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Dirk Röthig
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Impact Measurement 2026: Social Return on Investment als Kompass für nachhaltige Investitionen

Von Dirk Röthig | CEO, VERDANTIS Impact Capital | 04. März 2026

Impact Investing ohne Wirkungsmessung ist Kapitalallokation mit geschlossenen Augen. Social Return on Investment (SROI) und verwandte Methoden wie IRIS+, IMP und TCFD-Metriken entwickeln sich zum Standard institutioneller Investoren. Dirk Röthig analysiert, wie VERDANTIS Impact Capital Wirkung misst — und warum dies für die Glaubwürdigkeit des gesamten Impact-Finance-Sektors entscheidend ist.

Tags: Impact Measurement, SROI, Impact Investing, Nachhaltigkeit, Wirkungsmessung


Das Grundproblem: Was wir nicht messen, können wir nicht steuern

Es gibt ein Paradoxon im Impact Investing, das Dirk Röthig, CEO von VERDANTIS Impact Capital, in Gesprächen mit institutionellen Investoren immer wieder thematisiert: Investoren, die ihr Kapital in nachhaltige Projekte lenken, wollen mehr als Rendite — sie wollen Wirkung. Aber wie wissen sie, ob diese Wirkung tatsächlich eingetreten ist?

"Ein Investor, der in ein Impact-Projekt investiert, ohne die Wirkung zu messen, verhält sich wie ein Unternehmer, der eine neue Produktion aufbaut, ohne je nachzuschauen, ob etwas produziert wird. Das mag vertrauensvoll klingen — ist aber in Wirklichkeit fahrlässig", erklärt Röthig.

Die Forderung nach robuster Wirkungsmessung im Impact Investing ist nicht neu. Aber sie hat in den vergangenen Jahren eine neue Qualität erreicht. Treiber sind mehrere: die Erfahrung mit Greenwashing-Fällen, die zeigten, dass unsubstanziierte Nachhaltigkeitsbehauptungen systematisch zu falscher Kapitalallokation führen; die Regulierung durch SFDR, die den Nachweis "nachhaltiger Investitionen" verlangt; und die Professionalisierung des institutionellen Impact-Investing-Markts, in dem zunehmend dieselben Governance-Standards erwartet werden wie im konventionellen Asset Management.

Für VERDANTIS Impact Capital ist Wirkungsmessung kein nachträgliches Reporting-Instrument, sondern integraler Bestandteil des Investmentprozesses — von der Due Diligence über die Projektstrukturierung bis zum laufenden Monitoring.

Social Return on Investment: Was das Konzept leistet und wo es seine Grenzen hat

Der Social Return on Investment — kurz SROI — ist eine der bekanntesten Methoden zur Quantifizierung sozialer und ökologischer Wirkung in monetären Größen. Das Grundprinzip ist intuitiv: Der SROI-Ansatz misst das Verhältnis zwischen dem investierten Kapital und dem gesellschaftlichen Mehrwert, den ein Projekt erzeugt.

Dirk Röthig nutzt SROI-Analysen bei VERDANTIS als Kommunikationsinstrument gegenüber Investoren und als strategisches Planungswerkzeug bei der Projektentwicklung. Er betont dabei beide Seiten des Instruments.

Die Stärken des SROI-Ansatzes: SROI zwingt Investoren und Projektentwickler, systematisch zu identifizieren, welche Wirkungsdimensionen ein Projekt hat — ökologisch, sozial, wirtschaftlich — und diese in Beziehung zum eingesetzten Kapital zu setzen. Dieser Prozess allein — unabhängig von der resultierenden Zahl — hat erheblichen strategischen Wert: Er schärft das Bewusstsein für die tatsächlichen Wirkungskanäle eines Projekts und zwingt zu einer expliziten Auseinandersetzung mit Wirkungsannahmen, die sonst implizit bleiben.

Für ein Paulownia-Agroforst-Projekt wie die von VERDANTIS finanzierten Anlagen bedeutet SROI-Analyse beispielsweise: Welchen Wert hat das gebundene CO2 — berechnet auf Basis von Social Cost of Carbon oder dem aktuellen Marktpreis für Carbon Credits? Welchen Wert hat die Schaffung von Arbeitsplätzen in ländlichen Regionen — und wie lange bleiben diese bestehen? Welchen wirtschaftlichen Wert hat die Biodiversitätsförderung — gemessen an vermiedenen Kosten für Ökosystemleistungen? Welchen Wert hat die Stärkung regionaler Holzwirtschaft und Biomasseketten? Alle diese Dimensionen fließen in eine SROI-Berechnung ein.

