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James Thomas
James Thomas

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Warum Ziele wichtiger sind als noch mehr Arbeitszeit Und warum wir einen mentalen Wechsel brauchen

Zum Jahresende stellt sich für viele Fach- und Führungskräfte eine unbequeme Frage: Habe ich genug getan?

Trotz voller Kalender, langer Arbeitstage und permanenter digitaler Erreichbarkeit bleibt oft das Gefühl, dass es „noch nicht reicht“.

Dieses Empfinden ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Phänomen moderner Wissensarbeit. Es betrifft längst nicht mehr einzelne Berufsgruppen, sondern nahezu alle Tätigkeiten, bei denen Denken, Koordination und Kommunikation im Mittelpunkt stehen.

Eine Studie der AKAD University aus dem Jahr 2022 bringt diese Wahrnehmung auf den Punkt: Rund 75 % der Befragten gaben an, häufig das Gefühl zu haben, viel gearbeitet zu haben – und dennoch nicht genug geschafft zu haben. Diese Diskrepanz zwischen objektivem Einsatz und subjektiver Bewertung ist ein zentraler Treiber für Demotivation, mentale Erschöpfung und schleichenden Sinnverlust.

Der Jahreswechsel ist traditionell ein Moment der Bilanz. Doch gerade diese Bilanz fällt oft negativ aus, obwohl die Fakten eine andere Sprache sprechen.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob wir genug arbeiten – sondern ob wir das Richtige messen, wahrnehmen und bewerten.


Mehr Arbeit löst kein Orientierungsproblem

Ein gedankliches Experiment verdeutlicht das Dilemma:

Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich klonen. Ihr Klon übernimmt sämtliche operativen Aufgaben, Termine, E-Mails und Projekte. Sie selbst hätten plötzlich Zeit für all das, was sonst „liegen bleibt“: Strategie, Weiterbildung, Struktur, Reflexion.

Was würde passieren? Die Erfahrung zeigt: Beide wären schnell ausgelastet.

Nicht, weil Sie ineffizient sind, sondern weil Wissensarbeit kein natürliches Ende kennt. Sie wächst mit Möglichkeiten, Erwartungen und eigenen Ansprüchen.

Im Gegensatz zu handwerklichen Tätigkeiten gibt es selten einen klaren Abschluss. E-Mails erzeugen neue E-Mails. Projekte erzeugen Folgeprojekte. Entscheidungen schaffen neue Entscheidungsbedarfe. „Fertig“ ist meist nur ein temporärer Zustand.

Der zentrale Denkfehler moderner Arbeitsorganisation liegt darin, ein Orientierungsproblem mit mehr Geschwindigkeit lösen zu wollen. Das Ergebnis gleicht einem Hamsterrad: Man läuft schneller, aber nicht sinnvoller.


Zeit ist begrenzt – Richtung entscheidet

Wenn Zeit eine begrenzte Ressource ist, wird nicht die Menge der investierten Stunden entscheidend, sondern deren Ausrichtung. Erfolg entsteht nicht durch möglichst viele Tätigkeiten, sondern durch bewusste Auswahl. Nicht durch Aktivität, sondern durch Priorität.

Moderne Arbeitsumgebungen belohnen Sichtbarkeit, Reaktionsgeschwindigkeit und permanente Verfügbarkeit. Tiefe Arbeit, bewusste Pausen und strategischer Fokus sind dagegen schwer messbar und werden selten gefördert.

Der Jahreswechsel bietet daher einen idealen Anlass für einen Perspektivwechsel. Die zentrale Frage lautet nicht:

Wie kann ich noch mehr leisten?

Sondern: Welche Tätigkeiten bringen mich tatsächlich näher an meine Ziele – beruflich wie persönlich?

Diese Frage zwingt zur Reduktion. Sie verlangt, bewusst Dinge liegen zu lassen. Genau darin zeigt sich Professionalität: nicht in maximaler Auslastung, sondern in klarer Priorisierung.


