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Hugh Foreman
Hugh Foreman

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Wenn alles dringend ist, ist nichts mehr wichtig: Warum Führungskräfte Zeit und Tätigkeiten sichtbar machen müssen

Produktivität entsteht nicht durch permanenten Zeitdruck, sondern durch die bewusste Entscheidung, wofür die verfügbare Zeit eingesetzt wird

„ASAP“, „so schnell wie möglich“, „hat höchste Priorität“ oder „wir brauchen das eigentlich schon gestern“: Solche Formulierungen gehören inzwischen zum normalen Sprachgebrauch vieler Unternehmen.

Sie vermitteln Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit. Aus Sicht einer Führungskraft können sie sogar beruhigend wirken. Eine Aufgabe wird weitergegeben, mit einer Deadline versehen und scheint damit zunächst organisiert zu sein.

Das Problem beginnt dort, wo aus echten Ausnahmen ein permanenter Arbeitsmodus wird.

Ein aktueller Beitrag des SPIEGEL greift genau dieses Phänomen auf und stellt die Frage, wie Beschäftigte falsche Dringlichkeit hinterfragen und sich gegen nicht nachvollziehbare Deadlines wehren können.

Die zentrale Botschaft ist bemerkenswert: Ständige Dringlichkeit klingt zwar nach Effizienz, kann aber gerade das Gegenteil bewirken und zu schlechteren Ergebnissen führen.

Aus Führungssicht reicht es allerdings nicht, den Mitarbeitenden zu empfehlen, sich gegen unnötige Deadlines zu wehren.

Das eigentliche Problem liegt tiefer.

Führungskräfte müssen wissen, welche Tätigkeiten tatsächlich Zeit verbrauchen, wie sich Prioritätsentscheidungen auf laufende Projekte auswirken und ob das subjektive Gefühl von Belastung mit der tatsächlichen Tätigkeitsverteilung übereinstimmt.

Damit wird die Erfassung von Tätigkeiten zu einem Managementinstrument.

Nicht als Instrument zur Kontrolle von Menschen, sondern als Grundlage dafür, Arbeit überhaupt objektiv beurteilen zu können.

Die gefährliche Verwechslung von Dringlichkeit und Bedeutung

Eine Deadline ist zunächst nichts Negatives.

Projekte benötigen Termine. Kunden erwarten Ergebnisse. Verträge enthalten Fristen. Angebote müssen abgegeben, Systeme ausgeliefert und gesetzliche Vorgaben eingehalten werden.

Problematisch wird es, wenn die zeitliche Nähe einer Aufgabe automatisch mit ihrer geschäftlichen Bedeutung gleichgesetzt wird.

Dieses Verhalten ist sogar wissenschaftlich beschrieben. Forschende um Meng Zhu bezeichneten es als „Mere Urgency Effect“.

In mehreren Experimenten zeigte sich, dass Menschen dazu tendieren, dringende Aufgaben gegenüber wichtigeren Aufgaben zu bevorzugen, selbst wenn die vermeintlich dringenden Aufgaben objektiv einen geringeren Nutzen besitzen.

Allein eine zeitliche Begrenzung kann unsere Aufmerksamkeit so stark beeinflussen, dass wir den eigentlichen Wert einer Aufgabe aus dem Blick verlieren.

Für Unternehmen ist dieser Effekt ausgesprochen relevant.

Ein wichtiger konzeptioneller Entwurf für einen strategisch bedeutsamen Kunden kann zwei Wochen Zeit haben.

Gleichzeitig erreicht einen Mitarbeiter eine E-Mail mit der Bitte, eine vergleichsweise unbedeutende Auswertung „bis heute Nachmittag“ zu erstellen.

Psychologisch besitzt die zweite Aufgabe plötzlich die größere Präsenz.

Wird nicht bewusst priorisiert, gewinnt die Deadline gegen die Bedeutung.

Genau hier beginnt Führungsverantwortung.

Führung bedeutet auch, Dringlichkeit zu filtern

Eine Führungskraft sollte den Druck einer Organisation nicht lediglich weiterleiten.

