Thomas Zurbuchen leitete sechs Jahre lang die Forschung der NASA. Im Thomas Zurbuchen Interview bei Everlast AI erklärt der Ex-NASA-Chef, warum Rechenzentren bald im Orbit schweben. Er ordnet das neue Mondrennen zwischen USA und China ein. Und er zeigt, wie KI bereits den Mars-Rover Perseverance steuert.
Zurbuchen verantwortete als Wissenschafts-direktor bis zu 8,6 Milliarden Dollar pro Jahr. Er brachte das James Webb Teleskop ins All und landete den Perseverance Rover auf dem Mars. Seit 2023 leitet er die Space Initiative an der ETH Zürich. Dieses Gespräch liefert Einblicke, die weit über den üblichen Diskurs hinausgehen.
Das neue Mondrennen: Thomas Zurbuchen über USA vs. China
Artemis 2 soll der erste bemannte Mondflug seit 50 Jahren werden. China plant eine Landung mit Crew vor 2030. Allein 2026 versuchen vier private Firmen eine Mondlandung. Jeff Bezos' Blue Origin gehört dazu.
Zurbuchen sieht drei Treiber hinter dem Wettlauf: Nationalstolz, Forschung und wirtschaftliche Hoffnung. Der Mond birgt seltene Erden für die Elektronik-branche. An der Oberfläche lagert Helium-3 aus dem Sonnenwind. Dieses Isotop brauchen Quanten-computer und Fusions-reaktoren.
Unter der Oberfläche vermuten Forscher zudem Wasser. Es könnte als Treibstoff dienen und Mars-Missionen vom Mond aus starten. Der Start vom Mond braucht deutlich weniger Energie als von der Erde. Keine Atmosphäre, schwächere Gravitation. Doch Zurbuchen warnt: Niemand weiß, in welcher Form das Wasser im Regolith vorliegt.
Kernreaktoren auf dem Mond: Zurbuchen erklärt die Physik
Die NASA entwickelt gemeinsam mit dem US-Energie-ministerium Kernreaktoren für den Mond. Bis 2030 sollen sie startbereit sein. Eine Executive Order des Weißen Hauses fordert dies explizit.
In den Polar-regionen des Mondes kreist die Sonne flach über dem Horizont. Berge blockieren das Licht oft stundenlang. Ohne Atmosphäre fällt die Temperatur dann um über 150 Grad Celsius. Jede Elektronik geht bei dieser Kälte kaputt. Nuklear-reaktoren liefern gleichzeitig Wärme und Strom.
Elon Musk sieht in den eiskalten Kratern den idealen Standort für Quanten-computer. Die Begründung: Quanten-systeme brauchen Vakuum und extreme Kälte. Beides liefert der Mond gratis. Zurbuchen hält die Idee für logisch. Entscheidend sei aber, dass die Technik zuerst auf der Erde funktioniere.
Rechenzentren im Orbit: Google, SpaceX und die Kühlfrage
Google forscht mit Project Suncatcher an TPUs im Orbit. OpenAI arbeitet ebenfalls an orbitalen Systemen. SpaceX bringt die meiste Erfahrung mit: Tausende Satelliten, gebaut zu niedrigen Kosten. Drei Argumente treiben die Entwicklung.
Erstens: Jedes neue Rechenzentrum auf der Erde braucht ein eigenes Kraftwerk. Bereits heute fließen fast 10 Prozent der Energie weltweit in Rechen-leistung. Zweitens: Das Militär braucht Kapazität direkt im Orbit für schnelle Entscheidungen. Drittens: Daten im All sind physisch isoliert und damit sicherer als in jedem Netzwerk. Diesen Aspekt der KI-Infrastruktur der Zukunft beleuchten auch neue Hardware-Konzepte wie photonische Chips.
Kritiker wie Jensen Huang bezweifeln die Ökonomie. Das größte Problem: die Kühlung. Zurbuchen kennt die Physik dahinter genau. Die Stefan-Boltzmann-Gleichung bestimmt die Abstrahlung. Im Vakuum funktioniert nur Strahlung, keine Konvektion. Heutige Chips laufen im Orbit daher bei einem Bruchteil ihrer Erd-Leistung.
Doch Zurbuchen sieht das pragmatisch. Der erste Schritt sei ein System mit nur 1 Prozent der Erd-Leistung. Daraus lerne die Branche. Neue Materialien und Kühl-technologie würden folgen. In 10 bis 20 Jahren könnten orbitale Rechenzentren wettbewerbs-fähig arbeiten.
KI auf dem Mars: Wie der Perseverance Rover autonom fährt
Im Dezember 2025 absolvierte der Perseverance Rover seine ersten KI-geplanten Fahrten auf dem Mars. Anthropic bestätigte den Einsatz von Claude-Modellen. Der Rover plant Routen jetzt teilweise autonom. Das Ziel: zehnmal schnellere Erkundung der Oberfläche.
Drei Probleme löst KI dabei besonders gut. Sie erkennt gefährliche Sandbänke, in denen Rover stecken bleiben. Ein früherer Mars-Rover ging genau so verloren. KI identifiziert außerdem Steine, die nicht vom Mars stammen. Und sie durchsucht Millionen Datenpunkte in Sekunden statt Wochen.
Zurbuchen betont im Interview: Im Weltraum gibt es keine zweite Chance. Geht ein Rover kaputt, bleibt er kaputt. Deshalb testet die NASA neue KI zuerst im 'Marsyard' auf der Erde. An der ETH Zürich entwickelt Zurbuchen zudem den Moonwalker. Dieser vierbeinige Laufroboter soll vulkanische Höhlen auf dem Mond erforschen, die kein Rad-Rover erreicht. Der Ansatz erinnert an die Fortschritte bei humanoiden Robotern auf der Erde.
Europas Raumfahrt-Chance: Diese Firmen nennt der Ex-NASA-Chef
Zurbuchen sieht großes Potenzial in Europa. Einige der wichtigsten Denker bei SpaceX kamen vom Kontinent. Hans Königsmann, ein deutscher Ingenieur, prägte das Unternehmen mit. Jetzt entstehen eigene europäische Raketen-firmen.
ISAR Aerospace aus Deutschland gehört zu den Vorreitern. Die Exploration Company baut an Europas Zukunft im All. Aus Belgien kommt Aerospace Lab. Die Schweizer Firma Swest 12 ergänzt das Feld. Zurbuchen beobachtet weitere junge Firmen, die noch kaum bekannt sind.
Sein Appell: Europa müsse Hindernisse für diese Start-ups beseitigen. Amerika sei bei der Förderung oft proaktiver. Zurbuchen führt diese Gespräche inzwischen auf Regierungs-ebene. Sein Ziel: ein europäisches Gegengewicht zu SpaceX und Blue Origin.
Fazit: Thomas Zurbuchen Interview zur Zukunft der Berechnung
Das Thomas Zurbuchen Interview zeigt: Die Grenzen zwischen KI, Raumfahrt und Energiepolitik lösen sich auf. Rechenzentren wandern in den Orbit. Kernreaktoren sollen den Mond mit Strom versorgen. KI steuert Rover auf fremden Planeten. Europa hat die Chance, beim neuen Weltraum-wettlauf mitzuspielen.
Zurbuchen formuliert eine klare Vision: Fabriken und Rechen-leistung gehören weg von der Erde. Der Planet soll natürlicher werden, nicht industrieller. Die Frage sei nicht ob, sondern wie schnell die nötige Technik reift. Das vollständige Thomas Zurbuchen Interview zeigt die Dringlichkeit dieser Verschiebung.
Top comments (0)