Künstliche Intelligenz verändert grundlegend, wie wir mit Software interagieren. Statt sich durch Menüs, Masken und Filter zu bewegen, formulieren Nutzer zunehmend einfach, was sie erreichen möchten.
Doch was bedeutet diese Entwicklung für das IP-Management? Wird die klassische Benutzeroberfläche künftig überflüssig – oder übernimmt ein KI-Agent die gesamte Interaktion?
Für das IP-Management spricht vieles für einen anderen Weg: Die Benutzeroberfläche verschwindet nicht. Sie wird durch KI ergänzt und neu definiert.
Vom Menü zur Intention
Klassische Software folgt einem bekannten Ablauf:
Modul → Menü → Maske → Filter → Datensatz → Funktion
Der Nutzer muss wissen, wo sich die benötigte Information befindet und welche Schritte notwendig sind, um sie zu erreichen.
Mit KI verändert sich dieses Prinzip. Der Nutzer kann stattdessen eine Absicht formulieren:
„Welche Patente laufen in den nächsten sechs Monaten aus?“
Oder:
„Zeige mir alle Schutzrechte, die unserem Produkt X zugeordnet sind.“
Der entscheidende Unterschied: Die Software muss nicht mehr nur wissen, was der Nutzer anklickt. Sie muss verstehen, was der Nutzer erreichen möchte.
Der Agent wird zum neuen Einstiegspunkt
KI-Agenten eignen sich besonders für Recherche, Suche, Navigation und einfache Aktionen.
Ein Agent kann beispielsweise:
- Schutzrechte suchen,
- Patentfamilien zusammenfassen,
- anstehende Fristen identifizieren,
- Aufgaben und Verantwortlichkeiten anzeigen,
- relevante Dokumente finden,
- Portfolios strukturieren,
- Informationen aus unterschiedlichen Datenquellen zusammenführen,
- Nutzer direkt zu den relevanten Informationen führen.
Damit wird der Agent zu einem neuen Einstiegspunkt in das IP-Management.
Der Nutzer muss nicht mehr zwingend wissen, wo eine Information gespeichert ist. Er kann beschreiben, welche Information er benötigt.
Warum die klassische Benutzeroberfläche trotzdem bleibt
Trotz dieser Entwicklung gibt es gute Gründe, warum die klassische Benutzeroberfläche weiterhin benötigt wird.
IP-Management umfasst komplexe Datenstrukturen, rechtlich relevante Entscheidungen und zahlreiche miteinander verbundene Informationen. Für bestimmte Aufgaben ist eine strukturierte visuelle Darstellung unverzichtbar.
Eine professionelle Benutzeroberfläche ist insbesondere wichtig für:
- Kontrolle und Validierung,
- den Vergleich komplexer Daten,
- detaillierte Bearbeitung,
- Freigaben und Entscheidungen,
- Ausnahmefälle,
- die Darstellung von Zusammenhängen zwischen mehreren Datensätzen.
Ein KI-Agent kann beispielsweise erkennen, welche Patente zu einem bestimmten Produkt gehören. Für die anschließende Prüfung kann es jedoch sinnvoll sein, diese Patente in einer strukturierten Fachansicht zu betrachten.
Der Agent sollte die Fachoberfläche nicht ersetzen – sondern öffnen
Ein sinnvoller Ansatz besteht deshalb nicht darin, die professionelle Benutzeroberfläche durch einen Chat zu ersetzen.
Stattdessen kann der Agent die passende Fachansicht öffnen.
Der Ablauf könnte beispielsweise so aussehen:
Intention → Agent → Ergebnis → Fachansicht → Entscheidung
Der Agent beantwortet zunächst die Anfrage und liefert eine Zusammenfassung. Anschließend kann er den Nutzer direkt in eine entsprechend gefilterte und kontextbezogene Ansicht des IP-Management-Systems führen.
So kombiniert man die Vorteile beider Welten:
KI für die Suche und Navigation – Fachoberfläche für Kontrolle und Bearbeitung.
Kritische Aktionen benötigen weiterhin kontrollierte Prozesse
Besonders bei rechtlich oder wirtschaftlich relevanten Aktionen sollte ein KI-Agent nicht einfach selbstständig Änderungen durchführen.
Wenn beispielsweise Schutzrechte betroffen sind, sollte der Agent zunächst:
- die betroffenen Rechte identifizieren,
- die Auswirkungen darstellen,
- die zugrunde liegenden Daten anzeigen,
- eine Bestätigung des Nutzers einholen.
Anschließend kann die Aktion innerhalb eines kontrollierten Workflows durchgeführt und dokumentiert werden.
Gerade im IP-Management sind Nachvollziehbarkeit, Governance und Protokollierung wichtige Bestandteile professioneller Prozesse.
KI kann Prozesse beschleunigen. Sie sollte dabei aber nicht die Kontrolle über die Prozesse aus der Hand des Nutzers nehmen.
Für IP-Management ist Kontext entscheidend
IP-Management unterscheidet sich von einer allgemeinen Informationssuche vor allem durch seinen fachlichen Kontext.