Sie muss ihn bewerten.

Wenn eine Geschäftsführung eine Anfrage an einen Bereichsleiter weitergibt, dieser sie mit „dringend“ an einen Teamleiter übermittelt und der Teamleiter daraus eine sofortige Aufgabe für einen Mitarbeiter macht, kann aus einer ursprünglich relativ normalen Anfrage innerhalb weniger Minuten eine vermeintliche Krise entstehen.

Niemand hat mehr gefragt, weshalb das Ergebnis eigentlich heute benötigt wird.

Für mich gehört deshalb zu professioneller Führung immer auch die Frage:

Was passiert tatsächlich, wenn diese Aufgabe morgen, nächste Woche oder zum regulär geplanten Termin erledigt wird?

Die Antwort darauf ist häufig überraschend.

Bei einer gesetzlichen Frist kann die Konsequenz erheblich sein. Bei einem Produktionsausfall ebenfalls.

Wenn ein wichtiger Kunde auf ein Angebot wartet, kann Geschwindigkeit einen Wettbewerbsvorteil darstellen.

Bei zahlreichen internen Anfragen lautet die ehrliche Antwort dagegen: praktisch nichts.

Die Deadline existiert, weil jemand einen Termin genannt hat. Der Termin wird weitergegeben, erhält dadurch scheinbare Legitimität und verdrängt anschließend andere Arbeiten.

Eine gute Führungskraft muss diesen Mechanismus unterbrechen.

Das unsichtbare Problem: Jede neue Priorität verdrängt eine alte

Im Projektgeschäft besitzt Zeit eine besondere Eigenschaft: Sie lässt sich nicht parallel mehrfach vergeben.

Wenn ein Entwickler für vier Stunden eine dringende Sonderauswertung erstellt, fehlen diese vier Stunden an anderer Stelle.

Wenn eine Rechtsanwältin kurzfristig einen internen Bericht erstellt, bearbeitet sie in diesem Zeitraum kein Mandat.

Wenn ein Konstrukteur an einer spontanen Präsentation arbeitet, entwickelt er nicht am Kundenprojekt weiter.

Trotzdem werden neue Aufgaben häufig behandelt, als würden sie zusätzlich zur bereits vorhandenen Kapazität entstehen.

Die richtige Führungsfrage lautet daher nicht:

„Kannst du das heute noch erledigen?“

Sie lautet:

„Welche andere Aufgabe verschieben wir, damit diese Aufgabe heute erledigt werden kann?“

Dieser kleine Unterschied verändert Führung grundlegend.

Eine neue Priorität bekommt damit einen Preis.

Und genau diesen Preis können Führungskräfte nur beurteilen, wenn sie wissen, womit die vorhandene Zeit tatsächlich belegt ist.

Ein voller Arbeitstag sagt wenig über Produktivität aus

Viele Unternehmen verfügen inzwischen über hervorragende Projektmanagementsysteme.

Sie kennen Tickets, Aufgaben, Meilensteine, Budgets, Verantwortlichkeiten und Termine.

Was häufig fehlt, ist die Verbindung zwischen diesen Strukturen und der tatsächlich eingesetzten Arbeitszeit.

Ein Projekt kann laut Projektplan zu 80 Prozent abgeschlossen sein und trotzdem wirtschaftlich bereits aus dem Ruder laufen.

Umgekehrt kann ein Projekt terminlich hinter dem ursprünglichen Plan liegen, obwohl das Team hochproduktiv arbeitet, weil ungeplante Kundenanforderungen oder interne Sonderaufgaben einen erheblichen Teil der Kapazität beansprucht haben.

Ohne eine Tätigkeitsdimension sehen Führungskräfte vor allem Ergebnisse.

Sie sehen jedoch nicht immer, wie die verfügbare Kapazität verwendet wurde, um zu diesen Ergebnissen zu gelangen.

Gerade bei Wissensarbeit ist das entscheidend.

Microsoft beschreibt in seinem Work Trend Index eine Arbeitswelt mit einer außerordentlich hohen Zahl digitaler Unterbrechungen.