Das Wahrnehmungsproblem digitaler Arbeit

Ein zusätzlicher Faktor verstärkt das Gefühl permanenter Unzufriedenheit: Digitale Arbeit ist unsichtbar.

In der analogen Welt war Fortschritt physisch erfahrbar. Aktenstapel wanderten sichtbar, Ordner wurden geschlossen, Vorgänge abgelegt.

Heute verschwinden E-Mails aus dem Posteingang, Tickets wechseln Status, Dateien werden gespeichert. Vieles ist erledigt – aber nichts fühlt sich „abgearbeitet“ an. Das Gehirn registriert Belastung, aber keinen Abschluss.

Diese Unsichtbarkeit führt dazu, dass selbst produktive Tage subjektiv als unbefriedigend wahrgenommen werden. Es fehlt das Gefühl von Bewegung, Abschluss und Fortschritt.


Transparenz als Grundlage für Motivation

Motivation entsteht nicht allein aus Zielen, sondern aus der Verbindung von Ziel und wahrgenommenem Fortschritt. Wer nicht sieht, was er leistet, unterschätzt systematisch den eigenen Beitrag.

Transparenz ist daher kein Kontrollinstrument, sondern eine Voraussetzung für Selbstwirksamkeit. Sie ermöglicht Einordnung, Reflexion und bewusste Steuerung. Ohne Transparenz entsteht leicht der Eindruck, nur zu reagieren statt zu gestalten.

Genau hier setzt der Gedanke der haptischen Zeiterfassung an – nicht zur Leistungsüberwachung, sondern zur Selbstwahrnehmung.


Der haptische Ansatz von TimeSpin

TimeSpin verfolgt bewusst einen anderen Ansatz als klassische digitale Zeiterfassungssysteme. Im Mittelpunkt steht ein physischer Dodekaeder-Würfel, dessen Seiten individuell mit Tätigkeiten oder Projekten belegt werden.

Der Wechsel zwischen Aufgaben erfolgt nicht über Menüs oder Apps, sondern durch eine einfache Drehbewegung. Diese Handlung markiert bewusst den Übergang zwischen Tätigkeiten. Sie schafft Klarheit, wo digitale Systeme oft Reibung erzeugen.

Die Zeiten werden automatisch erfasst und später synchronisiert. Die Technik bleibt im Hintergrund, die Handlung bleibt einfach.


Sichtbarkeit schafft Klarheit – auch rückblickend

Besonders im Wochen- oder Monatsrückblick entfaltet dieser Ansatz seine Wirkung. Die Auswertungen zeigen nicht nur Zeitmengen, sondern Arbeitsrealität: Projektarbeit, Kommunikation, Analyse, Koordination, kreative Phasen.

Viele Nutzer berichten, dass ihnen erst dadurch bewusst wird, wie substanziell ihre Arbeit tatsächlich ist. Was zuvor als „nur Kleinkram“ erschien, wird als strukturierter Beitrag sichtbar.

Diese Transparenz ersetzt im digitalen Raum das, was früher Papierstapel intuitiv vermittelten: Fortschritt durch Sichtbarkeit.


Ziele sichtbar machen – nicht nur messen

Ziele verlieren ihre Wirkung, wenn sie abstrakt bleiben. Sie entfalten Motivation erst dann, wenn Fortschritt erkennbar wird. Zeiterfassung wird damit kein Selbstzweck, sondern ein Reflexionsinstrument.

Der Wechsel, den unsere Arbeitswelt braucht, ist weniger technologisch als mental: weg vom reinen Leistungsdenken, hin zu bewusster Ausrichtung. Weg vom Gefühl permanenter Unzulänglichkeit, hin zu realistischer Selbstwahrnehmung.

TimeSpin versteht sich dabei nicht als Tool zur Leistungssteigerung, sondern als Instrument zur Fokussierung. Es macht Arbeit sichtbar – für Organisation, Abrechnung und vor allem für die eigene Motivation.

Denn am Ende entscheidet nicht, wie viel wir tun.

Sondern ob wir erkennen, was wir tun – und warum.

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