Du brauchst eine neue Website — was nimmst du? Freelance-Webdesigner oder Agentur?
Diese Frage höre ich in Stuttgart fast jede Woche. Und die ehrliche Antwort ist: es kommt drauf an. Aber nicht im langweiligen Berater-Sinne, sondern weil beide Modelle echte Stärken und echte Schwächen haben.
Hier eine nüchterne Gegenüberstellung — aus Sicht von jemandem, der beide Seiten kennt.
Was kostet was?
Freelance-Webdesigner (Stuttgart, Mittelfeld):
- Kleine Business-Site (5–8 Seiten): 1.500–3.500 €
- Mit Buchungssystem/Formularen: +500–1.000 €
- Stundensatz Folgearbeiten: 60–95 €
Agentur (klein bis mittel, Stuttgart):
- Kleine Business-Site: 4.000–9.000 €
- Mit Buchungssystem/Formularen: +1.500–3.000 €
- Stundensatz Folgearbeiten: 95–140 €
Großagenturen mit Konzern-Kunden? Da fangen Sites ab 20.000 € an. Für ein Kosmetikstudio, Arztpraxis oder Handwerksbetrieb absolut überdimensioniert.
Was bekommst du für das Geld — wirklich?
Freelancer
- Direkter Kontakt: Du schreibst der Person, die dein Projekt baut. Keine Account-Manager-Kette.
- Schnellere Iteration: Änderungen sind oft in Stunden statt Tagen drin.
- Persönlicher Bezug: Wenn der Freelancer gut ist, kennt er nach 2 Wochen dein Business besser als jede Agentur nach 3 Monaten.
Aber:
- Bus-Faktor 1: Krank, Urlaub, Burnout — Projekt steht.
- Wenige Spezialisten: Ein Mensch ≠ Designer + Frontend + SEO + Texter + Stratege. Etwas wird oft mittelmäßig sein.
- Skalierung schwer: Wenn dein Business wächst und du parallel App + Print + Kampagne brauchst, ist der Freelancer überfordert.
Agentur
- Team-Tiefe: Designer, Entwickler, SEO-Mensch, Projektleitung — alles unter einem Dach.
- Ausfallsicherheit: Wenn einer krank ist, springt jemand ein.
- Prozesse: Briefings, Reviews, QA — meistens strukturierter.
Aber:
- Account-Manager-Filter: Deine Wünsche gehen erst durch Projektleitung, dann zum Designer. Information verfällt.
- Junior-Realität: Wer wirklich baut, ist oft ein Junior. Der Senior ist auf dem Pitch dabei und dann weg.
- Mindest-Margen: Eine Agentur mit Büro/Team/Overhead muss höhere Preise nehmen — selbst wenn dein Projekt klein ist.
Wer passt zu wem?
Nimm einen Freelancer, wenn:
- Du klares Bild von deinem Business hast (du weißt, was du brauchst)
- Es ein abgegrenztes Projekt ist (eine Site, ein Formular, ein Buchungsflow)
- Budget unter 5.000 € liegt
- Du persönlichen Bezug + schnelle Kommunikation magst
Nimm eine kleine Agentur, wenn:
- Du parallel Branding + Site + Marketing + Print brauchst
- Du wenig Zeit hast und jemand der den Hut auf hat
- Du langfristige Betreuung willst (Wartung, Kampagnen, A/B-Tests)
- Budget ab 8.000 € möglich ist
Nimm eine Großagentur, wenn:
- Du Konzern bist oder Investor-Pitch vor dir hast
- Markenführung extrem strategisch ist
- Budget ab 30.000 € da ist
Die unterschätzte dritte Option: Boutique-Studios
Zwischen Freelancer und Agentur gibt's eine Lücke, die viele übersehen — kleine, spezialisierte Studios mit 2–5 Leuten.
Du bekommst:
- Senior-Niveau (keine Junior-Filter)
- Mehr als 1 Person (kein Bus-Faktor 1)
- Persönlichen Bezug (kein Account-Manager-Filter)
- Faire Preise (kein Konzern-Overhead)
Genau in der Lücke arbeitet zum Beispiel meine eigene Agentur acessio in Stuttgart — kleines Team, schnelle Umsetzung, faire Preise für lokale Unternehmen, Ärzte, Studios und Handwerksbetriebe.
Wichtige Fragen — egal wen du nimmst
Bevor du irgendwen beauftragst, frag konkret:
- „Wer baut tatsächlich an meinem Projekt?" (Nicht: wer pitcht.)
- „Wie sieht die Seite in 12 Monaten aus, wenn ich sie nicht selbst pflegen kann?"
- „Was passiert, wenn du krank bist / nicht erreichbar bist?"
- „Zeig mir 3 Sites, die ihr gebaut habt — und welche Ergebnisse die liefern." (Traffic, Leads, Conversions — nicht „die sieht schön aus".)
- „Was kostet eine kleine Änderung in 6 Monaten?" (Stundensatz + Reaktionszeit.)
Mein Fazit
Es gibt keinen Gewinner. Aber es gibt einen Fehler, den ich oft sehe: kleine Unternehmen beauftragen Großagenturen und zahlen 4× zu viel — oder beauftragen den billigsten Freelancer und bekommen eine Site, die nach 6 Monaten nichts mehr taugt.
Die ehrliche Empfehlung: wer ein Business unter 20 Mitarbeitern führt, fährt mit einem guten Freelancer oder einem Boutique-Studio fast immer besser als mit einer großen Agentur. Persönlicher Bezug + schnelle Reaktion + faire Preise schlagen in der Praxis fast jedes Konzern-Konstrukt.
Und wenn du Stuttgart-lokal bist: such jemanden, der deine Branche schon kennt. Der Lerneffekt spart dir am Ende mehr Geld als der niedrigere Stundensatz vom anonymen Anbieter.
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