In einer Auswertung berichtete Microsoft, dass Beschäftigte in besonders kommunikationsintensiven Arbeitsumgebungen im Durchschnitt sehr häufig durch Besprechungen, E-Mails oder Nachrichten unterbrochen werden.

Gleichzeitig berichtete bereits eine frühere Untersuchung, dass 68 Prozent der Befragten während des Arbeitstages nicht ausreichend ununterbrochene Fokuszeit zur Verfügung hätten.

Eine Organisation kann deshalb auf den ersten Blick extrem aktiv wirken und gleichzeitig erstaunlich wenig konzentrierte Wertschöpfung erzeugen.

Kontextwechsel sind keine kostenlose Ressource

Besonders problematisch wird permanente Dringlichkeit, wenn sie zu häufigen Aufgabenwechseln führt.

Ein Mitarbeiter entwickelt konzentriert an einem Projekt.

Eine Nachricht erscheint.

Ein angeblich dringendes Problem muss geklärt werden.

Danach folgt ein Telefonat.

Anschließend kehrt der Mitarbeiter zu seinem ursprünglichen Projekt zurück.

Auf einer klassischen Zeiterfassung könnten beispielsweise 30 Minuten für die Unterbrechung erscheinen.

Die tatsächliche organisatorische Wirkung kann größer sein.

Forschung zum sogenannten „Attention Residue“ zeigt, dass unsere Aufmerksamkeit beim Wechsel von einer Aufgabe zur nächsten nicht zwangsläufig vollständig mitwechselt.

Teile unserer Gedanken bleiben zunächst bei der vorherigen Aufgabe. Dadurch kann die Leistung bei der neuen Aufgabe beeinträchtigt werden.

Deshalb ist die Betrachtung von Tätigkeiten wesentlich aussagekräftiger als die reine Betrachtung von Anwesenheitszeit.

Für mich als Führungskraft ist es nicht entscheidend zu wissen, dass jemand acht Stunden gearbeitet hat.

Ich möchte wissen, ob diese acht Stunden beispielsweise aus sechs Stunden konzentrierter Projektarbeit, einer Stunde Kommunikation und einer Stunde Administration bestanden haben – oder aus zwanzig kleinen Tätigkeitsblöcken zwischen fünf verschiedenen Projekten, internen Anfragen, E-Mails und Meetings.

Formal können beide Arbeitstage acht Stunden umfassen.

Organisatorisch sind es vollkommen unterschiedliche Arbeitstage.

Unsere eigene Wahrnehmung von Zeit ist überraschend unzuverlässig

Hinzu kommt ein zweites Problem: Menschen können ihren eigenen Zeitaufwand nicht immer zuverlässig einschätzen.

Das ist keine Frage mangelnder Kompetenz. Es handelt sich um ein bekanntes psychologisches Phänomen.

Die American Psychological Association beschreibt die sogenannte Planning Fallacy als die Tendenz, den Zeitaufwand für zukünftige Aufgaben zu unterschätzen, unter anderem weil wir bei unserer Einschätzung von zu optimistischen Abläufen ausgehen.

Aus Führungsperspektive ist das hoch relevant.

Ein Mitarbeiter kann völlig überzeugt sagen:

„Diese Abstimmungen kosten mich kaum Zeit.“

Eine Tätigkeitsanalyse kann zeigen, dass über die Woche mehrere Stunden dafür aufgewendet wurden.

Ein Projektleiter kann glauben:

„Der Kunde verursacht nur gelegentlich Rückfragen.“

Über vier Wochen betrachtet können daraus erhebliche Zusatzaufwände entstehen.

Eine Führungskraft wiederum kann überzeugt sein:

„Mein Team beschäftigt sich fast ausschließlich mit unseren strategischen Projekten.“

Eine Analyse der Tätigkeiten kann zeigen, dass Administration, interne Abstimmungen, Support und kurzfristige Sonderaufgaben inzwischen einen erheblichen Teil der verfügbaren Kapazität verbrauchen.

Keine dieser Personen muss bewusst falsch liegen.

