Ich baue Webseiten normalerweise von Grund auf selbst. Dann kam ein Kundenprojekt, das komplett auf einem fertigen Baukasten-System lief. Und plötzlich saß ich drin, statt draufzuschauen. Was ich dabei gelernt habe, hat meine Meinung zu diesen Systemen nicht komplett verändert, aber deutlich differenziert.
Wie man im Baukasten landet, und warum das gar nicht so ungewöhnlich ist
Das Projekt lief auf Odoo, einem Business-System, das von Buchhaltung bis Terminbuchung fast alles abdeckt, inklusive eigenem Website-Baukasten. Der Kunde hatte das System bereits im Einsatz, also gab es keine Wahl: rein da.
Das Prinzip dahinter ist dasselbe wie bei Wix, Jimdo oder dem Homepage-Baukasten deines Hosters: vorgefertigte Bausteine, die man zusammenklickt. Die ersten Tage fand ich es ehrlich gesagt interessant, so ein System mal von innen zu erleben. Dann kam der Frust.
Der Kunde wollte keine Standard-Seite. Er wollte eigene Abläufe, eigene Formulare, Elemente die sich bewegen. Und genau da hat der Baukasten seine andere Seite gezeigt.
Die unsichtbare Decke, gegen die du irgendwann stößt
Solange das, was du willst, als fertiger Baustein existiert, läuft alles glatt. Das ist die echte Stärke dieser Systeme, und die will ich ihnen gar nicht absprechen.
Eng wird es, sobald du etwas willst, das nicht vorgesehen ist. In meinem Fall: Elemente mit eigenem Verhalten auf der Seite, mehrstufige Formulare, individuelle Abläufe. Kein Menüpunkt, kein Regler, nichts. Die einzige Lösung war, eigenen Code irgendwie ins System reinzubringen. Das geht, aber es ist extrem aufwändig. Sachen, die auf einer selbst gebauten Seite in einer halben Stunde erledigt wären, fressen einen ganzen Abend.
Sobald du gegen das System arbeitest statt mit ihm, verlierst du den einzigen Vorteil, den ein Baukasten hat: Geschwindigkeit.
Was ein Baukasten jenseits der Monatsgebühr wirklich kostet
Die monatliche Gebühr ist der kleinste Teil. Die echten Kosten sind versteckt.
Da wäre erstens die Zeit: Jede Sonderlocke dauert ein Vielfaches, egal ob du selbst abends dransitzt oder ein Dienstleister die Stunden abrechnet. Zweitens das Tempo der Seite selbst: Baukasten-Webseiten schleppen technisch viel Ballast mit, weil das System für tausend Anwendungsfälle gebaut ist und deine Seite den Code für alle davon mitlädt. Das schlägt sich direkt auf Ladezeiten und Google-Rankings nieder.
Und drittens, was ich für den unterschätztesten Punkt halte: Du mietest deine Webseite, du besitzt sie nicht. Wix schreibt selbst in seinem Hilfe-Center, dass sich Seiten aus dem Editor nicht exportieren lassen. Willst du irgendwann woanders hin, fängst du bei null an. Das steht in keinem Werbevideo.
Bei einer selbst gebauten Webseite, wie sie etwa blackforest-webcraft.de umsetzt, bekommst du alles: Texte, Bilder, Design, kompletten Code. Kein Vendor-Lock-in, keine Abhängigkeit.
Wann ein Baukasten trotzdem die richtige Wahl ist
Jetzt könnte der Eindruck entstehen, ich will Baukästen komplett madig machen. Das wäre unfair.
Für eine saubere digitale Visitenkarte mit Leistungen, Fotos, Öffnungszeiten und Kontakt ist ein Baukasten ein völlig legitimer Weg. Da muss sich niemand von irgendwem einreden lassen, er brauche mehr.
Kritisch wird es in zwei Fällen: wenn die Webseite aktiv Kunden bringen soll, also bei Google vorne stehen und schnell laden muss, oder wenn individuelle Funktionen gefragt sind, die das Geschäft besonders machen. Trifft beides nicht zu: Baukasten, fertig, gut. Trifft auch nur eines davon zu, lohnt sich der Blick auf eine selbst gebaute Lösung.
Was ich nach diesen Wochen mitnehme
War die Zeit im Baukasten verschwendet? Nein. Ich hab dabei mehr über diese Systeme gelernt als in der ganzen Zeit, in der ich nur von außen draufgeschaut habe.
Aber sie hat mir auch schwarz auf weiß gezeigt, warum ich bei allem, was über eine einfache Seite hinausgeht, von Grund auf selber baue. Nicht aus Prinzip, sondern weil es am Ende schneller geht, sauberer ist, und weil die Webseite dem Kunden wirklich gehört.
Wie seht ihr das? Habt ihr selbst Projekte erlebt, bei denen ein Baukasten irgendwann zur Falle wurde, oder war er genau das Richtige für den Job?

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