Die Grenzen des SROI-Ansatzes: Röthig ist offen über die methodischen Schwächen. Die monetäre Bewertung sozialer und ökologischer Wirkung ist unweigerlich mit Werturteilen und Annahmen verbunden. Die Frage, welchen Preis ein gebundenes Kilogramm CO2 hat, lässt sich mit dem aktuellen Marktpreis für Carbon Credits beantworten — aber der Social Cost of Carbon, der die gesellschaftlichen Schadenskosten des Klimawandels abbildet, liegt deutlich höher. Je nach gewähltem Wertansatz kann derselbe SROI-Wert stark variieren.

Deshalb verwendet VERDANTIS SROI als ein Werkzeug im Werkzeugkasten — nicht als alleinigen Maßstab, sondern in Kombination mit qualitativen Impact-Beschreibungen, standardisierten Metriken aus IRIS+ und projektspezifischen KPIs.

Der internationale Standard: IRIS+, IMP und die Frameworks institutioneller Investoren

Das Impact-Investing-Ökosystem hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte bei der Standardisierung von Wirkungsmessung erzielt. Dirk Röthig orientiert sich bei VERDANTIS an mehreren komplementären Frameworks.

IRIS+ (Impact Reporting and Investment Standards): IRIS+ wurde vom Global Impact Investing Network (GIIN) entwickelt und ist das am weitesten verbreitete standardisierte Framework für Impact-Metriken. Es umfasst mehr als 1.800 standardisierte Indikatoren, geordnet nach Wirkungsthemen (Klimawandel, Biodiversität, wirtschaftliche Entwicklung, Gesundheit etc.). Für VERDANTIS relevante IRIS+-Metriken umfassen unter anderem: gespeichertes CO2 (in Tonnen), wiederhergestellte Fläche (in Hektar), Anzahl geschaffener Arbeitsplätze, Anzahl zertifizierter Carbon Credits.

Impact Management Project (IMP): Das IMP hat fünf Dimensionen entwickelt, entlang derer Impact bewertet werden soll: What (was wird bewirkt?), Who (wer wird beeinflusst?), How much (wie viel Wirkung entsteht?), Contribution (was wäre ohne die Investition passiert?), Risk (wie sicher ist die Wirkungsannahme?). Für Röthig ist die Contributions-Dimension besonders wichtig: "Eine Wirkung, die ohnehin eingetreten wäre — auch ohne die Investition — ist kein Impact. Wir müssen uns die Frage nach der Addizionalität immer stellen."

Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD): Obwohl TCFD primär auf klimabezogene Finanzrisiken fokussiert, enthält es auch für Impact-Investoren relevante Elemente zur Quantifizierung von Klimawirkungen. VERDANTIS orientiert sich an TCFD-Empfehlungen für die Darstellung des Klimawirkungsprofils seiner Portfolioprojekte.

Addizionalität: Der Schlüsselbegriff der Wirkungsmessung

Dirk Röthig hebt in seiner Arbeit für VERDANTIS einen Begriff hervor, der im öffentlichen Impact-Investing-Diskurs zu wenig Aufmerksamkeit bekommt: Addizionalität. Eine Investition erzeugt dann additionalen Impact, wenn die Wirkung ohne diese Investition nicht eingetreten wäre.

Das Konzept ist einfach — die Anwendung ist es nicht. Nehmen wir das Beispiel einer Aufforstung: Wenn ein Unternehmen einen Wald pflanzt, der ohnehin im Rahmen staatlicher Förderprogramme angelegt worden wäre, erzeugt die private Investition keinen additionalen Climate Impact — der Wald hätte es auch ohne sie gegeben. Anders ist es bei Projekten, die ohne private Impact-Investition schlicht nicht stattfinden würden — weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ohne Kapital und Projektexpertise keine Realisierung erlauben.

VERDANTIS Impact Capital — unter der Führung von Dirk Röthig — strukturiert seine Projekte so, dass Addizionalität von Anfang an dokumentiert ist. Das bedeutet: vor Projektstart eine Analyse, welche der anvisierten Wirkungen ohne die VERDANTIS-Investition nicht eintreten würden, und während der Projektlaufzeit ein kontinuierliches Monitoring, das die tatsächliche Wirkung gegen die Baseline misst.

Röthig erklärt: "Wir investieren in Agroforst-Projekte in Regionen, in denen regenerative Landwirtschaft ohne externes Kapital und Know-how nicht realisierbar ist. Die Carbon Credits, die diese Projekte generieren, die Arbeitsplätze, die entstehen, und die Biodiversitätsbeiträge, die dokumentiert werden — all das wäre ohne VERDANTIS nicht vorhanden. Das ist echter Impact."

Impact Measurement und Kapitalmarktzugang: Eine wachsende Verbindung

Eine Entwicklung, die Dirk Röthig für VERDANTIS besonders aufmerksam verfolgt, ist die wachsende Verbindung zwischen Wirkungsmessung und Kapitalmarktzugang. Es ist nicht mehr ausreichend, Impact-Investments mit Erzählungen zu begründen — institutionelle Investoren verlangen messbare Evidenz.