Die Wahrnehmung kann schlicht falsch sein.

Und genau deshalb ist die strukturierte Erfassung von Tätigkeiten so wertvoll.

Tätigkeitszeiterfassung ist zunächst ein Spiegel für den Mitarbeiter

Häufig wird Zeiterfassung ausschließlich aus Sicht des Unternehmens betrachtet.

Das Unternehmen möchte Projektkosten bestimmen, Leistungen abrechnen oder Arbeitszeiten dokumentieren.

Dabei wird ein wesentlicher Nutzen unterschätzt:

Die erfassten Tätigkeiten liefern dem Mitarbeiter eine objektivere Sicht auf den eigenen Arbeitsalltag.

Das kann ausgesprochen wertvoll sein.

Wer am Freitag auf seine Woche zurückblickt und lediglich das Gefühl hat, permanent beschäftigt gewesen zu sein, hat daraus noch wenig gelernt.

Wer dagegen sieht, dass beispielsweise 35 Prozent seiner Zeit für Kundenprojekte, 20 Prozent für Meetings, 15 Prozent für interne Abstimmungen, 15 Prozent für Support und weitere 15 Prozent für administrative Tätigkeiten eingesetzt wurden, besitzt eine vollkommen andere Grundlage für die eigene Reflexion.

Dann können konkrete Fragen gestellt werden:

  • Entspricht diese Verteilung meinen eigentlichen Aufgaben?
  • Habe ich meine Zeit für die Themen verwendet, für die ich Verantwortung trage?
  • Welche Tätigkeiten haben deutlich länger gedauert als erwartet?
  • Welche Aufgaben haben mich immer wieder aus konzentrierter Arbeit herausgerissen?
  • Welche vermeintlich dringenden Aufgaben waren rückblickend tatsächlich wichtig?
  • Wo habe ich möglicherweise selbst Dringlichkeit erzeugt, obwohl sie gar nicht notwendig gewesen wäre?

Damit wird Tätigkeitszeiterfassung zu einem Instrument des persönlichen Zeitmanagements.

Für Führungskräfte entsteht eine zweite Perspektive

Die gleiche Information besitzt auf Führungsebene eine andere Funktion.

Hier geht es weniger um den einzelnen Arbeitstag als um Muster.

Wenn beispielsweise ein Projekt regelmäßig deutlich mehr Zeit benötigt als geplant, kann die Ursache in einer falschen Kalkulation liegen.

Sie kann aber ebenso in veränderten Anforderungen, einer zu hohen Zahl von Abstimmungen, technischen Problemen oder einer erheblichen Zahl ungeplanter Zusatzleistungen liegen.

Ohne Tätigkeitsdaten bleiben viele dieser Diskussionen subjektiv.

Der Projektleiter sagt, der Kunde verursache außergewöhnlich viel Aufwand.

Der Vertrieb sagt, der Auftrag sei korrekt kalkuliert worden.

Der Mitarbeiter sagt, dass er ständig mit Rückfragen beschäftigt sei.

Die Geschäftsführung sieht lediglich, dass das Projektbudget überschritten wird.

Erst die strukturierte Betrachtung der tatsächlich aufgewendeten Tätigkeiten schafft eine gemeinsame Datenbasis.

Gerade bei Projektgeschäft wird Zeit zur wirtschaftlichen Größe

Für projektorientierte Unternehmen ist dieser Punkt noch wichtiger.

Projektcontrolling sollte nicht erst stattfinden, wenn eine Rechnung geschrieben oder ein Projekt abgeschlossen wird.

Führungskräfte müssen möglichst früh erkennen, ob sich tatsächlicher Aufwand und kalkulierter Aufwand auseinanderentwickeln.

Dazu genügt es nicht, den Gesamtzeitaufwand zu kennen.

Entscheidend ist die Struktur.

Wenn beispielsweise 120 Stunden für ein Projekt kalkuliert wurden und bereits nach der Hälfte der Projektlaufzeit 80 Stunden verbraucht sind, ist das zunächst ein Warnsignal.

