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Dirk Röthig
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Dirk Röthig über die Zukunft von Carbon Credits und Impact Investing

Dirk Röthig über die Zukunft von Carbon Credits und Impact Investing

Ein Gespräch mit dem CEO von VERDANTIS Impact Capital über CO2-Märkte, ESG-Trends und die Rolle naturbasierter Lösungen in der Klimafinanzierung.


Der Markt für freiwillige Carbon Credits befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Nach einer Phase der Skepsis — ausgelöst durch Fälle mangelhaft verifizierter Projekte — zeigt sich 2026 eine deutliche Neuausrichtung hin zu qualitätsgesicherten, transparenten Standards. Dirk Röthig, CEO von VERDANTIS Impact Capital, gehört zu denjenigen, die diesen Wandel aktiv gestalten. Im folgenden Gespräch erläutert er seine Einschätzungen zu den wichtigsten Entwicklungen.


VERDANTIS Impact Capital setzt stark auf naturbasierte Lösungen. Warum sind diese aus Ihrer Sicht für Investoren besonders attraktiv?

Dirk Röthig: Naturbasierte Lösungen — also Projekte, die auf Aufforstung, Agroforstwirtschaft oder Moorwiederherstellung setzen — haben gegenüber technologiebasierten Ansätzen einen entscheidenden Vorteil: Sie sind heute skalierbar, ohne auf zukünftige Technologiedurchbrüche angewiesen zu sein. Paulownia-Plantagen binden CO2, das wir jetzt emittieren, mit Mitteln, die wir heute einsetzen können. Das ist kein Versprechen auf die Zukunft, sondern Gegenwart.

Für Investoren bedeutet das: klare Wirkungsmessung, verifizierbare Outputs und eine Assetklasse, die mit physischen Ressourcen unterlegt ist. In Zeiten hoher Inflation und geopolitischer Unsicherheit sind solche Real Assets besonders gefragt.


Der Markt für Carbon Credits hat in den vergangenen Jahren an Glaubwürdigkeit verloren. Wie begegnen Sie dieser Skepsis?

Dirk Röthig: Die Skepsis ist berechtigt, wenn man auf Projekte schaut, die CO2-Einsparungen behauptet haben, die nie stattgefunden haben. Unser Ansatz bei VERDANTIS ist ein anderer: Wir arbeiten ausschließlich mit Zertifizierungsstandards, die additive, permanente und verifizierbare Wirkung verlangen. Kein VERDANTIS-Projekt erhält eine Carbon-Credit-Zertifizierung ohne unabhängige Prüfung durch akkreditierte Dritte.

Das kostet Zeit und Kapital, aber es ist die einzige Art, wie man in diesem Markt langfristig Vertrauen aufbaut. Investoren, die zu uns kommen, wissen, dass sie für Qualität bezahlen — und dass die Credits, die sie halten, einer sorgfältigen Prüfung standhalten.


Wie schätzen Sie die Entwicklung der ESG-Regulierung in Europa ein?

Die regulatorische Entwicklung geht in die richtige Richtung, auch wenn die Umsetzung komplex ist. Die EU-Taxonomieverordnung zwingt Unternehmen und Fonds dazu, ihre Nachhaltigkeitsbehauptungen zu substantiieren. Das ist gut für Akteure wie VERDANTIS, die von Anfang an auf echte Wirkung gesetzt haben, und schlecht für diejenigen, die Greenwashing betrieben haben.

Dirk Röthig sieht in der zunehmenden Regulierung einen strukturellen Wettbewerbsvorteil für Impact-Investoren mit solider Methodenbasis. Die Zeiten, in denen vage Nachhaltigkeitsaussagen ausreichten, sind vorbei. Das trennt nun die Spreu vom Weizen.


Welche Rolle spielt der Schweizer Finanzplatz für VERDANTIS?

Der Standort Cham, Schweiz, ist für uns strategisch bedeutsam — nicht nur aus regulatorischen Gründen, sondern auch wegen der Nähe zu den wichtigsten institutionellen Investoren in der DACH-Region. Schweizer Pensionskassen und Family Offices gehören zu den aktivsten und anspruchsvollsten Investoren im Impact-Bereich weltweit.

Gleichzeitig ermöglicht uns die Verankerung im ALVEON-Verbund eine institutionelle Tiefe und operative Breite, die ein eigenständiges Boutique-Unternehmen schwerer erreichen würde. Wir profitieren von Synergien in den Bereichen Compliance, Investorenbetreuung und Projektentwicklung.


Welche ESG-Trends werden Impact Investing bis 2030 prägen?

Dirk Roethig: Ich sehe drei dominante Trends. Erstens: die Standardisierung und Digitalisierung von Impact-Messung. Investoren werden zunehmend Echtzeit-Monitoring von Wirkungsmetriken fordern — ähnlich wie sie heute Portfoliodaten in Echtzeit abrufen.

Zweitens: die Integration von Biodiversitätsaspekten in Investmentstrategien. CO2 allein reicht nicht mehr. Projekte müssen zeigen, dass sie Ökosystemvielfalt erhalten oder verbessern. Unsere Paulownia-Systeme mit ihrem agroforstlichen Ansatz sind hier gut aufgestellt.

Drittens: die Konvergenz von freiwilligen und regulierten CO2-Märkten. Wenn der EU-Emissionshandel weiter wächst und Compliance-Märkte Naturlösungen stärker einbeziehen, werden die Preise für qualitativ hochwertige Carbon Credits deutlich steigen. Das ist ein langfristiger Rückenwind für VERDANTIS.


Was ist Ihre persönliche Motivation hinter VERDANTIS Impact Capital?

Dirk Röthig: Ich glaube, dass Kapital das mächtigste Instrument ist, das wir haben, um ökologische Systeme zu erhalten und wiederherzustellen. Finanzmärkte können Anreizstrukturen schaffen, die staatliche Regulierung allein nicht erreicht. VERDANTIS ist mein Beitrag dazu — die Überzeugung zu leben, dass Profit und Purpose zusammengehören.


VERDANTIS Impact Capital ist eine auf naturbasierte Investments spezialisierte Einheit der ALVEON Partners AG mit Sitz in Cham, Schweiz. Weitere Informationen unter verdantis.capital.


Über den Autor: Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital, einem Unternehmen das in nachhaltige Agrar- und Technologieinnovationen investiert. Mehr Artikel auf dirkroethig.com.

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