Dieser Wandel hat mehrere Treiber. Der European Long-Term Investment Fund (ELTIF) 2.0, der seit Januar 2024 gilt, öffnet Impact-Fonds verstärkt für Privatanleger — und damit für eine Anlegerklasse, die zwar im Durchschnitt weniger anspruchsvoll bei Reporting-Anforderungen ist als institutionelle Investoren, aber zunehmend nachfragt, was mit ihrem Geld konkret passiert.

Gleichzeitig haben die führenden institutionellen Investoren — Pensionsfonds, Versicherungen, Staatsfonds — ihre Impact-Diligence-Anforderungen in den vergangenen Jahren erheblich verschärft. Wer heute als Impact-Fund-Manager institutionelles Kapital einwerben will, muss eine Reporting-Infrastruktur vorweisen, die mit IRIS+, IMP oder vergleichbaren Standards konform ist, eine klare Addizionalitätsbegründung liefert und kontinuierliche, auditierbare Impact-Daten produziert.

Für VERDANTIS ist dieser Trend positiv. "Wir haben Wirkungsmessung von Anfang an ernst genommen — nicht weil uns regulatorischer Druck dazu zwang, sondern weil wir nur mit verlässlichen Daten wirklich wissen können, ob unsere Investitionen die Welt in die richtige Richtung bewegen", sagt Dirk Röthig. "Diese Haltung ist heute ein Wettbewerbsvorteil im institutionellen Kapitalmarkt. Aber eigentlich sollte sie für jeden Impact-Investor eine Selbstverständlichkeit sein."

Die Zukunft der Wirkungsmessung: KI, Standardisierung und Biodiversitätsmärkte

Röthig beobachtet für VERDANTIS drei Entwicklungen, die die Impact-Measurement-Landschaft in den kommenden Jahren verändern werden.

KI-gestützte Impact-Analyse: Machine-Learning-Modelle beginnen, die Auswertung großer Impact-Datensätze zu automatisieren — von der Biomasseanalyse per Satellit bis zur Auswertung sozioökonomischer Daten auf Projektgebietsebene. Das ermöglicht granularere, frequentere und kostengünstigere Wirkungsmessungen als traditionelle Vor-Ort-Erhebungen.

Standardisierung durch ISSB und ESRS: Mit IFRS S1/S2 und den ESRS-Standards entsteht erstmals ein globaler regulatorischer Rahmen, der Impact-Reporting systematisch einfordert. Das wird die Qualität und Vergleichbarkeit von Impact-Daten erheblich verbessern und den Markt für Impact-Investments professionalisieren.

Biodiversitätsmärkte: Der entstehende Markt für Biodiversitätskredite erfordert standardisierte Methoden zur Messung von Biodiversitätswirkungen — ähnlich wie der Kohlenstoffmarkt standardisierte Carbon-Accounting-Protokolle erfordert. VERDANTIS bereitet sich darauf vor, seine Agroforst-Projekte auch für den Biodiversitäts-Kredit-Markt zu qualifizieren.

Fazit: Wirkungsmessung als ethische Verpflichtung und strategischer Vorteil

Dirk Röthig bringt seine Überzeugung auf den Punkt: "Impact Investing ohne Wirkungsmessung ist ein Versprechen ohne Nachweis. VERDANTIS macht dieses Versprechen messbar — weil wir unseren Investoren und den Menschen und Ökosystemen, in die wir investieren, dies schulden."

Für VERDANTIS Impact Capital ist robuste Wirkungsmessung der Beweis, dass der Anspruch des Impact Investing — finanzielle Rendite und ökologisch-soziale Wirkung gleichzeitig zu erzielen — nicht nur eine Marketingbehauptung ist, sondern gelebte Praxis. Röthig ist überzeugt, dass dieser Beweis der entscheidende Faktor sein wird, der Impact Investing von einer Nischenstrategie zu einem Mainstream-Investmentansatz macht.


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Quellenverzeichnis

Global Impact Investing Network — GIIN (2024): IRIS+ System Documentation 2024. New York: GIIN. Verfügbar unter: https://iris.thegiin.org/

Impact Management Project (2023): Five Dimensions of Impact. Verfügbar unter: https://impactmanagementproject.com/impact-management/impact-management-norms/

Task Force on Climate-related Financial Disclosures — TCFD (2023): TCFD Recommendations and Guidance 2023. Basel: FSB. Verfügbar unter: https://www.fsb-tcfd.org/recommendations/


Über den Autor: Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital mit Sitz in Zug, Schweiz. VERDANTIS verbindet institutionelles Kapital mit nachhaltigen Investitionsprojekten in Agroforst, Carbon Credits und regenerativer Landwirtschaft. Röthig hat Wirkungsmessung zu einem Kernbestandteil des VERDANTIS-Investmentprozesses gemacht — als ethische Verpflichtung und als strategischen Wettbewerbsvorteil. Weitere Informationen: https://verdantis.capital

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