Noch wertvoller wird die Information, wenn sichtbar ist, warum diese Stunden entstanden sind.

  • Wurden mehr Entwicklungsstunden benötigt?
  • Gab es unerwartet viele Kundenabstimmungen?
  • Wurden Leistungen erbracht, die ursprünglich gar nicht Bestandteil des Auftrags waren?
  • Sind interne Qualitätsprozesse aufwendiger als angenommen?
  • Oder wird das Projekt immer wieder durch dringende Aufgaben anderer Projekte unterbrochen?

Erst dann kann Führung eingreifen.

Zeiterfassung darf nicht mit Mitarbeiterüberwachung verwechselt werden

An diesem Punkt ist allerdings eine klare Grenze notwendig.

Eine gute Tätigkeitszeiterfassung darf nicht zu einem System werden, mit dem jede Minute eines Mitarbeiters bewertet wird.

Die falsche Frage wäre:

„Warum hat Mitarbeiter A für diese Aufgabe 43 Minuten gebraucht, Mitarbeiter B aber nur 31 Minuten?“

Eine solche Betrachtung würde schnell eine Kontrollkultur erzeugen, die den eigentlichen Nutzen der Daten zerstört.

Komplexität, Erfahrung, Arbeitsqualität, Kundenanforderungen und unterschiedliche Lösungswege lassen sich nicht auf Minutenwerte reduzieren.

Viel sinnvoller sind Fragen wie:

Warum benötigen wir für diese Tätigkeitsart inzwischen insgesamt 25 Prozent mehr Zeit als vor sechs Monaten?

Oder:

Warum steigt der Anteil ungeplanter Aufgaben in diesem Team kontinuierlich?

Oder:

Warum können die für ein strategisches Projekt vorgesehenen Kapazitäten seit vier Wochen nicht erreicht werden?

Tätigkeitsdaten sollten deshalb primär Prozesse erklären und nicht Menschen bewerten.

Das ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten Voraussetzungen für Akzeptanz.

Haptische Zeiterfassung kann die Hürde erheblich reduzieren

Eine praktische Herausforderung bleibt dennoch bestehen:

Je aufwendiger die Erfassung ist, desto schlechter funktioniert sie im Arbeitsalltag.

Wenn ein Mitarbeiter jedes Mal ein Programm öffnen, ein Projekt suchen, eine Tätigkeit auswählen und einen Timer starten muss, entsteht ein zusätzlicher administrativer Prozess.

Gerade bei häufigen Aufgabenwechseln wird dieser Prozess schnell als störend empfunden.

Genau an dieser Stelle verfolgt TimeSpin einen haptischen Ansatz.

Der TimeSpin-Dodekaeder wird individuell mit Tätigkeits- oder Aktivitätsaufklebern konfiguriert.

Die verschiedenen Seiten des Würfels können beispielsweise Kundenprojekten, internen Projekten, Administration, Meetings, Support oder anderen relevanten Tätigkeiten zugeordnet werden.

Wechselt die Tätigkeit, wird der Würfel einfach auf die entsprechende Seite gedreht.

Die Zeiterfassung folgt damit unmittelbar der tatsächlichen Handlung.

Die Daten werden automatisch synchronisiert und können anschließend ausgewertet werden.

Gerade dieser haptische Vorgang besitzt aus meiner Sicht einen zusätzlichen Effekt:

Der Tätigkeitswechsel wird bewusst.

Wer den Würfel von „Projektentwicklung“ auf „E-Mail/Administration“ dreht, registriert unmittelbar, dass gerade ein Kontextwechsel stattfindet.

Damit unterstützt die Technik nicht nur das spätere Controlling. Sie kann bereits während des Arbeitstages zur Selbstreflexion beitragen.

Der Wochenrückblick ist wichtiger als die einzelne Minute

Besonders interessant wird eine solche Erfassung aus meiner Sicht im Wochen- oder Monatsvergleich.

Nicht jede einzelne Abweichung ist relevant.

Muster sind relevant.

Ein Mitarbeiter stellt beispielsweise nach vier Wochen fest, dass er durchschnittlich zwölf Stunden pro Woche in internen Meetings verbringt.