Zwischen Schutzrechten und den zugehörigen Informationen bestehen zahlreiche Beziehungen:
- Anmeldungen,
- Prioritäten,
- Veröffentlichungen,
- Erteilungen,
- nationale Phasen,
- Fristen,
- Verfahren,
- Dokumente,
- Kosten,
- Erfinder,
- Produkte,
- Verantwortlichkeiten.
Ein KI-System kann nur dann sinnvoll mit diesen Informationen arbeiten, wenn diese Zusammenhänge strukturiert verfügbar sind.
Genau deshalb reicht ein allgemeines KI-Modell allein nicht aus. Entscheidend ist die Verbindung zwischen KI, strukturierten IP-Daten und fachlicher Geschäftslogik.
GeneseConnect als Grundlage für agentenbasierte Arbeitsweisen
Genese bietet mit GeneseConnect eine Grundlage, um externe Anwendungen und Services mit dem IP-Management-System zu verbinden.
Damit entsteht eine offene Integrationsarchitektur, die unterschiedliche Formen von KI und Automatisierung unterstützen kann – beispielsweise:
- KI-Assistenten innerhalb von Genese,
- spezialisierte KI-Agenten,
- unternehmensweite KI-Systeme,
- Microsoft-Assistenten,
- individuell entwickelte KI-Anwendungen,
- externe Analysewerkzeuge,
- zukünftige Agenten-Anwendungen.
Der entscheidende Punkt ist dabei die kontrollierte Bereitstellung definierter Schnittstellen.
Nicht die KI ersetzt das IP-Management-System. Die KI greift auf die relevanten Daten, Funktionen und Prozesse des Systems zu.
Nicht die eine KI-Oberfläche, sondern mehrere Zugangswege
Die Zukunft des IP-Managements wird deshalb wahrscheinlich nicht durch eine einzige Benutzeroberfläche geprägt sein.
Stattdessen entstehen verschiedene Zugangswege zu denselben Daten und Prozessen:
- die klassische Genese-Benutzeroberfläche,
- ein integrierter KI-Assistent,
- Microsoft-Umgebungen,
- natürliche Sprachabfragen,
- individuell konfigurierte Fachoberflächen,
- externe Anwendungen und Agenten.
Der Nutzer kann damit den Zugangsweg wählen, der zur jeweiligen Aufgabe passt.
Für eine schnelle Suche kann eine natürliche Sprachabfrage sinnvoll sein.
Für eine komplexe Portfolioanalyse kann dagegen eine strukturierte Fachansicht die bessere Arbeitsumgebung darstellen.
Die individuell konfigurierbare Benutzeroberfläche bleibt ein wichtiger Vorteil
Ein professionelles IP-Management-System muss unterschiedliche Rollen, Prozesse und Informationsbedürfnisse abbilden können.
Eine konfigurierbare Benutzeroberfläche ermöglicht es, Informationen und Funktionen entsprechend der jeweiligen Rolle darzustellen.
KI ergänzt dieses Prinzip um einen weiteren Zugangsweg.
Damit ersetzt sie die Benutzeroberfläche nicht, sondern erweitert die Möglichkeiten der Interaktion mit dem System.
Vom IP-Management-System zur IP-Plattform
Diese Entwicklung führt zu einem grundlegenden Perspektivwechsel.
Das IP-Management-System wird zunehmend zu einer Plattform, die Menschen, Systeme und Anwendungen mit denselben IP-Daten verbindet.
Dabei können unterschiedliche Akteure auf unterschiedliche Weise mit dem System interagieren:
Menschen nutzen die Benutzeroberfläche.
KI-Agenten greifen über definierte Schnittstellen auf Daten und Funktionen zu.
Anwendungen nutzen ausgewählte Informationen und Prozesse.
Externe Services können über APIs integriert werden.
Im Zentrum stehen dabei weiterhin:
- Daten,
- fachliche Logik,
- Prozesse,
- Semantik,
- Beziehungen,
- kontrollierter Zugriff.
Die Benutzeroberfläche ist damit nur noch eine von mehreren Möglichkeiten, auf das IP-Management-System zuzugreifen.
Fazit: Die Zukunft ist nicht UI oder KI – sondern UI und KI
Die entscheidende Entwicklung im IP-Management besteht nicht darin, die Benutzeroberfläche durch künstliche Intelligenz zu ersetzen.
Vielmehr entsteht eine Kombination aus beiden Technologien.
Der KI-Agent versteht die Intention des Nutzers und hilft bei Suche, Navigation und Informationsaufbereitung.
Das IP-Management-System stellt die notwendigen Daten, Beziehungen und fachlichen Zusammenhänge bereit.
Die professionelle Benutzeroberfläche visualisiert komplexe Informationen und ermöglicht kontrollierte Detailarbeit und Entscheidungen.
Schnittstellen verbinden das System mit KI-Anwendungen und anderen digitalen Werkzeugen.
Mit GeneseConnect und einer individuell konfigurierbaren Benutzeroberfläche entsteht damit die technologische Grundlage für eine neue Generation des IP-Managements:
Nicht weniger Benutzeroberfläche – sondern mehr Möglichkeiten, mit dem IP-System zu arbeiten.


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