ihr entschieden, wann ihr aufgehört habt, gegen das System zu kämpfen, und angefangen habt, euren eigenen Weg zu gehen?

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