Ein Team erkennt, dass fast ein Viertel seiner verfügbaren Projektkapazität durch kurzfristige Supportanfragen gebunden wird.

Eine Führungskraft sieht, dass ein bestimmtes Projekt zwar planmäßig läuft, aber deutlich mehr Abstimmungsaufwand erzeugt als kalkuliert.

Ein Geschäftsführer erkennt, dass strategische Themen regelmäßig von vermeintlich dringenden operativen Aufgaben verdrängt werden.

Damit verändert sich die Diskussion.

Statt:

„Wir haben zu wenig Zeit“

kann die Frage lauten:

„Wofür verwenden wir unsere Zeit?“

Das ist aus Führungsperspektive eine wesentlich bessere Frage.

Aus Zeitdaten können bessere Projektplanungen entstehen

Die Erfassung tatsächlicher Tätigkeiten hat außerdem einen langfristigen Vorteil.

Sie verbessert die Planung zukünftiger Projekte.

Wenn historische Daten zeigen, dass eine bestimmte Projektphase regelmäßig 30 Stunden benötigt, obwohl sie in Angeboten immer mit 20 Stunden kalkuliert wird, sollte nicht jedes neue Projekt erneut mit 20 Stunden geplant werden.

Gerade hier kann Tätigkeitszeiterfassung helfen, die psychologisch bekannte Planning Fallacy zu korrigieren.

Wir müssen weniger schätzen und können stärker auf Erfahrungswerte zurückgreifen.

In der Projektmanagementforschung wird seit Langem darauf hingewiesen, dass unter anderem Optimismus, Selbstüberschätzung und die Planning Fallacy zu systematischen Fehlentscheidungen bei Projektprognosen beitragen können.

Historische Tätigkeitsdaten schaffen dagegen eine sogenannte Außenperspektive:

Wie lange haben vergleichbare Tätigkeiten tatsächlich gedauert?

Damit wird aus Zeiterfassung Erfahrungswissen.

Führungskräfte müssen auch ihre eigene Dringlichkeit hinterfragen

Dabei sollten wir die Verantwortung nicht ausschließlich bei den Mitarbeitenden suchen.

Führungskräfte sind häufig selbst die größten Produzenten künstlicher Dringlichkeit.

Eine kurze Nachricht des Geschäftsführers kann für ihn lediglich eine Frage sein.

Beim Empfänger kann sie jedoch sofort zur höchsten Priorität werden.

„Können Sie sich das einmal ansehen?“ kann im Team als „Der Chef erwartet das heute“ verstanden werden.

„Wir sollten das zeitnah klären“ wird möglicherweise zu „sofort erledigen“.

Deshalb müssen Führungskräfte lernen, Prioritäten präziser zu formulieren.

Wenn etwas bis Freitag benötigt wird, sollte Freitag genannt werden.

Wenn etwas nur dann erledigt werden soll, wenn andere Prioritäten abgeschlossen sind, sollte auch das ausgesprochen werden.

Und wenn tatsächlich eine sofortige Bearbeitung erforderlich ist, muss gleichzeitig entschieden werden, welche vorhandene Aufgabe dafür zurückgestellt wird.

Priorisierung ohne Depriorisierung ist keine Priorisierung.

Transparenz verändert auch die Diskussion über Überlastung

Diese Erkenntnis ist außerdem für die Führungsarbeit mit Teams wichtig.

Wenn ein Mitarbeiter sagt:

„Ich schaffe meine Arbeit nicht mehr“,

gibt es zwei schlechte Reaktionen.

Die erste lautet:

„Dann müssen Sie sich besser organisieren.“

Die zweite lautet:

„Dann brauchen wir sofort zusätzliche Mitarbeiter.“

Beides kann richtig sein.

Beides kann aber auch falsch sein.

Zunächst sollte verstanden werden, wodurch die Belastung entsteht.

Vielleicht besitzt der Mitarbeiter tatsächlich zu viele Aufgaben.

Vielleicht verbringt er aber auch ungewöhnlich viel Zeit mit Tätigkeiten, die automatisiert oder delegiert werden könnten.

Vielleicht wird er ständig durch andere Abteilungen unterbrochen.

Vielleicht wurden Projektbudgets unrealistisch kalkuliert.

Oder vielleicht sind bestimmte Prozesse inzwischen so bürokratisch geworden, dass sie unverhältnismäßig viel Arbeitszeit beanspruchen.

Eine transparente Tätigkeitsstruktur macht diese Ursachen sichtbar.

Damit erhält auch die Diskussion zwischen Mitarbeiter und Führungskraft eine andere Qualität.

Sie basiert weniger auf subjektiven Eindrücken und stärker auf gemeinsam nachvollziehbaren Informationen.

Aus Zeiterfassung muss kein isoliertes System entstehen

Für professionelle Unternehmensumgebungen ist dabei entscheidend, dass Tätigkeitsdaten nicht in einer technischen Insel verbleiben.

Zeiterfassung entwickelt ihren größten Nutzen, wenn Daten in vorhandene Projekt-, ERP-, Warenwirtschafts-, Kanzlei- oder Abrechnungssysteme einfließen können.

TimeSpin sieht deshalb entsprechende Integrationsmöglichkeiten vor.

Über eine REST-API können externe Systeme angebunden werden.

Daten können für nachgelagerte Prozesse bereitgestellt oder beispielsweise an ERP-Lösungen, Warenwirtschaftssysteme sowie Systeme wie DATEV oder Sage übergeben beziehungsweise entsprechend weiterverarbeitet werden.

Dadurch kann aus der einfachen haptischen Erfassung am Arbeitsplatz eine durchgängige Informationskette entstehen:

Tätigkeit → Zeitaufwand → Projekt → Controlling → Abrechnung → Managemententscheidung

Der eigentliche Wert liegt damit nicht im Timer selbst.

Er liegt in den Erkenntnissen, die aus den Daten entstehen.

Fazit: Führung braucht nicht mehr Dringlichkeit, sondern mehr Transparenz

Unternehmen werden nicht dadurch produktiver, dass sie möglichst viele Aufgaben als dringend kennzeichnen.

Sie werden produktiver, wenn Mitarbeitende und Führungskräfte unterscheiden können, welche Tätigkeiten wirklich wichtig sind und wofür die begrenzte Ressource Zeit tatsächlich eingesetzt wird.

Dafür benötigen wir mehr als Projektpläne und Kalender.

Wir benötigen eine realistische Sicht auf den Arbeitsalltag.

Die Erfassung von Tätigkeiten kann dabei auf drei Ebenen helfen.

Für den Mitarbeiter schafft sie eine objektivere Grundlage zur Selbstreflexion. Das eigene Gefühl darüber, womit die Woche verbracht wurde, kann mit der tatsächlichen Tätigkeitsverteilung verglichen werden.

Für die Führungskraft schafft sie Transparenz über Kapazitäten, Unterbrechungen, Projektaufwände und organisatorische Muster.

Für das Unternehmen schafft sie eine Datenbasis, um Projekte besser zu kalkulieren, Prozesse zu verbessern und zwischen notwendiger und künstlich erzeugter Dringlichkeit zu unterscheiden.

Gerade eine einfach zu bedienende haptische Lösung wie TimeSpin kann diese Transparenz in den Arbeitsalltag integrieren, ohne dass die Erfassung selbst zu einer zusätzlichen administrativen Belastung werden muss.

Die Tätigkeiten werden auf den Seiten des Dodekaeder-Würfels abgebildet, der Wechsel erfolgt durch einfaches Umdrehen und die Daten werden automatisch synchronisiert.

Entscheidend ist jedoch, wie Führungskräfte diese Daten nutzen.

Nicht die Frage

„Hast du jede Minute dokumentiert?“

sollte im Mittelpunkt stehen.

Die wesentlich wichtigere Frage lautet:

„Haben wir unsere gemeinsame Zeit für die richtigen Dinge eingesetzt?“

Genau dort beginnt produktive Führung.

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